Die verlorene Oris im Arbeitsjournal des Montags, den 8. Oktober 2018. Zwei Tage vor der Messe. Darinnen zu einem Vorwurf Sabine Schos gegen den neuen Entwurf der Béart.

 

Indem die Vergangenheit durch die Gegenwart reflektiert wird (nostalgica),
bringt sie eine kreative Utopie hervor (utopica); die Sehnsucht nach dem
Bekannten wird zum Vehikel für das Mögliche (futura) durch das Medium
der Entfernung (lontananza).“

Salvatore Sciarrino, z.n.>>>> dort.

[Arbeitswohnung, 6,37 Uhr
Luigi Nono, La Lontananza Nostalgica Utopica Futura (1988/89)]

Es war kein gutes Wochenende, der Sonnabend jedenfalls schwermütig. Denn als ich von meinen Einkäufen zurückkehrte, fehlte am Handgelenk meine Armbanduhr – eine wunderschöne Oris automatic aus den Achtzigern, ein Geschenk Dos, das ich seit nunmehr fast dreißig Jahren trage, bzw., muß ich jetzt schreiben, getragen habe. – Konnte es sein, daß ich sie gar nicht umgebunden hatte? doch, ich erinnerte mich genau | daß sie vielleicht noch in der Wohnung vom Arm gefallen war, etwa, als ich die schwere Lederjacke überzog? ich suchte und suchte. Nein. Vergebens.
Dann tippte ich einen Verlustzettel, kopierte ihn an die dreißigmal, ging hinaus, hing ihn an Laternen, Strommasten usw. alle Wege entlang auf, die ich gefahren war. Gestern abend hingen die Zettel noch. Eine Reaktion gab es nicht; ich habe meine Mobilnummer auf ihnen vermerkt. Aber wer gibt schon, wenn er/sie es findet, solch ein seltenes Stück zurück?
Den Schmerz unterdrückte ich, „Dinge“, dachte ich mir, „es sind nur Dinge“, aber wenn ich mich zum Mittagsschlaf legte, stand die Traurigkeit so entscheiden auf, daß auch ich nicht liegenbleiben konnte und ihr folgte, so daß nun sie sich wieder hinlegen und wegschlafen konnte, derweil ich mich auf anderes zu konzentrieren versuchte, zum Beispiel auf >>>> die Béart.
Wie nervös ich aber war, merkte ich an einer Reaktion auf den Einwand Sabine Schos gegen das letzteingestellte Stück des Zyklus. Sie schrieb bei Facebook:

Schwierig. Hast Du Dich eigentlich je mal gefragt, welche Leser*innen Du damit anlockst und welche eher nicht und ob Du gerade diese willst? Es ist ja alles immer ein Dialog mit sich selbst beim Schreiben UND einer Art imaginären Zuhörerin, der man aber irgendwie noch Raum lassen muss, jenseits der eigenen Projektionen und dieser Raum fehlt mir hier. Es ist sehr leicht, sich hier zu positionieren, viel zu leicht, das macht das lyrische oder autobiographische ICH geheimnislos und damit relativ uninteressant. Man kann es auch positiv sagen; sehr greifbar, aber das Unüberraschende liegt im Klischee des Begehrens, von dem ich denke, das kenne ich schon, Begehren ist immer entfesselt und Fernsehen ist sein Gegenteil, obwohl ja gerade dort auch die Klischees von ihm verbreitet werden.

Es warf mich dies unvermutet aus der Bahn; ich denke, weil ich wegen des Verlustes ein wenig überempfindlich war, Zustimmung gebraucht hätte, als Trost. Bei der Kunst gilt sowas freilich nicht; in ihr (als sie im Werden) ist Trost nicht vorgesehen. Schon insofern  hätte ich diskutieren müssen, wollt‘ es auch sofort – nicht aber, prinzipiell, bei Facebook, sondern in Der Dschungel direkt. Ein alter Streitpunkt zwischen Scho und mir, die, egal was es politisch bedeutet und wen & was sie da geradezu hörig unterstützt, an Facebook klebt wie nationalgesonnene Juden noch in den 30ern  an einem Deutschland, das sich bereits anschickte, sie alle zu ermorden. Also notierte ich unter ihrem Beitrag nur noch, leicht verärgert, aber von meiner Traurigkeit weiter geschwächt: „Es lebe die Marktmacht, wir sind dankbar und beten, ihr auch weiter nicht nur zu Füßen liegen, sondern auch alles andre tun zu dürfen, was ihr schmeichelt und wohltut“, kopierte dann Schos Kritik und schickte sie an Lektorin und Freunde per Email. Ob sie, Scho & Kritik, recht hätten? – Rückmeldungen kamen abends und brachten mich wieder ins Lot. Unterdessen hatte ich selbst mehrfach den eingestellten Entwurf neugelesen und eigentlich mit jedem Mal überzeugter von der Richtigkeit geworden. Jetzt denke ich, daß es unterm Strich bei der Kritik um ein Frauenbild, sagen wir: um die Frauenprojektion eines Mannes, die der „genderneutralen“ Positionierung des Pops nicht entspricht, sondern, jedenfalls scheinbar, an der „klassisch“-patriarchalen Geschlechterrollenerteilung festhält. Deshalb auch die moralistische Frage, ob ich mir sicher sei, diejenigen, die ich mit meinen Versen „anlockte“ (!), als Leser:innen auch zu wollen. Auch das „genderkorrekte“ Sternchen in den Leserinnen weist auf diese unterlaufende Argumentationsmotivation hin – wobei, gut, ich setze statt des Sternchens den Doppelpunkt, allerdings selbstverständlich nicht in der Dichtung.
Wer locken wolle, schrieb mir, übrigens, meine Lektorin, „sollte eher nicht Gedichte schreiben“. Auch Parallalie war die – so oder so Verführung (wohl Leimruten eher) unterstellende – Formulierung aufgefallen, dem aber vor allem der Blick auf das Eigentliche fehlt: die Versarbeit zu betrachten. Die „gewisse Idee von Frau“, die der Béartzyklus heraufbeschwöre, teile er, Parallalie, dabei durchaus nicht. Doch eben darauf komme es nicht an, sondern wie wird aus einem Motiv, einer Motivation, kurz: einem Grund ein Gedicht. Und warum ist es eins, oder ist es keines?, möcht‘ ich selbst noch verstärken.
Doch jetzt erst mal weiter mit den für diaphanes‘ Magazin ausgesuchten und nunmehr auch dank meiner Lektorin und der Freunde präzisierten vier Béartgedichten. Es wäre mir am liebsten, die Fahnenarbeit würde bereits vor dem Buchmessenmittwoch, also übermorgen, abgeschlossen.

लक्ष्मीs Geburtstag heute, frühabends zum Essen hinüber, um ein wenig mit ihr, unserem Sohn und den Zwillingskindern zu feiern; Kindlein sind diese zwei nun auch schon lange nicht mehr.

[8.42 UHr:]
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19 Kommentare zu Die verlorene Oris im Arbeitsjournal des Montags, den 8. Oktober 2018. Zwei Tage vor der Messe. Darinnen zu einem Vorwurf Sabine Schos gegen den neuen Entwurf der Béart.

  1. Sabine Scho hat reagiert,
    bei Facebook selbstverständlich wieder, man(n) muß wirklich von Hörigkeit sprechen, nicht gegenüber einem Mann, bewahre, vielmehr verfallen an ein – nicht etwa ihr! – extrem gewinnbringendes, weil marktbeherrschendes Abstraktum, das die Essenz durch Vorschein ersetzt. – Wie auch immer, sie schreibt:

    Doch, darauf kommt es an, und wie! Weil du nicht nur die Flasche betrachtest, wenn du einen Whiskey trinken willst, weil Gedichte geformt sind, aber zumeist nur die Literaturwissenschaftler*innen interessiert, was einen Alexandriner ausmacht und warum Goethe ihn für den Faust II wählte z b, den, Ironie des Schicksals, darum auch nur noch diese lesen, dabei ist alles drin, was die Verblendung von Karrieren ausmacht, egal, Du hast Dich bei den Deinen versichert, alles ist schon ok so wie es ist. Verstehe ich, bringt einen nur nie weiter. Soweit ich mich erinnere, ist Zuckerberg zudem Jude, ich weiß nicht, ob ich mich da so fürchten muss. Vielleicht fürchte ich mich vor Deinen Einwürfen mehr, die mir vor allem eins zeigen, wenn die Verletzungen zu groß sind, dann wird Kritik unmöglich, aber ich bin keine Therapeutin. Ich versuche es immer wieder mit Deiner Lyrik, aber da kommen wir nicht zusammen. Da verlierst Du mich als Leserin. In der Prosa durchaus nicht. Ob aus den richtigen oder Dir falsch erscheinenden Gründen, ist mir dabei ja ziemlich egal. Instinktiv treibt mich das weg. Das lässt sich dann tatsächlich nicht verhandeln. Es war nur eine Frage, die Dir nicht wichtig ist beim Schreiben. Mir fällt nur auf, von wem ich Zuspruch bekomme und dabei fällt mir auch auf, sind das eigentlich Menschen, von dem ich mir ihn wünsche. Mein Beruf besteht nämlich ständig aus ganz außerliterarischen Begebenheit, die durchaus mit in ihn hineinwirken. Jetzt habe ich: verlorene Osiris gelesen :D.

    Womit deutlich wird, daß es ihr, Scho, um das Eigentliche eines Kunstwerks, nämlich die Form, gar nicht geht, sondern um Inhalte. Ich glaube, ihr gefallen meine Überhöhungen nicht (>>>> „Aufladung ist das Geheimnis“), vor allem gefällt nicht der bewundernde, Frauen als Begehrensprojektionen hingegebene Ton, dieses, ich möcht mal sagen, „Schwärmerische“ (Othmar Schoeck: >>>> „Ergriffen sein!“), ohne das ich aber, und zwar als Künstler, gar nicht existenzfähig wäre, das mich antreibt, immer angetrieben hat und eine solche Grundlage für meine Lebensliebe ist, Lebens-, ja, –besessenheit. Wir werden, Sabine und ich, was diese Leidenschaftlichkeit anbelangt, die für Pathos doch nur ein anderes Wort ist, niemals zusammenkommen, denke ich.

    • Christine H sagt:

      Meine ersten Gedanken zu vorangegangenen Kommentaren von Sabine Scho:
      Wen Du anlocken willst? Allein schon diese Frage finde ich interessant!!! Gedichte als Lockmittel mögen vielleicht ja im Mittelalter sehr „in“ gewesen sein, aber bei Dir? Die kommen so aus Dir heraus, aus Deiner wie Du schreibst auch Lebensbesessenheit, da bleibt doch gar keine Zeit auch noch für gedankliches Anlockenwollen… Und ja, mich zieht es immer wieder in Deine Sprache hinein ob Prosa oder auch Lyrik und es gibt dieses Obsessive, Harte, das, wenn ich Dich nicht kennen würde, mich vielleicht auch abschrecken würde…? Also mich so gar nicht anlocken könnte, wenn es denn auch noch beabsichtigt wäre… Aber „verlieren“? Ich kenne Dich und weiß um manches, was dahinter liegt, und spüre die Bewunderung für das Weibliche und kann differenzieren…! Und fühle mich auch als Frau nicht gedemütigt, degradiert oder was auch immer. Bin ich da zu wenig sensibel? Zu sehr von Männlichem dominiert und blind gemacht für Übergriffiges? Es braucht den Kontext, es braucht den Menschen, den ich dahinter sehen kann, und daraus erschließt sich mir, zumindest in Deinem Falle, die Lyrik, die Prosa, auch wenn ich nicht mit allem mitgehen kann und mir manches ein Stück weit fremd bleibt. Aber die innere Verbindung bleibt doch zu Dir.
      Ja, und natürlich zieht auch mich als erstes der Inhalt an und nicht die Form, denn mit dem Inhalt gehe ich in Resonanz und kann mich entweder hineinfallen lassen oder eben nicht. … aber wie wunderbar ist es, hineinzufallen, hineinzutauchen, hineinzufließen…

    • Aikmaier sagt:

      @ sabine scho (in der hoffnung, dass sie sich aus dem Grande Sertão auch hierher locken lässt (denn: kein fb für mich!)):

      naja, „versichert“ liest sich so, als hätte ich anh eine police ausgestellt. habe ich aber nicht, sondern angemerkt, dass ich einige Deiner punkte (des ersten fb-kommentars; den zweiten lese ich erst jetzt) für diskutierenswert, aber erklärungsbedürftig halte.

      nicht die frage, welche leser man anlockt und welche nicht. ist ein text (früher hätte ich geschrieben: ein buch) erst einmal in der welt, hat seine mutter keine kontrolle mehr über den nachwuchs – wenn ich platon einmal so gender-balancieren darf. weder wagner, noch kafka, noch george kann man für ihre nachmaligen leser und hörerinnen am zeuge flicken.

      wonach ich mich erkundigen will: habe ich Dich recht verstanden, dass für Dich ein lyrisches – autobiographisches – ich ein geheimnis ins gedicht tragen muss? warum das und wie? was macht ein solches geheimnis aus? form? inhalt? sollte man sich also mehr für die person(a) interessieren, die da lyrisch spricht als nach dem lyrischen sprechen selbst?
      inwiefern ist begehren, wenn es in einen poetischen text gefasst ist, klischeehaft? das kann es werden, abhängig von der darstellung – hekatomben schlechter erotischer literatur ließen sich anführen. „das kenne ich schon“? gut so, aber daß begehren dargestellt wird, oder wie es dargestellt wird? – kurzum: wo und wie fällt anh mit den béart-gedichten ins klischeehafte? darüber ließe sich, denke ich, mit gewinn diskutieren, denn zweifellos ist es riskant, einen ganzen zyklus unter diesem titel auf und über „die“ frauen zu schreiben.

      kurzes ps zum zweiten kommentar:
      mag sein, dass der alexnadriner nur noch literaturwissenschaftler interessiert. aber die unstudierten leser spüren/hören ihn trotzdem.

      • xo sagt:

        das wird jetzt doch etwas beschwerlich und in die dschungel lockt mich nichts zurück, join me at fb. ich begegne albans gedichten nicht zum ersten mal und seinen erotischen projektionen auch nicht, es ist mein gutes recht, damit nichts anfangen zu können, auch nicht im gedicht. auch wenn ich mich immer mal wieder bemühe, die gedichte gut zu finden, aber sie sprechen mich nicht an, im gegenteil. aus einem ganz einfachen grund, so wurde jahrhunderte lang auf frauen geblickt, nur sehen wollte sie dabei keiner. oder, wie sagte ich es gestern: lucia joyce im fischkostüm. ich lese mich ein wenig ein in das leben der tänzerin und tochter von james joyce. und für einen moment tut sich die ganze tragik einer frau im fischkostüm auf, die ihr halbes leben in psychatrien verbracht hat und eine unglaubliche wut auf die große ganze männliche kulturgeschichte mit ihren ständigen projektionen, mit ihrem zukleistern, ihrem bilder beschwören von frauen kriecht in mir hoch. statt nur einmal, nur einmal eine frau zu fragen, was bitte, was möchtest du, dass ich an dir sehe? nein. nie. das ist so traurig, das ist so verkehrt, das ist so vollkommen autistisch. stattdessen: bodenlose hymnen, oh, wahrlich, ich sage euch, ihr habt so viel gut zu machen und das schlimme ist, ihr begreift es nicht einmal, ihr sagt ständig, wieso, ich feiere doch die frauen. nein, was ihr feiert, ist nichts weiter als euren blick auf sie und ihr habt keine je danach gefragt, ob sie so gesehen werden will, weil es euch schlicht nicht interessiert, weil es nicht zählt. ihr habt nie eine frau gesehen, wie kann es da überhaupt musen geben, ihr habt ja immer nur in einen spiegel geschaut. hier wäre das geheimnis, einfach mal zu schauen, was tun frauen, stattdessen wieder nur die altbekannten vorgefasstheiten und projektionen auf sie zu applizieren. da lese ich lieber virginia woolf, orlando. und, nein, daran ist nichts riskant, einen solchen zyklus über frauen zu schreiben und dabei ja genau zu wissen, was so eine frau und ein mann ist oder sei, das ist alt bewährt und gut abgehangen. gedichte sind für mich grundlagenforschung und nicht das ventilieren von rollenklischees, weil es dem dichter halt gerade zupass kommt. schon das männerlastige podium und der furor nervte mich bei der werkschau. mittags bei meere war alles noch ok, abends brach sich dann wieder ein alban bahn, mit dem ich nix anfangen kann, in meere war er schon mal weiter. da gabs ja wenigstens noch die erkenntnis, dass ein besessener künstler die person neben sich überhaupt nicht wahrnahm, das wurde ja immerhin nocht thematisiert und das ergebnis davon melancholisch zur kenntnis genommen. hier liest es sich für mich, als sei das alles wieder weit hinter diese erkenntnis zurück gefallen, die aber für mich wichtig wäre, um so ein hymnisches schwärmen überhaupt zu rechtfertigen, dass man bereit ist, etwas wahrzunehmen, für das man selber noch keine form hat und ihm nicht überzustülpen, was man schon weiß, die bereitschaft sich dem andersartigen zu öffnen, es zu befragen, es zu beobachten, ohne es gleich zu kategorisieren, das meine ich mit geheimnis und grundlagenforschung.

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  4. @Sabine Scho (und auch Aikmaier):
    Es gibt doch die Frauen gar nicht, es gibt Frauen, jede verschieden und für sich, und es gibt Blicke auf sie, sowohl solche als auch andere. Daß ich Projektionen schreibe, scheint mit völlig „normal“ zu sein, auch, weil es nämlich Besessenheiten sind, sinnvoll; eine bestimmte, „konkrete“ Frau ist hier doch gar nicht Gegenstand, sondern das, was jemanden, in diesem Fall mich, antreibt und ohne das nichts, aber auch gar nichts je geschrieben worden wäre, das ich (und andere mit mir) schrieb. Und was heißt „Forschung“, gar Grundlagenforschung? Dazu bedürfte es einer wissenschaftlichen Methodik, deren Grundlagen s e l b s t gesicherte, zumindest nicht widerlegte wären. Gehören diese in den Fundus des Poetischen, sollen, müssen sie da hineingehören, und wenn das verlangt wird, mit welchem Recht? Auch ist nicht wahr, daß, wie hier geblickt wird, immer schon geblickt wurde; es wurde oft, sogar meist, in Absehung von weiblicher Sexualität geblickt, diese sogar in der Regel geleugnet. Passiert in den Béartgedichten nicht. Die in den Béartgedichten erzählten Frauen sind mächtig, zum Beispiel, und zwar durchweg. Außerdem ist es eine Frage für sich, ob Gedichte konkrete Wahrheiten zu vermitteln haben, zumal dann, wenn solche Wahrheiten von Widersprechenden ganz genauso definiert werden, wie den Gedichten, daß sie es täten, unterstellt wird.
    Es geht in diesem Zyklus darum, was lockt, so sehr, daß man(n) nicht davon wegkommt, nicht darum, wie man und frau sich pragmatisch mit- und aneinander arrangieren. Kurz, es geht nicht um einen Alltagsmodus.
    Das Problem ist dabei allerdings, daß nicht alle Frauen den hier beschworenen Projektionen genügen, aber wie wir sehen genügt auch nicht jeder Mann den Projektionen, die auch Frauen selbstverständlich haben, sondern einige tun es, andere nicht. Kurz, im Erotischen gibt es keine Gerechtigkeit, auch keine Gleichheit, weder bei Frauen noch bei Männern. Erregung ist kein demokratischer und erst recht nicht „correcter“ Prozeß, eher im Gegenteil. Und er wird auch nie so einer werden. Auch davon, unter anderem, spricht dieser Zyklus, spricht eben auch vom Nicht-Erhörtwerden, Nicht-Erhörtwordensein, ja abgelehnt-Werden. Dabei schreibe ich allerdings als Mann, und zwar als heterosexueller; das ist die Grundlage der poetischen Bewegung dieser Gedichtfolge. Daß mich z.B. homosexuelles Begehren nicht interessiert, ist wiederum mein Recht. Was ja nicht bedeutet, daß ich homosexuell konnotierte Gedichte, egal ob männlich oder weiblich, also lesbisch, so konnotiert, nicht ebenfalls als gute, wenn sie es sind, anerkennen würde. Ob sie es sind, allerdings, ist wieder eine Frage, und nur eine Frage der Formung. Ich liebe die Kunst Brittens, die nun wirklich homosexuell ist, und ich liebe die Gedichte Saphos. Dabei hilft mir deren gelungene – abermals – F o r m, die Brücke hinüber ins andere, anders gerichtete, Begehren zu gehen.
    Übrigens ist es mir unheimlich, „die“ Frau ständig als Opfer sehen zu sollen; das wäre nämlich nun erst wirklich die Reduktion eines, in diesem Fall des weiblichen Geschlechts. In diesem Fall muß ich, und sehr ungern, meine Mutter zitieren: „Meine Mutter hat selbst schuld, daß ich mir die Hände erfriere: Warum strickt sie mir keine Handschuhe?“ Wahnsinnig geworden sind auch schon Männer an Frauen, und nicht einmal selten. (Soviel zu Lucia Joyce).

  5. Melville sagt:

    Hierzu, aus nun ganz anderer Perspektive, argumentiert —-> dort Bruno Lampe.

  6. xo sagt:

    ich habe gerade gar keine energien dafür, aber ich krieg, wo alle nach der form rufen, bei den ganzen konjunktiven eher vom sprachgefühl ne gänsehaut, als von irgendwas anderem. ich weiß gar nicht, was wird da eigentlich verhandelt? kein bild dazu, was sich einstellt, hier stellt sich für mich eigentlich nur ein sehr bemühter sprachgestus aus.

    Béart, du dir selbst zu Preziose und Frau wirst, (was soll damit gesagt sein, wer wird wodurch sich zur frau, was heißt das, sich zur frau werden?)
    da übernimmst du den männlichen, auf dich gerichteten,
    richtenden und sich wieder vor dir beugenden Blick, (beugender blick? demut? blickbewegung? von wo nach wo? wer steht da wo?)
    in den du dich nunmehr hineinschmiegst, als legtest
    du deine vier Lippen lotrecht darum und strichest vom Schaft,
    ja du striffest, was da noch haftete, ab | als spürten’s die Häutchen,
    die, fruchthalber Augen, blind vor Instinkt sind wie Seher, (häh? keine ahnung, was da passiert!)
    denen fast nur die Delphys geglaubt, die ihn her-, diesen Einen,
    ihn über sich rief, und er streckte den glühenden Stab | aus,
    eines Propheten, fürwahr, den was führt, von Äskulapnattern
    adrig umwunden, drücken den Leib rücks aus dem Griff
    unterm, glansviolett und schimmernd vor gleitfeiner Nässe,
    schon bebenden, bis fast zum Platzen blutprallen Haupt —

    wirklich, erkläre mir einer, was hier vor sich geht, live und in farbe. irgendwas mit erotik, das krieg ich so gerade noch mit, aber mehr auch nicht und darin liegt vielleicht dann auch das problem.
    jedenfalls für mich, für mich liest sich das einfach nur verquast, weder dichterisch, noch erotisch. bestenfalls wäre es einfach durchgeknallt, dann könnte ich ihm ja was abgewinnen, aber wirklich durchgeknallt ist es dann ja auch wieder nicht. das kommt mir so vor, als wenn man pornos durch gedichtgeneratoren jagte und diese aktion fände ich als performance dann noch interessant, aber als vollgültige gedichte finde ich sie schräg. aber eben leider nicht schräg genug, weil sie ihren platz ja noch so goethisch im olymp beanspruchen wollen und nicht bei irgendeiner künstlerparty in whitechapel, der der ernst der sache daran selber weniger wichtig ist, als der spaß daran, in einer art letzter dekadenten überspitzung. dem könnte ich ja dann vielleicht noch was abgewinnen, aber den heiligen ernst, den es beansprucht, da würde ich sagen, dem fehlt einfach jede sprachliche grundlage dafür.
    du warst ja bei kook.mono, an einem abend und hast eine performance, die von max wallenhorst, hier ziemlich zertreten, da dachte ich, die hätte mich jetzt interessiert. und, du schreibst ganz richtig, es geht beim begehren nicht um demokratische akte, mir auch nicht, aber du demokratisierst sie doch durch eine art gemeingültigkeit, weil diese beárt ja uns ständig was sagt, uns allen. mir nur leider nicht.

    „Es geht in diesem Zyklus darum, was lockt, so sehr, daß man(n) nicht davon wegkommt, nicht darum, wie man und frau sich pragmatisch mit- und aneinander arrangieren.“ dann müsstest du dir aber auch ein bisschen mehr mühe geben, das pragmatische arrangement anzuschauen, das ist ja auch mal gerade ebenso nur abgeklatscht von der realität, angetippt, mit einem, ihr wisst schon, fernseher an und fertig. nee, denk ich dann, ist mir zu billig, don t tell, show. und dann sind wir auch schon gleich im altersheim, das kommt mir ein bisschen so vor, wie münchhausen, der auf der kanonkugel durch seine begehrensalter reitet, weder wirklich empfunden, noch zu etwas geformt, das nachempfunden werden könnte, eher behauptet und wie eine lügengeschichte. aber, mir kommt es so vor, mich berührt es nicht, anderen darf es gern anders damit gehen und geht es ja auch und da ich weiß, das unbehagen dir nicht weiter hilft, lass ich das hier jetzt auch wieder. denn, du hast ja ein publikum, die muss ich nun auch nicht verunsichern oder gegen mich aufbringen in solidarität mit dir. jedem tierchen sein pläsierchen. ich hatte nur immer die befürchtung, mir soll es auch irgendwie gefallen, als kollegin und dichterin und ich habe auch kein gutes gewissen dabei, wenn es das nicht tut, aber da nun mal jeder seine eigenen vorstellungen und ästhetiken hat, erst recht, wenn man, wie ich, eben auch noch selber schreibt, brauch ich da auch den distinktionsgewinn und will mich da nicht vereinnahmen lassen. habe aber auch weder zeit, noch lust dazu, das alles im einzelnen aufzudröseln, weil die ansätze so dermaßen verschieden sind, dass du ein völlig andere dichter sein müsstest, damit es mir gefiele und das ist sinnlos und eben nicht demokratisch einzufordern, darum ja die ausgehende frage, die immer noch ernst gemeint ist, schätzt du die menschen, die deine dichtung schätzen? wären oder sind das deine ideale leser*innen, wenn du sie dir wünschen dürftest? als eine art stellprobe im nachhinein, nicht als projektive, beim lesen, sondern in einer art überprüfung, wer findet sich da eigentlich warum wo ein. das sind für mich spannende fragen, für dich vielleicht nicht.

  7. Pingback: Das zweite Frankfurter Messejournal. Am Donnerstag, den 11. Oktober 2018. | Die Dschungel. Anderswelt.

  8. xo sagt:

    Und müsste es nicht eh heißen: du streiftest?

  9. xo sagt:

    und ich habe nichts dagegen, alban, wenn du das alles wieder löschst, ich will dir nicht schaden und ich weiß, wie sehr man im betrieb kämpfen muss. aber, ich glaube, ich habe einfach über jahre gar nicht so genau hingeschaut, so flüchtig, wie ich dich kenne und immer denke, netter mann, wenn wir mal aufeinanderetreffen und ich dich dann ganz anders erlebe, so schwierig bleibt deine lyrik in ihrer, nun ja, stoßrichtung, für mich, da passt doch mal das wort. das zieht mich nicht an, das treibt mich weg, sehr weit, das ist schade, aber es ist so. und als du auf dem podium verkündetest, du wolltest dich sowieso zuvorderst nur noch ihr widmen, habe ich als erstes gedacht: bitte nicht. und ich kenne dich dann doch auch zu viel, als dass ich wollte, dass mein missbehagen dir schadet und ich mag aber auch nicht nichts dazu sagen, es wie luft zu behandeln, gehört sich dann auch nicht, für mein empfinden. nun habe ich was gesagt, aber es ist meine ganz persönliche meinung, deine lyrik findet aber immer wieder verlage und sie wird immer wieder gedruckt. was zeigt, es gibt noch x andere meinungen dazu. ich fühle mich nur in ihrer gesellschaft nicht wohl und wenn mir dann noch hinterhergerufen wird, ich sei irgendwem oder was hörig, ist das gelinde gesagt eine unverschämtheit, die dir nicht zusteht und die ich gelesen habe, als beleidigtsein, dass ich hier nicht mehr für traffic mitsorge. die zeit ist vorbei, irgendwann ist fb vorbei, man wird sehen, was dann kommt. weil ich glaube, wir müssen einfach festhalten, deine kreise, sind nicht die meinen und umgekehrt und es hatte ja gründe, warum wir sie uns gesucht haben und sie nicht kompatibel zu sein scheinen. phyllis hatte immer noch so eine verbindende art, sie hat mir sehr gefehlt bei der werkschau. ich glaube, ich hab dich am besten durch sie verstanden, wenn sie fehlt, verstehe ich dich auch schlechter. und jetzt kannst du es gerne löschen.

  10. franzsummer sagt:

    Interessant, dann doch.
    Ich möchte bekennen, als ich dieses „Gedicht“ las, löschte ich mein Lesezeichen und wollte nicht mehr hier schreiben.
    Mein Gedanke beim Lesen war, da liebt nicht der Schreiber die Frauen, er liebt sein eigenes Begehren nach Frauen und versucht es zu begründen, warum nicht auch pornographisch, wenn er es so sieht
    So kann ich nicht denken als Mann, aber das ist nur mein eigenes Problem.
    Unabhängig davon ist natürlich auf dem Markt die Frage nach der Zielgruppe für solche Werke berechtigt.
    Es muss sich ja verkaufen. Und wenn es das tut, das Werklein, sollte man das um Himmels Willen nicht wegen MeToos unterbinden.
    Wenn auch Frauen darunter sind, die es mögen, waren es jedenfalls nie Frauen wie ich sie vor meinem Alter oft geliebt habe, also real sexuell.
    Für mich eine fremde Welt, diese Sicht möchte ich nicht teilen als Leser.
    Aber noch einmal hier reinzuschauen, war ganz gut und aufschlussreich für mich.
    Danke dafür.

  11. Aikmaier sagt:

    @sabine xo:
    pardon, wenn ich beschwerlichkeiten bereite. ich gebe zu, daß es meine eigene faulheit ist, die mich von fb, twitter, whatsapp, instagr. etc. fernhält. ich muss jeden tag so viel am bildschirm lesen, daß ich mir den luxus leiste, die muße nur mit sehr ausgewählten netz- und phone-angeboten zu verbringen, vor allem solchen, die mir wenig arbeit machen.

    wie dem auch sei: mir scheint, Du hast mehr einwände gegen die haltung des dichters als gegen die gedichte. klar ist es Dein gutes recht, von den texten nicht angesprochen zu werden. wenn nicht, stünde es schlimm, zumal wenn ich selbst bedenke, von wie vielen texten ich wiederum völlig kalt gelassen werde. aber: spielt die persönliche hitze oder kälte eine rolle für die diskussion über die qualität von dichtung?
    par exemple: das meiste von stefan george erhitzt mich nicht besonders, dennoch kann ich den dichterischen, den form- willen erkennen und als solche würdigen. noch drei anmerkungen zu Deinen Einwänden (nicht allen, dazu fehlt mir im zug gerade die muße):

    – projektion als männliche „technik“ gegenüber frauen: dieses argument scheint mir geradezu anti-feministisch die fakten zu verdrehen. es scheint mir nämlich gar nicht ausgemacht, dass frauen über die jahrtausende hinweg wenige auf männer projiziert hätten als umgekehrt. (wenn wir schon von grundlagenforschung sprechen.) dass deren projektionen statistisch wenige eingangs in eine literarische tradition gefunden haben, steht dann wieder auf einem anderen blatt, dass man sozio-ökonomisch abstauben müsste.

    – „grundlagenforschung“: mir leuchtet ein, dass das Dein ding ist, auch und gerade in der lyrik. ()rigin of Senses hat das eindrücklich bezeugt, und auf das folgeprojekt bin ich gespannt. lässt sich dieses, Dein, steckenpferd (im besten produktiven sinne) aber gleich allen dichten empfehlen? anders: muss lyrik grundlagenforschung sein, selbst im eher lockeren sinne des wortes? und wenn ja: nach welchen grundlagen soll sie forschen? sozialen, politischen, geschlechterdiskursiven? oder (ich gestehe: das würde mir eher einleuchten, aber ich lasse mich gern belehren:) sprachlichen, semantischen, sinnlichen?

    – besonders denke ich über Deinen einwand „olymp vs. whitechapel“ nach. was heißt das eigentlich? dass dichtung, die sich selbst nicht ernst nimmt, exzessiver sein darf als solche, die sich ernst nimmt? und „ernst“ gemessen woran? parodie ja, aber hoher ton nein? so richtig blicke ich es noch nicht…

    schließlich, ganz allgemein in die runde: wenn schon ein zyklus nach eine berühmten (heute schlimmst-gelifteten, aber das mag keine rolle spielen) französischen schauspielerin benannt ist: könnte es dann nicht sein, dass dabei projektion von vornherein als eigentlicher Gegenstand des ganzen einkalkuliert ist? barthes lässt grüßen und und winkt mit dem postmodernen mythos. könnten die gedichte einen (womöglich scheiternden – womöglich scheitern müssenden) versus darstellen, hinter dem projektions-dschungel an ein eigentliches zu geraten?

    ganz unpolemisch angesichts erhitzter gemüter:

    A.

    ps., polemischer natur, zur werkschau im ilb: müssen wir da schon gendergerecht besetzen? wenn ja, überlasse ich meinen platz sofort und gern jeder frau bzw. jede** m/f/d, der/die/das sich dazu berufen fühlt.

    pps.: nix löschen, alban, das interessiert mich zu sehr!

  12. Pingback: Das dritte Frankfurter Messejournal. Am Freitag, den 12. Oktober 2018. | Die Dschungel. Anderswelt.

  13. xo sagt:

    gendergerecht besetzen? gute idee!
    das andere blatt interessiert mich aber eher.
    exzessiv finde ich hier wenig, jede nacht in berghains darkroom stelle ich mir exzessiver vor, das ist gar nicht der punkt.
    derlei projektionen interessieren mich nicht, sie wurden hier sattsam ausgestellt, wieder und wieder und noch einmal, wo ist die progression? menschen sind lernfähige wesen! nicht so besonders prall, die ca 90 jahre, die man auf diesem erdenrund verbringen könnte, immer wieder die gleiche sauce über alles zu kippen. meine verlegerin sagte mir mal sehr sinnreich, als ich immer wieder kling als bezug anführte: vielleicht mal die bezüge wechseln und ich dachte damals, verdammt, sie hat recht, ich war halt zu bequem.
    ach ja, rowohlt stellte den weltpuff von borchardt vor, nicht auf der venus, nein, auf der buchmesse, wo viele vielleicht lieber auf der venus gewesen wären? und ein sehr guter artikel erschien dazu in der sz. in dem ist zu lesen: „Der „Weltpuff“ sagte Gerhard Schuster zu Beginn, habe durchaus „frauenfreundliche Seiten“, und wer ihn verschenke, „muss damit rechnen, dass unsere Freundinnen ganz neue Intensitäten einfordern“. Es passiert einem in letzter Zeit gar nicht mehr so oft, dass man erlebt, wie über Frauen in einem Ton gesprochen wird, als seien keine im Saal.“ und so ist es hier eben auch des öfteren, als wären keine frauen im saal, herrenclub, ich hab mir eh immer n bart angeklebt, bevor ich hier kommentiere. viele frauen haben sich hier wieder verabschiedet, könnte sich alban ja auch mal fragen, warum. wie oft hätte ich mir hier phyllis kiehl laut gewünscht, ein gemeinsames blog. aber neben alban gibt es nichts anderes, kann letztlich niemand andere existieren, die auch künstlerisch arbeitet, da bleibt kein raum, da kann es letztlich nur gefolgschaft geben. übrigens kam kavitas freundin nach der werkschau zu mir und sagt, sie fand gut, was ich gesagt hätte und dass ich als frau auf dem podium saß und da mehr davon hingehörten. ich hab nur gedacht, ich hätte nicht zusagen sollen, ich hätte wissen können, was passiert, zudem weiß alban ja selbst alles von und über sich und kann und will sich selbst lieber vorstellen und moderieren, die eindrücke der anderen interessieren ihn letztlich nicht sonderlich, wenn es um ihn und sein werk geht dabei. seine mission heißt, herbst anbringen, in der genau von ihm gewünschten weise und nicht anders. und das heißt, ein besessener, ein unhold, ein total viraler typ, n bisschen angeschlagen, doch immer wieder wie phönix aus der asche steigend, den man anfeindet, weil ihm die frauen zu füßen liegen und nicht, weil die texte vielleicht einfach banane sein könnten, so hier und da mal, und wo nicht, da flieht man ihn, aus, wie könnte es anders sein: intensitätsverweigerung. ich weiß nicht, das kann man sich wieder und wieder so erzählen, aber da schauen ja auch andere bei zu und das bekommt was unfreiwillig komisches mit der zeit. aber vielleicht ist das alles ja auch tatsächlich nicht verhandelbar, keine ahnung, aber ich bin nicht sigmund freud.
    dass die beárt so totoperiert heute ist, das sagt ja auch viel, auch darüber, wie männer auf frauen schauen, könnte mann sich ja auch mal gedanken zu machen, wenn männer, siehe weinstein, schauspielerinnen die jobs vermitteln. klar kann mann so die welt weiter regeln, aber man kriegt dann eben sklavinnen letztlich und kann noch auf das stockholmsyndrom hoffen, viel spaß dann damit. ganz oft habe ich gedacht, dieser mann verkleidet sich, dieser mann spielt eine rolle, aus furcht, alles andere ließe ihn zu normal erscheinen und dann weniger begehrt. dabei ist der trick ein anderer, die attraktion ist gerade die, wenn die masken fallen, sein spiel ist nicht vollendet, weil er zwanghaft bemüht ist, die masken aufrecht zu erhalten und ich hab eine weile gedacht, ok, warte ab und erinnere am liebsten ein bild, wo er zwanglos in jeans und t-shirt mit seinem sohn in den italienurlaub aufbricht, irgendwann springt dieses ich deutlich hervor, irgendwann traut er sich vielleicht und wird dann feststellen, so viel weniger ablehnung, echte und imaginierte, würde ihn treffen. aber, manche menschen brauchen gerade die ablehnung, weil sie sie heraushebt, weil in einer veritablen ablehnung leuchtet man dann immer noch deutlicher als in einer annahme, die immer aus einem AUCH besteht, den autor, den man AUCH ganz ok findet, neben anderen. das reichte ja alles nicht. ich bin halt nicht freudine, kann sein, ich irre kollossal. aber so kommt es mir oft vor. während ich hier ja eh irgendwann von meinem mann verlassen werde für eine junge beárt und 20 noch zu zeugende kinder. je nu, ich ergebe mich in mein unabwendbares schicksal und gebe bescheid, wenn es so weit ist, ok? aber nicht mehr hier, hinterlassen sie einfach ihre email, oder bei nem bier dann. und jetzt zitiere ich mich mal selbst: „Und“ / warum nicht lachen

  14. 70 sagt:

    die projektion ist vermutlich die auf ( alle ) anderen männer, nicht frauen.
    daran wird wird eine art rundumschlägernde zeitkritik ( richtung correctness & autonomie ) geleimt und fertig der ganze schwachsinn ( weil grundfalsch )
    ich möchte mich nicht an einem einzigen (männer)ideal messen oder richten müssen und frauen, so wie ich das sehe ebenfalls nicht anhand eines einzigen (frauen)ideals
    – dazu sind genügend männliche wie weibliche attraktivitätsmodelle zu haben, wenn frau*mann ein wenig genauer hinschauen.
    ( noch )

    was die rein pornoliterarischen momente anbelangt, warum nicht, wem’s gfallt.

    ach so ja : so gut wie voll d’accord, xo.

  15. 80 sagt:

    fände ich auch echt zum lachen, wenn ein künstler ( künstlerische ) autonomie abstritte.
    er würde sich selbst damit künstlerisch plätten und seine attraktivität über muckibude – schön einsortiert und irgendwie nivelliert, irgendwie entindividualisiert – body-kollektiviert – herstellen müssen.
    porno-body-ideal.
    tv bachelor uswusf und so zu.

    warum nicht gleich „die körpermasse der beart“ – ja klar schliesst voll aus.
    excusiv.
    wow.

    nein, mother earth wa.
    und onan.

  16. Pingback: Grippestabil, doch Cumberbatch. Ins Arbeitsjournal des Sonnabends, den 20. Oktober 2018, spricht er, von Parallalie herübergeteilt, auf Gustav Mahler Keats. Außerdem, doch erfolglos, die Volltext. | Die Dschungel. Anderswelt.

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