Lauftraining wieder aufgenommen. 25. März 2019

Aus der im letzten Traininsprotokoll angekündigten Buchmessen-Trainingspause sind nun also fünfeinhalb Monate geworden, und der innere Widerstand war groß, den Sport wieder aufzunehmen. Aber dann sagte – nachdem ich meinen seit Anfang des Monats gärenden Entschlüssen wieder und wieder ausgewichen war – heute vormittag Phyllis Kiehl den entscheindenden Satz in Facetime: „Sowie du wieder läufst, schießen die Hormone ein.“ Dazu kam, daß mein Leipziger Buchmessenzimmer einen Ganzkörperspiegel hatte, der, als ich unter die Dusche ging, meine Erscheinungs so erbarmungs- wie wortlos kommentierte. Wobei ich mir eh schon gedachte hatte, vier Kilo wieder zuviel zu haben – schwer erträglich für einen wie mich, der sich Frauen so nicht zumuten mag und auch nicht darf, wenn sein Eros von ihnen ein Gleiches erwartet, weil sonst schlichtweg die Erektion ausbleibt.

Also, Frau Kiehl sprach, ich wehrte noch ab, wir unterbrachen die Verbindung, ich schritt in der Arbeitswohnung fünfmal auf und ab, legte noch einmal den Ramirer auf, so daß ich ins Lauschen zurückfiel, dennoch unruhig blieb und mich gleichsam automatisch, fast unbewußt, umzog: Laufhemd, Nylon-Strumpfhose, kurze Laufhose, die Barfuß-Renner.
Es strömte sehr kühle Luft durchs weit offen klaffende Oberlicht; besser also noch eine Jacke und die Windjacke drüber und langsam, mtfühlend, die Musik weggedimmt.
Auf der Fahrt zum Friedrichshainpark schimpfte ich schließlich mit mir selbst, keine Handschuhe angezogen zu haben, die allerdings nach drei Kilometern Lauf unnötig gewesen wären. – Zum neuen Anfang wollte ich nur fünf Kilometer am Stück laufen, dann vielleicht noch eine Runde schnell gehen. Ich lief durch leichten Regen, dann durch Sonne, dann wieder durch Regen, und bisweilen witterte beides zugleich, was immer ein erhebendes Erlebnis ist. Auffallend dazu all die Krokusse und Osterglocken. Sie leuchteten mir quasi die Schwermut hinweg. Und Kiehl hatte recht, auch wenn meine rechte Wade etwas schmerzte, die mit dem Stent: Das Blut beginnt zu strömen und trägt gleich Botenstoffe mit.
Nachdem ich die fünf Kilometer „runter“ hatte und noch anderthalb schnell gegangen war, passierte etwas völlig Unerwartetes: Der Körper selbst wollte unbedingt noch eine Runde laufen und hörte nicht auf meine möglicherweise auch zu bequeme Vernunft. Die kam erst danach zum Recht. Noch eine Runde, sozusagen auf nüchternen Magen, wäre unklug gewesen. Doch bis Ende der kommenden Woche will ich wieder bei mindestens zehn durchgehend gelaufenen Kilometern sein.

Also:
5-km-Lauf (30’33“) | 1,5 km Schnellgehen | 1,5-km-Lauf | 200 Meter „ausgehen“ || Stretching
666 kCal + Fahrrad-An-&Rückfahrt 140 kCal = 756 kCal

Auf der Waage schließlich exakt, wie ich’s gedacht: Letzte Messung im vergangenen Oktober 73,9 kg, heutige Messung 77,2 kg. In zwei Wochen werden die vier Kilo weg sein, was allerdings heißt: bis zum Übersetzertreffen in Wien kein Alkohol mehr, dazu die übliche fast-nur-Haferflocken-und-Obst-Diät. Schwer wird alleine sein, auf meinen Zucker im Espresso zu verzichten, denn Süßstoff schmeckt in ihm nicht. Na gut, projeziere ich halt die Bitterkeit aus der Seele ins Getränk. (Zu den Gründen dieser Bitterkeit möchte ich Ihnen, Freundin, nichts sagen; hab mich privat schon genug ausgekotzt.)
Krafttraining übrigens erst wieder, wenn ich auf 73, mindestens aber 74 kg runter bin; am besten wären 72. Von da ab dann neuer Muskelaufbau. So der Plan.

Sie fragen ernstlich, was alles dies mit Literatur zu tun habe? – Man muß sie, Freundin, schreiben können.
Und: Weshalb ich sowas veröffentlichte? – Ganz einfach, um mich zu verpflichten. Es ließe schon mein S t o l z nicht zu, ein öffentlich genanntes Vorhaben nicht auch wirklich zu machen. Sehen Sie’s also als selbstpädagogischen Akt. Ich lasse mir kein Hintertürchen.

>>>> Trainingsprotokolle

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3 Kommentare zu Lauftraining wieder aufgenommen. 25. März 2019

  1. xo sagt:

    „Und: Weshalb ich sowas veröffentlichte? – Ganz einfach, um mich zu verpflichten. Es ließe schon mein S t o l z nicht zu, ein öffentlich genanntes Vorhaben nicht auch wirklich zu machen. Sehen Sie’s also als selbstpädagogischen Akt. Ich lasse mir kein Hintertürchen.“ hah, ich mache es genau umgekehrt, ich weiß schon in dem moment, wo ich ein vorhaben poste, das wird vermutlich anders verlaufen und bin auch meist froh drum, weil ich die selbstüberraschung liebe und das exekutieren eigener vorhaben dann lieber zugunsten neuer ideen verwerfe. nicht zu fett werden, ist natürlich von vorteil (sagt gerade die richtige :D), aber weniger rauchen rettet leben! die dosis macht das gift, zucker im espresso, ich bitte dich! kannste dir zwei briefchen reinschütten, das macht den braten nicht fett. das finde ich in deutschland oft so schräg, man ist/tut etwas ganz, oder gar nicht. außerdem, ganz ehrlich, sex ist nicht immer ne rein ästhetische veranstaltung, wem man sich wie zumuten mag, da würde ich ja aus prinzip nix drauf geben, weil ich eh das gefühl habe, die lust auf sex läuft ganz stark über andere kanäle, witterung, aber, klar, wenn ich beim sex immer denken müsste, o gott, was denkt der typ nur von meiner cellulite, dann hätte ich ganz sicher keinen mit so einem. und, hab ich ja auch nicht :). und ich sage mir, ich fand mich ja wesentlich dünner auch schon zu fett. fangt nicht mit dem ganzen scheiß auch noch an, der frauen aufgebürdet wird. vier kilo an dir mehr, dat siehst nur du! https://www.youtube.com/watch?v=zPjfXbhFeSM

  2. xo sagt:

    und, haare geil, dat kriegste ja auch nicht mehr hin, du bist keine baustelle! 😉

  3. Pingback: Lauftraining: 12. 4. 2019 | Die Dschungel. Anderswelt.

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