Rainer Kunze zur „Vergenderung“ der Sprache.

 

 

 

Öffentliche Stellungnahme zu des Deutschen Rechtschreibrat Disussion eines „gendercorrecten“ Schreibens im fliederblühenden Wien, dort in der Passauer Neuen Presse.

„Es gibt ein grammatisches Geschlecht (Genus) und ein natürliches Geschlecht (Sexus). Genus ist das Geschlecht des Wortes (Maskulinum [der], Femininum [die], Neutrum [das], Sexus ist das Geschlecht von Lebewesen. (…)Wer diese Ausdrucksmöglichkeiten für sein natürliches Geschlecht als diskriminierend empfindet und ihren Gebrauch bekämpft, bekämpft die Sprache, indem er ihre Verarmung befördert. (…) Sätze wie „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörer“ könnten überhaupt nicht mehr formuliert werden, da die sprachfeministisch korrekten Versionen „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörerinnen“ oder „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörerinnen und Zuhörer“ ad absurdum führen würden. (…) Die (…) Diskreditierung geschlechtsübergreifender Wortbedeutungen hat eine eklatante Verarmung und Bürokratisierung der Sprache (…) und eine Einschränkung der Freiheit des Denkens zur Folge. (…)“

Doch allein schon die Existenz eines Deutschen Schreibrats macht Rat und Hilfe uns bitter; „altfränkischer“ (nennte es, spottend für „veraltet“, der große Stilistiklektor Delf Schmidt) geht’s doch nimmer. Nimmermehr.

 

 

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25 Responses to Rainer Kunze zur „Vergenderung“ der Sprache.

  1. Avatar Ulli says:

    Und jetzt ist man bei einigen öffentlich-rechtlichen Sendern (in Talkshows, aber auch der Kultursendung „aspekte“) dazu übergegangen, diesen sprachlichen Unsinn auch zu verbalisieren. Man trennt den weiblichen Suffix mit einer kleinen Pause ab: Zuschauer  –   Innen. Was das soll, ist schon klar, wie es klingt: Bestenfalls nach Stümperei, aber doch eher nach sprachlichem Unvermögen. Eigentlich möchte man auf körperliche oder geistige Behinderung schließen…

    Wahrscheinlich ist es eine Generalanweisung der Intendanz, sich derart zum Affen zu machen. – Bleibt abzuwarten, wie was dann bei Goethe und Schiller auf der Theaterbühne klingt, wenn der Schwachsinn sich durchsetzt. Dann muß wohl auch ein neues Reimkonzept her… – Herr, wirf Hirn ab und triff!

    • Avatar ReniIna von Stieglitz says:

      Hervorragend formuliert – ich schließe mich Ihren Worten (Aussagen) – gerne an…RIvS

  2. Kommentare von Facebook Kommentare von Facebook says:

    Jörn Peter Budesheim Es gibt dazu auch eine Reihe von empirischen Untersuchungen. Hier ein Beispiel: wenn man einer Versuchsgruppe nach Musikern fragt, die sie schätzen, werden überwiegend Männer genannt. Fragt man hingegen nach Musiker/innen, ergeben sich ganz andere Ergebnisse. Mir ist auch nicht klar, warum es zu einer Verarmung der Sprache führen sollte, wenn man hier nach neuen, gerechteren Formen sucht?

    Reni Ina von Stieglitz @ Jörn Peter Budesheim ..Musikerinnen/Dichterinnen/Komponistinnen entdeckt man meistens entweder über die musiktheoretische Lehre oder zufällig oder über die Literaturwissenschaft..Sie waren eben gegenüber ihren ‚männlichen“ Kollegen NICHT gleichberechtigt..

    Jörn Peter Budesheim @ Reni Ina von Stieglitz so ist es

    Alban Nikolai Herbst @ Jörn Peter Budesheim: Genau,man nimmt den Leuten also das Debken ab (mit schvhtem Sprachstil obendrein), so daß zu denken gar nicht mehr nötig wird. Das Argument, nur wenn die Endung korrekt sei, würden auch Musikerinnen genannt, ist ärmlich – entspricht aber genau dem „modernen“ (eben: extrem kapitalistisch-herkunftslosen) Stand der Ggenwartskultur, in der sogar Hoologan-Veranstaltingen als Kulturgüter gewertet werden – einfach weil genügend Leute hinrennen. – Aber ich finde FB keinen angemessenen Ort für Diskussionen und werde naxcher, was hier steht, direkt unter den Dschungelbeitrag kopieren, im übrigen selbst bei FB fürderhin schweigen.

    Jörn Peter Budesheim

    Jörn Peter Budesheim @ Alban Nikolai Herbst dieses tatsächlich durchgeführte Experiment zeigt meines Erachtens, wie wackelig Argumente auf Basis der Grammatik sind. Man sagt z.b., in dem Wort „Musiker“ sind die Musikerinnen ja „mitgedacht“, bzw sind grammatikalisch enthalten. Überprüft man diese Aussage jedoch an dem, was die Leute defacto verstehen, zeigt sich dass es sich nicht halten lässt.

    Reni Ina von Stieglitz @ Jörn Peter Budesheim ..Gleichberechtigung..durch Erfindung von sprachlicher Genderform hinzukriegen? Never ever…

    Jörn Peter Budesheim @Reni Ina von Stieglitz Das wird sicherlich nicht die einzige Maßnahme bleiben dürfen, das ist klar. Aber wenn man weiß, dass bestimmte sprachliche Formen Ungleichheiten sehr stark begünstigen, dann hat man gute Gründe, diese Formen in Frage zu stellen und sich nach neuen umzuschauen. Wenn man jedoch glaubt, damit sei die Arbeit bereits getan, dann ist natürlich auf dem Holzweg.

  3. Kommentare von Facebook Kommentare von Facebook says:

    Demien Bartók Unaufgeregt? „Aggressive Ideologie“ klingt schon sehr aufgeregt… Ich finde es toll, dass Sprache sich immerzu verändert… Sprache und Bewusstsein sind ja fast identisch. Die Menschheit kann sich nur zum Besseren verändern, wenn die Sprache sich zum Besseren verändert. Eines Tages wird das grammatische Geschlecht ganz verschwinden. Und damit die blödsinnig biologistische essentialistische Mann/Frau-Differenz. In ferner Zukunft sind die Geschlechtsteile des Menschen so nebensächlich wie die Augenfarbe. Dann können sich die Menschen endlich auf Augenhöhe begegnen. Die alten Männer von heute können sich das natürlich nicht vorstellen….

    Jörn Peter Budesheim Der Artikel ist verheerend!
    Noch ein Beispiel: „Der Wähler ist dann stets ein Mann, die Wählerin eine Frau, das geschlechtsneutrale Wort für eine Person, die wählen geht, ist jedoch verschwunden.“ (Reiner Kunze)
    Das ist meines Erachtens ein mustergültiges Beispiel dafür, wie man nicht diskutieren kann. Es ist schließlich umstritten, ob der Begriff Wähler tatsächlich geschlechtsneutral ist. Man kann jedoch nicht das, was umstritten ist, einfach als geklärt hinstellen! Nach meinem Wissensstand, sprechen die empirischen Befunde dagegen. Das sogenannte generischer Maskulin wird in vielen Fällen einfach nicht so neutral verstanden, wie es von Leuten wie Reiner Kunze unterstellt wird. Man kann schlichtweg nicht behaupten, dass ein neutraler Begriff verschwindet, wenn es ihn nie gegeben hat!

    Kunstlandschaft Spandau: ´Herr Duden wurde zum Faschisten gemacht -´ Erzähl er – (Imperativ) – innen – !? ´Absurd.´ Beendet Sexismus als Spielart des Rassismus in Anreden und testet spielerisch in welchem Fall Sprache einordnende Artikel tatsächlich braucht –

    Elmar Benninghaus Die Genderforschung ist zweigeteilt. Auf der einen Seite herrschen die Psychologen, – die sich, zugegebenerweise, im letzten Jahrzehnt ziemlich in Esoterik aber nicht in Ideologie verrannt haben, – und auf der anderen Seite die Systemtheoretiker der Soziologen,, – die sich, zugegebenerweise, im letzten Jahrzehnt ziemlich in Technoesoterik und dies ideologisch verrannt haben. Reiner Kunze, ist lediglich ein Dichter.

    • „Lediglich“ ein Dichter, das ist in der Tat, sagen wir, hübsch. An sich sollte es keinen Beruf, schon gar nicht als Berufung betrachtet, geben, der näher an der Sprache wäre als diesen. Ein trefflicher Einwand wäre hingen, daß Herr Kunze ein lediglich akzeptabler Dichter sei – anders als etwa, wer fällt mir spontan ein? – ja, Helmut Krausser, Ingeborg Bachmann, Katharina Schultens, Marianne Fritz, Christopher Ecker, Hermann Broch – oh, v i e le fallen mir ein, die „besser“ sind und waren. Gottfreid Benn sowieso, auch Peter Rühmkorf, Paul Celan … ach ja, die vielen „und“s …| Doch akzeptabel ist auch schon sehr viel mehr, als irgendein „Systemtheoretiker“ oder eine mit einem *in dran mit einigem Recht von sich sagen (lassen) könnte.

  4. Kommentare von Facebook Kommentare von Facebook says:

    Karl-Michel Keller Afd – Hirne wohin man schaut.

    Alban Nikolai Herbst@ Karl-Michel Keller: Das halten Sie für ein Gegen“argument“? „Beam me up, Scotty, there’s no intelligent live upon her!“

    Astrid van Nahl @Karl-Michel Keller ja. Und auch Idioten.

    Reni Ina von Stieglitz @Astrid van Nahl …ja, vor allen Dingen angepasste, hirnlose..

  5. Kommentare von Facebook Kommentare von Facebook says:

    Sabine Scho das abendland wird immer wieder untergehen und immer wieder auf. während ich noch bei musils schwärmern bin.

    „Fräulein Mertens: Ich habe das Gefühl: das alles sprechen Sie gegen Ihre Überzeugung.
    Regine: Was meine Überzeugung ist, weiß ich nicht! Aber ich weiß, daß ich mein Leben lang alles gegen meine Überzeugung getan habe!
    Fräulein Mertens: Sie meinen es nicht ernst. Man hört hier so viel von Kräften, die man nur hier hat! Das ist der Geist dieses Hauses: Auflehnung gegen das, was sonst aller Welt genügt.
    Thomas ist eingetreten. Noch nicht fertig bekleidet; was er angelegt hat, so, wie es einem schönen Sommermorgen entspricht. Er nimmt allerhand morgendliche Hantierungen auf, da ihm augenblicklich keine Aufmerksamkeit geschenkt wird.
    Regine: Oh, ich werde Ihnen etwas sagen: Jeder Mensch kommt auf die Welt mit Kräften für die unerhörtesten Erlebnisse. Die Gesetze binden ihn nicht. Aber dann läßt ihn das Leben immer zwischen zwei Möglichkeiten wählen, und immer fühlt er: eine ist nicht darunter; immer eine, die unerfundene dritte Möglichkeit. Und man tut alles, was man will, und hat nie getan, was man gewollt hat. Schließlich wird man talentlos.“ Robert Musil, Die Schwärmer, 1921

    vielleicht öfter mal nach der unerfundenen dritten möglichkeit fahnden, das hielte ich für ein gutes prinzip und ein künstlerisches dazu.

    Peter H. E. Gogolin Da wird Ihnen leider langes erfolgloses fahnden bevorstehen. Liebe Grüße, Ihr Tertium non datur

    Jörn Peter Budesheim allerdings sollte man dann, wenn die anderen Möglichkeiten erprobt werden, sie nicht von vornherein ablehnen, nur weil sie anders sind 🙂

    Sabine Scho: mach ich nicht, ich wende sie an, nur mal mit mehr und mal mit weniger überzeugung, wie bei vielem.

    Peter H. E. Gogolin Sabine Scho Etwas, das es nicht gibt, kann man auch nicht anwenden.

    Sabine Scho aber man darf davon träumen, wenn man möglichkeitssinn besitzt und sich mit musil sagen, es könnte auch ebenso gut anders sein. oder, den einzigen satz, den ich von adorno auswendig kann: nur, wenn, was ist, sich ändern lässt, ist das, was ist, nicht alles.

  6. Kommentare von Facebook Kommentare von Facebook says:

    Miguel Iven Diese Strohdummheiten haben in Spanien seit einigen Jahren ja auch mächtig Konjunktur, vor allen Dingen unter den links-alternaiven Frauen und Frauenverstehern…. Von miembros y miembras ist da die Rede und eine Dame bezeichnete sich selbst allen ernstes als Portavoza … Herr, lass Hirn regnen

    Susanne Zellinger Einmal begonnen sind diese Dinge schwer zu steuern und nehmen absurde Formen an, stellen Sie sich 7jährige Kinder vor, die diese schwachsinnigen Texte lesen und verstehen müssen, andererseits ist das Thema doch zu komplex um pauschal abgetan zu werden, aber gut

  7. Avatar derdilettant says:

    „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörer“ wird als Satz sicher noch weitgehend akzeptiert. Aber dieser: „Angela Merkel ist der beste Bundeskanzler, den wir je hatten.“? – Sicher nicht. Einfach weil niemand mehr einen Satz beginnen würde mit „Frau Bundeskanzler Merkel hat gestern…“ Wie aber soll man kurz und bündig korrekt formulieren, was gemeint ist? Im Grunde kann es gar nicht anders sein, als dass in einer Zeit, die die Gleichberechtigung der Geschlechter akzeptiert, eine Sprache, die nun mal über Jahrtausende von patriarchalischen Normen geformt wurde, Probleme aufwirft, für die es keine einfachen Lösungen gibt. Die spitzfindige Unterscheidung zwischen grammatikalischem und biologischem Geschlecht wird da nicht weiterhelfen. Vermutlich braucht es Generationen, bis sich akzeptable Sprachwendungen etablieren werden. 

    • Ich denke, lieber dilettant, es geht nicht um Kürze und Bündigkeit – das wäre wieder nur Spiegel ökonomischer Interessen und damit geradezu basal kulturfern, ja -feindlich -, sondern um Eleganz und Aura. Dazu gehört auch die Geschichte. Anzunehmen, es änderten sich Zustände, wenn wir sie, zum Beispiel ihre Spuren in der Sprache, verstecken, gar auslöschen, ist kindliches, fast schon kindisches magisches Denken. Ändern tut sich vielmehr etwas, wann wir die Spuren permanent erkennen und uns zu ihnen verhalten können. Es ist in der Sprache ganz leicht, wir fügen einfach „Schauspielerinnen und Schauspieler“, „Musikerinnen und Musiker“, Komponistinnen und Komponistem“ – wo ist das Problem? Wir brauchen diese Krämpfe nicht wie Scnaupsieler*innen („Schauspielersterncheninnen“) oder SchauspielerInnen und was es dergleichen Gestelztheiten und Ungeschicklichkeiten mehr gibt.
      Wir sind geworden. Genau dem muß eine Sprache mit Ausdruck geben, sogar, woraus wir geworden sind. Nehmen wir’s aus ihr hinaus, wird Geschichtsklitterung zum Grundcode einer Gesellschaft. Genau das ist das enorm reaktionäre Potential in diesen scheinfeministisch-correcten, tatsächlich pur machtideologischen, sogenannt gendergerechten Sprach- und Sprechbegehren.

  8. Avatar derdilettant says:

    Lieber Herr Herbst, das leuchtet alles ein, klärt aber nicht die dahinterliegende Problematik, auf die ich mit meinem Beispiel hinwies. Ich kann eben nicht sagen: „Angela Merkel ist die beste Bundeskanzlerin oder der beste Bundeskanzler, die bzw. den wir je hatten“ Das ist nicht nur ungelenk, es ist falsch: Frau Merkel ist und war eben kein Bundeskanzler. Ich müsste mir also behelfen mit einer Formulierung wie: „Frau Merkel ist diejenige Person, die das Amt des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin bisher am besten ausgeübt hat.“ Sie können das drehen und wenden wie Sie wollen: die Sprache hat hier ein Problem, weil sie für eine Zeit „gemacht“ wurde, als Frauen selbstverständlich kein „Kanzler“ werden konnten. Und natürlich werden sprachbegabte Menschen immer elegante Umschreibungen finden – zu denen die permanente Doppelung von weiblicher und männlicher Endung übrigens ganz sicher nicht gehört. Und gerade weil Sprache stets gelebte Praxis ist und sich kontinuierlich weiterentwickelt – nicht zuletzt durch Sprachvirtuosen wie Sie! – bin ich mir sicher, dass sich Formulierungen durchsetzen werden, die allgemein akzeptiert werden, und zugleich unserer heutigen (und hoffentlich: künftigen!) Vorstellung von Geschlechtergerechtigkeit entsprechen. Allerdings braucht’s da – wie gesagt – sicher Generationen. Übrigens heißt das nicht, dass wir in die Sprache vergangener Generationen eingreifen – Gott behüte uns davor! Und natürlich: „Wir sind geworden“. Aber wir waren nicht fertig zu einem Zeitpunkt xy, sondern wir werden noch immer! Mit den besten Wünschen, Ihr Dilettant

  9. Avatar franzsummer says:

    Angela Merkel ist als Bundeskanzlerin besser als jeder Mann in der Position es je war.

    Diesen Satz hat jede Journalistin oder auch jeder Journalist in diesem Land wahrscheinlich schon mal gesagt oder geschrieben. Gerade über Angela Merkel wird ja andauernd genau das zum Thema gemacht, „Frauen in Führungsrollen“, weil sie ja auch alle Konkurrenten „weggebissen“ hat, wie es so heißt. Als Bundeskanzler Merkel hat es wohl noch nie jemand formuliert. Das lese ich hier zum ersten Mal.

    Aber dieses „Frauen sind die besseren Zuhörerinnen“ ist natürlich verblüffend absurd. Die Grammtik stimmt. Es ist jedoch völlig sinnlos.

  10. Avatar ReniIna von Stieglitz says:

    Nun dieses Thema wird sich erledigt haben, wenn wir durchgechipt anonymisiert auf Zahlencodes degradiert sind – jegliche Individualität vernichtet ist – wir auf eine Art „Biomechanoiden“Niveau vollkapitalistisch  abhängigkeitsversklavt zurechtgebogen/gebastelt/geschraubt  sind –HR GIGER Zitat aus einem Katalog: wörtlich: Ich verstand darunter eine harmonische Verschmelzung der Technik, Mechanik mit der KREATUR. Die Genforschung wird uns noch das Fürchten lehren.  usw.. -RIvS jetzt wieder: …wenn sich Technik mit Lebewesen verschmelzen, bzw. ineinander „verbaut“ werden – wird es dann noch „Frauen“ bzw. „Männer“ geben?  Dieser spielerische Gedanke sei gestattet, mehr aber auch nicht. Ich meine, wer will das? Wobei wir bei den „ach so fernen  Generationen“ wären? Wer will das? Ich nicht…. Ganz abgesehen von den Schulbüchern, die auf einmal so geschlechtsneutral daherkommen sollen. Welchem Kind Bitteschön, möchte man diesen „Wahnsinn“ zumuten? – Was oder wem soll denn  übrigens eine auf  annähernd „geschlechtsneutral“ heruntergebrochene Sprache nützen? Sowas wie „Gleichberechtigung“ egal auf welcher Ebene ist noch nicht einmal „gesellschaftsgedanklich“ in ALLEN Hirnen tief verankert….sorry….da bin ich raus-ich schreibe weiter, wie ich es gelernt habe und wenn es mir erlaubt ist, schwelge ich in meinen eigenen Worten – in MEINEN Texten… RIvS

    • Lesen Sie, Frau von Stiglitz, in diesem Zusammenhang ganz, ganz unbedingt einmal JG Ballards Roman >>>> „Crash“, auf den ich schon einige Male hingewiesen und der von David Cronenberg >>>> aufs beklemmendste verfilmt worden ist. Cronenberg hatte stets ein Gespür für das, was auf uns zukommen wird, und meine eigenen Vorbehalte, die etwa in der ideologische Gendercorrectness eine Strategie der Gentechnologie sieht – also genau dessen, was Sie jetzt auch Sie als Befürchtung zum Ausdruck bringen, sind von solchen wie ihm ausgesprochen beeinflußt worden. Es geht nicht um Gleichberechtigung der Geschlecher, sondern um deren Abschaffung – damit noch einfacher kalkuliert und Menschenführung problem-, weil abweichungsloser (mit Marx: „äquivalent“(er)) im Wortsinn programmieren läßt. Kurz, es geht gegen Vielgestalt und Komplexität.

  11. Avatar Eva-Maria Spötta says:

    Ich finde die Lösung ist doch ganz einfach: Nachdem 1.000 Jahre oder mehr die Frauen bei der männlichen Form „mitgemeint“ waren, werden wir die nächsten 1.000 Jahre einfach mal die weibliche Form der Substantive benutzen und die Männer dürfen sich mal mitgemeint fühlen. 🙂

    • Avatar derdilettant says:

      @ Eva-Maria Spötta: Ein famoser Vorschlag, den ich auch gerne ins Gespräch bringe, wenn mal wieder das oft gehörte Argument kommt, Frauen seien selbstverständlich mitgemeint (was mich immer ein wenig daran erinnert, dass ja auch in der biblischen Schöpfungsgeschichte Frauen irgendwie mitgemeint waren, schließlich durften sie sich aus Adams Rippe materialisieren)
      Aber so bestechend er auch ist, so wenig wird er der historischen Wahrheit gerecht. Zu Beethovens Zeiten etwa dachte niemand an Frauen, wenn von Komponisten die Rede war. Das macht allein der Umstand deutlich, wie sehr es Erstaunen bis Widerwillen erregte, wenn dann doch mal eine Frau – ja, nicht nur komponierte – , sondern als Komponistin sogar in die Öffentlichkeit treten und somit in männlichem Revier wildern wollte. Umgekehrt war selbstverständlich von Sängerinnen die Rede und niemand wäre auf die Idee verfallen, hinter Sängern auch Sängerinnen zu vermuten. Will sagen: die sozialempirischen Fakten einer jeweiligen Gesellschaft sind der Sprache gewissermaßen eingebrannt, und logischerweise bedarf es neuer Wortschöpfungen, wenn sich die soziale Realität gewandelt hat. Dass genderkorrekte Wortfindungen unästhetisch, umständlich, das Zartgefühl sprachkompetenter Männer zutiefst beleidigend etc. sind, liegt ja auf der Hand, entbindet uns aber nicht von der Pflicht, dieses Problem anzugehen, anstatt schlicht zu behaupten, ein grammatikalisches Geschlecht habe mit dem biologischen nichts zu tun, oder, innovative Wortfindungen verrieten den Geschichts-Charakter der Sprache. Die Frage, wie eine Gesellschaft beschaffen sein soll, und die Frage nach der angemessenen Sprache hängen zutiefst zusammen. Die von Herrn Herbst nach Art einer Berlioz‘schen fixen Idee vorgetragene These, wonach gegenderter Sprachgebrauch biologische Geschlechterdifferenz nivellieren soll, finde ich angesichts einer in Wahrheit durch die kapitalistischen Interessen beispiellos durchgesetzten Sexualisierung und Markantilisierung des weiblichen Körpers hahnebüchen.

      • Die von Herrn Herbst nach Art einer Berlioz‘schen fixen Idee vorgetragene These, wonach gegenderter Sprachgebrauch biologische Geschlechterdifferenz nivellieren soll, finde ich angesichts einer in Wahrheit durch die kapitalistischen Interessen beispiellos durchgesetzten Sexualisierung und Markantilisierung des weiblichen Körpers hahnebüchen.

        Weniger vielleicht, wenn Sie zu verstehen beginnen, daß eben der „gegenderte“ Sprachgebrauch die genaue praktische Folge der „durch die kapitalistischen Interessen beispiellos durchgesetzten Sexualisierung und Markantilisierung des weiblichen Körpers“ ist; genau darauf läuft (und sollte auch laufen) die Merkantilisierung hinaus – übrigens schon seit Jahrzehnten nicht nur des weiblichen, sondern des männlichen Körpers ebenfalls. Merkantilisierung ist aber die Substanz das Kapitalismus; deshalb muß sich niemand drüber wundern. Nur betrifft – und beschädigt – sie eben alle Geschlechter, gleichermaßen vor allem die beiden, ich sage einmal, Grundgeschlechter.

  12. Avatar Eva-Maria Spötta says:

    Noch eine kleine Geschichte dazu. In anderen Sprachen wird mit diesem Thema teilweise differenzierter umgegangen. Ich besitze ein Bild, in dem ein Künstler ohne Kenntnis der Sprache einen chinesischen Buchtitel abgeschrieben (übersetzt: Kunst des Ostens) und im Stil eines verwitterten Schildes gemalt hat. Als eine Chinesin bei mir zu Besuch war, sagte sie: „Oh, der Maler hat Ihnen das Bild gewidmet.“ Auf die Frage woher sie das wisse, kam diese Antwort: „Der Satz hat den Bezug auf eine weibliche Betrachterin.“ Für uns undenkbar.

    • Ihr >>>> erster (nicht unbekannter, okay) Vorschlag ist nach wie vor pfiffig und hat vieles für sich. Ich meinerseits wäre da gerade auch de Witzes halber sofort mit dabei. (In der Dschungel spreche ich ja schon seit Jahren eigentlich nur noch die Leserinnen an; es sei denn, ich meine jemanden konkret.) Dieser zweite Hinweis aber ist nun tatsächlich außergewöhnlich interessant – auch und gerade als Denk- und Formansatz. Hier ließe sich’s tatsächlich meditieren, und es wären auch idiomatische Wendungen möglich, die eben nicht versimpeln, um xdie komplexen Strukturen der Sprache (nämlich, ecco, des Denkens!) zu schädigen, was bislang bei allen anderen „Reform“versuchen geschehen ist (und, wie ich erkenne, geschehen auch sollte). Meine Vorbehalte gegen das sogenannte gender“correcte“ Schreiben sind vornehmlich ästhetische gegen zerstörte Eleganz, zerstörte Grammatik und damit eben auch zerstörtes Geschichtsbewußtsein.

  13. Avatar ReniIna von Stieglitz says:

    Kurt Tucholsky – *09.01.1890 – Gestorben: 21.12.1935)
     DAS PERSÖNLICHE
     Schreib, schreib….

    Schreib von der Unsterblichkeit der Seele,
    vom Liebesleben der Nordseemakrele;
    schreib von der neuen Hauszinssteuer, vom letzten großen Schadenfeuer;
    gib Dir Mühe, arbeite alles gut aus, schreib von dem alten Fuggerhaus;
    von der Differenz zwischen Mann und Weib….
    Schreib…schreib…
     Schreib sachlich und schreib Dir die Finger krumm:

                    Kein Aas kümmert sich darum.
     Aber:

    Schreibst Du einmal zwanzig Zeilen mit Klatsch – die brauchst gar nicht zu feilen.
    Nenn nur zwei Namen, und es kommen in Haufen Leser und Leserinnen gelaufen.
    „Wie ist das mit Fräulein Meier gewesen?“
    Das haben dann alle Leute gelesen.
    „Hat Herr Streuselkuchen mit Emma geschlafen?
    Das lesen Portiers, und das lesen Grafen.
    „Woher bezieht Stadtrat Mulps seine Gelder?“
    Das schreib – und dein Ruhm hallt durch Felder und Wälder.
     Die Sache? Interessiert in Paris und in Bentschen

                    keinen Menschen.
    Dieweil, lieber Freund, zu jeder Frist die Hauptsache das Persönliche ist.
    so-liebe Leserschaft – lach – viel Spaß beim verändern   – ääh — ver“gendern“…RIvS

  14. Avatar ReniIna von Stieglitz says:

    ach – und vielen Dank für den Buch-und Filmtipp….RIvS

  15. Avatar franzsummer says:

    Viele sagen ja, das Entscheidende in einer Gesellschaft ist die Familie. Und wenn sich zwei Menschen binden und heiraten, meist Mann und Frau, als die kleinste Zelle, eine Ehe eingehen, eine Familie gründen, wirkt das als Kleines auf das Große insgesamt, auf das Verhältnis von Männern und Frauen überhaupt.

    Und was sagte Tucholsky zur Ehe: „In der Ehe ist einer immer der Dumme. Nur manchmal geht sie gut: dann sind beide dumm.“

    Tucholsky kann in seinen pointierten Betrachtungen sehr anregend sein 🙂 Nun sage bloß keine, bei Tucholsky ist der Dumme männlich.

    Heiraten heutzutage die Leute noch?

  16. Avatar ReniIna von Stieglitz says:

    Lieber Herr franzsummer-wie schön, dass Sie in dieser leidigen „GenderSprachGeschwurbel“ Angelegenheit – diese Frage stellen – einer meiner Neffen zieht es eindeutig vor, nicht verheiratet zu sein- ein  „Nichtverheirateter Familienmensch“  mit Familie – klappt wunderbar – wie es nach außen scheint – nun, dies ist nur EIN Beispiel – wie andere mit diesem Thema umgehen, keine Ahnung..- Ich bewunderte stets langjährig Verheiratete,  die noch miteinander gesprochen und in ihren alltäglichen Ritualen eine Form des äußerst angenehmen Umgangs gefunden haben – Nun ja – Tucholsky…ein Lächeln sei gestattet…Gruß aus dem Norden-RIvS – verbunden mit den besten Wünschen für einen wunderbaren Tag—

     

  17. Avatar franzsummer says:

    danke, Ihnen auch, bei dem schöen Wetter muss es gelingen.

    Familie hin, Familie her, bei Tucholsky „in dem Wort Familienbande ist etwas Wahres dran“, jeder hat seine eigene Wichtigkeit im Leben, wie man hier lesen kann, wird es plötzlich eine Krankheit, die sich fast zu einer abenteuerlichen Reise entwickelt, da kann man nur die Daumen drücken auf ein glückliches Gelingen,bei anderen wiederum die Einsamkeit, dagegen hilft Gesundheit auch nichts, bei den Omisprüchen hier könnte ich beitragen mit „Jeder hat sein eigenes Kreuz zu tragen“, der Streit um eine koreekte Sprache ist auch wichtig, sicherlich, wir alle sind ja soziale Wesen und sollten uns ohne Missverständnisse verständigen können, das zählt natürlich auch.

    Ich kenne bzw. kannte allerdings mehrere Ehepaare, die nicht mehr miteinander reden.

  18. Avatar klauvogel, abgebrannt zur says:

    das entscheidende an  einer  entscheidung ist das defintitive etwas.

    das etwas includiert in allem möglichen.

    sin city 1

    sine nomen est sine

    momen in casu

    destruktivus

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