Emotionen der Argumente. Außerdem die Selbstreferenz. Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (83).

Reaktionen >>>> wie die des Netzkritikers sind nicht zu beklagen. Im Gegenteil sind sie eine gängige Erscheinung, die sich im Netz indessen dokumentiert und insofern argumentativen Rang bekommt: als eine Aussage über Motivationen. Psychische Motive sind es ja auch, was den Erkenntnisdrang oft überhaupt erst in Gang bringt – sofern er außerhalb unmittelbarer Notwendigkeiten (Schutz vor Gewalten, Hunger usw.) wirkt. Das tut er nun in der Industriegesellschaft ganz besonders, zumindest scheinbar, als die unmittelbaren Bedrohungen nicht mehr direkt erkennbar sind. Das Literarische und das Politische Weblog sind das am meisten geeignete Medium, solche Prozesse mit aufzuzeichnen.
Aus dieser in schriftlicher Form zu erlebenden Erscheinung emotionaler Einbrüche, Verschiebungen, Unterstellungen – also insgesamt der menschlichen psychischen Abwehrformen – lassen sich Schlüsse auf die Prozesse der Erkenntnisfindung ziehen, freilich andere als solche „zum Thema“. Die Dschungel operieren sogar damit; es ist ebenso ein Teil ihres Wesens, wie daß mit Emotionen mitreagiert wird – daß Emotionen also als ein Teil der Entscheidungsfindung selbst ausgetragen werden. „Die“ Wissenschaft möchte derartiges gerne ausklammern, um methodisch „sauber“ zu bleiben; Die Dschungel meint hingegen, daß gerade d a s methodisch unsauber wäre. Zu einer klaren Methodik gehört eben a u c h, das o f f e n mitwirken zu lassen, was am Rand liegt, aber w i r k t. Wiederum rein biologisch gesprochen, finden wir zu unseren Haltungen eben zum allergeringsten Teil aufgrund logischer Entscheidungen, die von Befindlichkeiten abgekoppelt wären; vielmehr sind gerade s i e es, die einen signifikanten Anteil an den Entscheidungen (Überzeugungen der Moral und/oder des Glaubens, schließlich an Haltungen) haben. Insofern sind Einlassungen wie die des Netzkritikers höchst hilfreich und erhellend; ebenso >>>> Frau Sommers Ausruf „Da wird mir schlecht!“ oder meine eigenen emotionalen Ausbrüche. Davon gab es hier ja auch schon einiges. W i e emotional reagiert wird, indiziert die Virulenz eines in Rede stehenden Themas; sie wird davon geradezu unterstrichen. Keine auf methodische Sauberkeit fundierte Methode kann das in auch nur annähernder Weise so darstellen.

Eine Eigenart Der Dschungel ist es, immer auch sich selbst zum Gegenstand der Betrachtung zu machen, d.h. ebenso Kommentare und Kommentatoren wie – vormals im Tagebuch, nunmehr im Arbeitsjournal – e i g e n e Motivationen (etwa emotionale Gründe, bzw. mehr oder minder objektive Anlässe für Gedankengänge).

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3 Responses to Emotionen der Argumente. Außerdem die Selbstreferenz. Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (83).

  1. Avatar Terpsichore says:

    Das ist beschämend klar erfasst. Ich denke oft, wenn ich diese heftigen Reaktionen lese, die teilweise noch verstärken wollend eine einfache ANNAHME zur BEHAUPTUNG erheben ( keine Ahnung warum – wer LESEN kann, sieht doch, dass Sie nur ANNEHMEN, nie BEHAUPTEN, und wenn ich mich irgendwo nicht wiederfinde, kann ich das doch auch ohne „Erbrechen“ kundtun, sachlich eben) – ich denke also, dass da, wo der größte Widerstand ist, auch das größte Potential ruht. Das mag einige Verhaltensweisen wiederum gut erklären. Mit ruhiger und souveräner Argumentation bliebe mancher Schreiberin eine peinliche Entblößung erspart, peinlicher noch als das Streitobjekt selbst es je sein könnte.

    • Avatar Cilia Sommer says:

      @ Terpsichore Sie schreiben: „wer LESEN kann“. Nun, dann fangen Sie doch einfach damit an und zeigen mir bitte die Stelle auf, an der ich mich erbreche. Davon steht in meinem Kommentar rein gar nichts, sondern wurde in Re-Kommentaren angenommen (nicht behauptet, um Ihnen hier nun entgegen zu kommen).

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