Bamberger Elegien (69). Vierte Elegie, aus der Hexameter-Überarbeitung (fff).

Was sich erkennt, klagt drum bereits, wenn es jubelt. Es ahnt das.
Will‘s nur nicht w i s s e n. Und nimmt sich zur Frau seine Mutter, die so zur
Kindheit Vermißte, Geliebte, und schafft dich, die anders ist – Frau ist –
um – und verliert es. Wir sehn dann nicht länger, wie d a du warst, w i e da,
als du uns liebtest: so dunkel das Haar, wie es fiel, sondern Kindheit…
immer… sie drängt sich daber und weht es beiseite, verdrängt es,
Haar und den Blick, der sich zu unserm Gesicht gut hernieder-,
(Gegenwart wollt‘ er!) -gebeugt hat. Vergangen! Wie immer noch d a und
w i e derart wieder! In solcher Verlassenheit bleibend. Es fehlt uns,
fehlt deine Achsel, dein Hals fehlt, dein Ohr… eine Duftspur Kamelie,
Düfte Arabiens, aus denen Geche von Wäldern ersteigen,
untergegangenen, die heute Sandmeere decken, als wärn es
i m m e r Fiktionen gewesen… Wir tranken die! Wie wir uns aßen:
süchtig einander, Begeisterte, unprofan Undistanzierte…
Aber nun singt es die Regnitz so kontemplativ insistierend
gartenhinauf und herein: Alle Liebe wird traurig.
Abermals hat sie die Strömung verkehrtwehrher, aufs neue,
weht es; gelöst in den Sprudeln, im Nebel aus Gischt, der, zerblasen,
wehe Erinnerung freisetzt – die Stimme… wehe, daß s i e nicht
still wie die Leidenschaft wird, die sich erfüllt hat. Und finden
uns niemals ab mit Verlust, ob er auch liegengeblieben,
use it or lose it, dein schlafschwerer Körper, und liegt noch, erwartend…
Wie ihn die Auskühlung kränkte, die blutleere, unsre! Und schwieg, uns
selber erkühlend, die Frau, weil unser bleibendes Tier so
achtungslos über sie wegsprang und Beute dann anderswo suchte…
weil sein Geruch uns vertraut war und z u sehr Zuhause, worin man
schlafen, nicht jagen mag. Testosteron, ach! Erregt will es sein, will
streuen und streunen und l ä ß t uns das Nest nicht, nicht Höhlung der Achsel,
die uns umhüllt, nicht das Haus, nicht die Wohnung, das Bett nicht, darin wir
eingerollt schlafen. (-/–/–/–/-)

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