Arbeitsjournal. Montag, der 23. April 2007.

9.26 Uhr:
[Küchentisch, Am Netz.]
Jetzt das >>>> horen->>>> ANDERSWELT-Sonderheft in Angriff genommen, Briefe geschrieben, erläutert… und unter anderem versucht, >>>> Friedrich Kittler neugierig zu machen. Um die ästhetische Relevanz ARGOs, von der ich völlig überzeugt bin, deutlich zu machen, wird es für das horen-Heft darauf ankommen, daß maßgebliche Denker beteiligt sind – auch d a s schon richtet sich wieder, ich weiß, gegen den mainstream, der anti-theoretisch ist. Da hilft auch keine versuchte Theoretisierung des Pops, die ich für den vergeblichen Versuch einer oder zweier Generationen halte, eigener Sozialisation aus verständlichen, aber sentimentalen Gründen den akademischen Ritterschlag zu erteilen. Unterm Strich b l e i b t der Pop d i e Ausdrucksform des verdinglichenden Kapitalismus noch im Protest gegen ihn, aus dem er teils ja entstand (etwa indem er Musikformen der „schwarzen“ Gegenwehr und der „schwarzen“ Trauer, z.B. im Blues, aufnahm: viel leichter zu affirmieren als irgend ein Stück Anton Weberns). Daß ich mich mit solchen Aussagen nicht beliebter mache, ist mir klar – nicht mal dann, wenn ich ähnliche Dynamiken speziell für die musikalische Klassik und Spätromantik konzediere.

Nach der Briefserie muß ich mich um die Internet-Zugänge kümmern; außerdem ist mal wieder – jetzt für GASAG- und t-mobile-Rechnungen – Geld aufzutreiben. Ferner hab ich seit Milazzo ein Gedicht im Kopf, das im Notizbücherl bloß skizziert ist und das ich heute umsetzen möchte. Und einige Zeilen an der Fünften Bamberger Elegie will ich weiterhexametrisieren. Und >>>> mit dem Jungen ist zur ärztlichen Nach-Untersuchung zu gehen. Jajajaja, all das g e h ö r t in ein Arbeitsjournal.

In die Arbeitswohnung radle ich nachher, weil ich hier in der Väter-WG über die Flat telefonieren kann.

[Eine komplette Blödheit – oder Absicht – hab ich über >>>> MEERE gestern >>>> h i e r gefunden. Ich mag Ihnen diese Lesart um so weniger verschweigen, als Sie nunmehr selbst gegenlesen können. Vielleicht schreiben Sie dem Herrn Klaus Wachowski danach ja was Nettes >>>> in seine Kommentarabteilung. Jedenfalls bekommt er durch mich jetzt ein paar mehr Zugriffe – auch, ganz sicher, dank Google. Möge er dankbar sein.]

14.50 Uhr:
An UF:
Ja, mit meinem Jungen ist alles b e s t e n s; wir waren gerade bei der Ärztin. Dieser italienische Sanitäter, der als Passagier an Bord war und von sich aus die Wunde genäht hat, ist großartig gewesen. Die Ärztin sagt: bei uns hätte sich das aus rechtlichen Gründen niemand getraut. Dort bestehen ähnliche Rechtslagen, aber das ist die a n d e r e Seite Italiens: da greift man, egal, was das Recht sagt, z u. In diesem Fall zum großen großen Glück meines Sohnes. Die Naht sei absolut perfekt, sagt die Ärztin. Am Freitag werden die Fäden gezogen werden.
Ich will jetzt herausbekommen, wie dieser Mann heißt und wo er wohnt – und möchte ihm etwas als großes Dankeschön schicken. Den Schiffsnamen und das Datum weiß ich ja, zumal der Unfall protokolliert worden ist.

16.41 Uhr:
[Arbeitswohnung. Webern, Konzert für Oboe, Flöte, Klarinette usw. (1931-34).]
Beim latte macchiato: ABER … und das ist U N B E D I N G T festzuhalten, gerade nach solch einem Telefonat mit dem Profi, der sich – wie wohl manch anderer Freund – meiner persönlichen Haltungen wegen, die nämlich i m m e r zugleich poetische sind, das Haar raufen möchte: ohne solche Freunde, die nahezu permanent helfen, und seit einiger Zeit auch manchen Lesern wären eben diese Haltungen überhaupt nicht durchzuhalten – jedenfalls nicht so schadlos, wie ich es trotz der ständigen ökonomischen Existenzkrise bis heute zu tun vermochte. Nein, es ist kein leichtes, schon gar kein wohlhabendes Leben, das ich führe, dennoch ist es in einem bestimmten Sinn luxuriös – : indem es mir e r l a u b t, meine Haltungen umzusetzen und immer weiter zu radikalisieren. Und mich zugleich mit Schönheiten segnet, die ich anhören, die ich betrachten, sogar, die ich im Arm halten, in jedem Fall: die ich verstehen darf. Wobei meine Gegenverpflichtung eben in der Radikalisierung meiner Haltungen besteht, – darin, von ihnen nicht zu lassen. Das kann ich dann in Kunst formen. Es gibt möglicherweise nicht viele andere Menschen, denen das in ähnlicher Weise erlaubt ist.
ALSO: die Freunde – eine Erfahrung, die ich mein ganzes Leben über gemacht habe und die auch schon mein Vater gemacht hat: auf s i e und niemals auf Familie ist letztlich Verlaß. Erst mein Sohn macht nunmehr eine andere Erfahrung und s o l l sie auch anders machen; aber ich will ihm vor allem auch den Ethos der Freundschaft vermitteln. Das wird eines Tages vielleicht eines unserer wichtigsten Gespräche werden.

17.24 Uhr:
Hui! Ich hab hier einen offenen Netzzugang plötzlich im Haus. Will mich aber dennoch von dem Gedicht nicht ablenken lassen.

22.24 Uhr:
[>>>> Bar am Lützowplatz.]
Warten auf den Profi. Freundesgespräch. Da es hier ein offenes Netz gibt, schau ich noch nach Post und friemle etwas >>>> an dem Gedicht herum. Dessen Ende stimmt noch nicht: es beschreibt, was es sagen will, es ist aber noch nicht es selbst g e wo r d e n. Das mag an einem einzigen Wort liegen, an einer kleinen Umstellung; ich weiß es noch nicht.
Im übrigen blieb der Tag beim Administrativen.

P.S.: Der offene Netzzugang in der Arbeitswohnung hielt übrigens nicht lange vor. Wahrscheinlich wurde ich als Fremd- und Trittbrettsurfer bemerkt, und man schaltete weg. Hübsch war, daß der Intel PROset Wireless unmittelbar darauf einen Sender entdeckte, der „Wlan kills“ heißt und vorher n i c h t dagewesen war.

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31 Kommentare zu Arbeitsjournal. Montag, der 23. April 2007.

  1. gueldensternn sagt:

    meere ich bin hier, weil ich den roman meere gelesen habe.

    die einlassungen von herrn wachowski, mit dessen schaffen ich nicht vertraut bin und mich nicht vertraut machen möchte, hätten sie uns ersparen können, weil sie irrelevant sind.

    wer das wörtchen „ficken“ als beleg für langeweile aus einem langtext wie meere extrahiert, disqualifiziert sich selbst.

    für mich war die lektüre des romans ein inspirierendes unterfangen. ich bin dankbar, dass es plattformen gibt, wo rückhaltlos offene, autobiographische literatur ein forum findet. brave, nach den unterhaltungsbedürfnissen des publikums und den gesetzen des marktes zurechtgemachte literatur-formate haben wir eh schon übergenug.

    vielen herzlichen dank für meere!

    • @gueldensternn. Ich mochte den Dschungellesern >>>> Herrn Wachowskis Einlassung zu MEERE aus d r e i Gründen nicht ersparen.
      1) Möchte ich nicht den Eindruck eines vermitteln, der zu seiner Arbeit stets nur auf positive Stimmen verlinkt; den M u t muß man dann s c h o n haben, auch bei anderem die klare Stirn zu zeigen; und
      2) ist mir jede Diskussion speziell dieses Buches, über das so viel Häme ausgeschüttet worden ist, wichtig – auch eine sich möglicherweise bei Herrn Wachowski anbahnende Auseinandersetzung; und schließlich
      3) entspricht es meiner Haltung, alles ernst zu nehmen und auf alles zu reagieren, soweit es meine Arbeit betrifft und mir zur Kenntnis kommt. Daß das ungewöhnlich und auch ungewöhnlich arbeitsintensiv ist, ist mir ganz sicher vertraut; aber genau das, daß ich so etwas – unerachtet der Position und des Standes meiner Kritiker und/oder Leser – so halte, ist eine Stärke meines poetischen Ansatzes. Ich differiere ganz bewußt n i c h t zwischen vorgeblich wichtig und vorgeblich unwichtig. Dahinter steht >>>> ein nicht nur persönliches, sondern ästhetisches und erkenntnistheoretisches Konzept.

      [Meere Roman von Alban Nikolai Herbst [Traumbriefe II]

      Dank aber für Ihre Worte.

    • gueldensternn sagt:

      @ anh diese prinzipien muss ich natürlich respektieren. ob und inwieweit sie für sie fruchtbar sind, vermag ich nicht zu beurteilen.

      nur: die „kritik“ von k. wachowski ist gar keine. er macht einen text von ich weißnichtwieviel zeichen und seiten mit den formeln „lustlos“ und „langweilig“ nieder. wie man solche im grunde böswilligen anwürfe produktiv machen kann, weiß ich nicht, kann es mir aber auch nicht vorstellen.

      natürlich hat jeder das recht, ein literarisches werk gut oder schlecht zu finden. wenn er das dann aber halböffentlich kundtut, nämlich dass er es schlecht findet, sollte er schon auch eine inhaltliche/ ästhetische kritik folgen lassen. ansonsten ist so ein statement nicht ernstzunehmen, besonders wenn es von einem „literaten“ stammt, also einem berufskollegen , der weiß, wei schwer es ist, guten text hervorzubringen, und nicht von einem 16-jährigen, den man zur lektüre verdonnert hat.

      nochmal: ich finde den roman großartig. hat mich ähnlich getroffen wie rolf dieter brinkmanns „keiner weiß mehr“ (auch wenn weder die sprache noch das geschilderte verhältnis mann-frau vergleichbar sind, sehr wohl aber die radikalität der selbstentblößung/ ohne schminke, ohne beschönigung).

    • @gueldensternn. Das Netz und die Öffentlichkeit. Klaus Wachowski ff. Es wäre mir sehr sehr lieb, würde das alles >>>> d o r t weiterdiskutiert: je mehr Pro & Contra, desto besser. Herrn Klaus Wachowskis und eines nächsten Einlassungen haben etwas Selbstentblößendes, von dem ich glaube, daß sich da ein allgemeines Prinzip der Aufnahme von Kunst manifestiert. Das ist auch schon insofern interessant, als sich Wachowski – wie ich eben selbst einer bin – als „Jean-Paul-ianer“ darstellt, ohne daß er etwa meinen >>>> WOLPERTINGER kennte, der sich in vielem direkt auf Paul bezieht, etwa in der Form der narrativen Digression. Wachowski tut seine Meinung aufgrund einer Unkenntnis kund – d a s ist das Problem. Und er tut sie – im Netz – ö f f e n t l i c h kund. Deshalb ist darauf zu reagieren, sofern man das Netz denn als Öffentlichkeit (oder Konstruktion von Öffentlichkeit) begreift. Es geht hier n i c h t um einen privaten Geschmack. D e r hätte j e d e s Recht der Welt, auch ohne ein einziges Argument. Sondern um er-google-bare Meinung, also um Macht.

      [Meere Roman von Alban Nikolai Herbst [Traumbriefe II]
  2. Terpsichore sagt:

    zum Kommentar über „MEERE“ von Herrn W. Nein, ich werde ihm selbstverständlich nichts in seine Kommentare schreiben. Es ist nur eine Meinung, die er genauso frei äußern kann wie Ihre Kunst frei ist, lieber Alban. Wo kämen wir da hin, wenn wir jedem hinterherliefen der uns oder unser Werk kritisiert, um ihn zu dreschen oder anzuklagen. Ehrlich: jedesmal diese Hatz auf Ihre Kritiker, das macht Sie mir langsam unsymphatisch. Größe ist etwas anderes. Ich weiß ja, wie Sie darüber denken und was Ihre Gründe sind. Trotzdem. Es tut mir weh das immer wieder zu lesen, weil ihr Werk das eigentlich nicht nötig hat, dass sie wie eine fette Glucke drüberhängen und nach jedem hacken, der ihm zu nahe kommt. Ich wage sogar die ganz kühne Behauptung dass es ihm mehr schadet als nützt. So, und jetzt: Terpsi Löschtaste Löschtaste Löschtaste?

    und an Güldenstern: Da steht nicht, dass er den Roman wegen des Wortes „Ficken“ nicht gut findet, sondern er schreibt, dass ihm insgesamt etwas fehlt. Ein Sensibles, ein Tiefes. Na und?

    • Ob ich Ihnen deshalb unsympathisch werde, ist mir aber auch s o w a s von kreuzwurscht. Meine Arbeit entsteht nicht, damit sie jemandem sympathisch ist; wollte ich d a s, machte ich Pop – „machte“ ist hier richtig verwendet: wie man kackt, so einfach… Hartleibigkeit mal beiseitegelassen, die gibt’s da ja auch. Und Sie verwechseln obendrein etwas: >>>> dem Herrn Klaus Wachowski fehlt nix Sensibles, dafür hat er nämlich offenbar gar kein Gespür, sondern der Kitsch. Ein einziger Blick auf >>>> seine Lürick genügt.

      Im übrigen hacke ich nicht nach jedem, der meiner Arbeit – und sei es äußerst kritisch – „zu nahe kommt“. Sondern ich hacke nach jedem, der Kritik äußert, ohne sie zu begründen – argumentationslos, vorurteilshaft, hämisch und/oder dumm. Die meisten Künstler sind leider allzu feige oder zu bequem oder zu angepaßt, um das ihrerseits zu tun. Bei den meisten herrscht offenbar – Angst.

      Und wenn Sie meinen, meine Gegen-Agressivität, die ich zweifelsfrei – den Göttinnen sei Dank dafür – hochgradig habe, schade meinem Werk, dann scheinen Sie über keinen angemessenen Werkbegriff zu verfügen, sondern personalisieren zu müssen. Das aber ist nun I h r Problem. Wenn wir uns angewöhnten, i m m e r sofort zurückzuschlagen, wäre der Menschenzustand nicht schlimmer, sondern besser – schon weil es signifikant weniger Magengeschwüre gäbe.

      [Meere Roman von Alban Nikolai Herbst [Traumbriefe II]
  3. Terpsichore sagt:

    ..naja, dass Ihnen meine Meinung kreuzwurst ist, damit kann ich gerade noch so leben, nicht aber damit, dass Sie mich falsch wiedergeben. 😉 Ich schrieb nicht dass Ihre Arbeit unsymphatisch sei, sondern Ihre Art, die Meinung von Herrn W. als Häme und bösen Vorsatz zu denunzieren und dazu aufzurufen, sich in seinem Forum dagegen auszusprechen. Er hat auf seiner eigenen Seite lediglich seine Kritik über Ihren Roman geäußert. Wollen oder können Sie wirklich nicht sehen, worum es mir geht? Dass ich gerne das Recht auf eigene Meinung und Kritik unverletzt hätte und nicht dafür denunziert werden möchte? Und wenn Sie meinen dass Ihr Werk so groß ist dass ich keinen Begriff davon habe, dann wird ihm ja auch kein kleiner Kritiker schaden können.

    • @terpsichore. Wie ich >>>> hier ausdrücklich geschrieben habe, b e g r ü ß e ich es sogar, daß Herr Klaus Wachowski seine Meinung kundtut – aber sage zugleich: Dann muß er sich den Reaktionen stellen. Und damit es zu Reaktionen auf seiner eigenen Site kommt, schlug ich vor, ihm etwas hineinzukommentieren. Wenn dann eine Diskussion entsteht, ist es imgrunde egal, ob und was und mit welchem „Recht“ oder „Unrecht“ er etwas schreibt. Aber er begibt sich mit seiner publizierten Meinung in die Öffentlichkeit und s c h a f f t öffentliche Meinung. Dies ist eine der Grundkonditionen jeglichen Weblogs und zugleich deren Stärke wie Schwäche. Wobei Wachowskis polemischen, bzw. abfälligen Ton der meine entspricht. Publiziert jemand sachlich, dann tu ich es auch. Ich bin in dieser Hinsicht extrem alttestamentarisch und halte g a r nichts von christlichem Nachsicht-Gedöhns. Vielmehr empfinde ich das als arrogant. Daß ich den doch eher abseitigen Sites Herrn Klaus Wachowskis mit meiner Haltung Leser zuspiele, zeigt doch sehr genau, w i e ernst ich ihn nehme. In der Tat nehme ich j e d e n Ernst und mache überhaupt keinen Unterschied nach Stand, Rang, Geschlecht oder Bildung, geschweige denn nach vorgeblichen Relevanzen.

      Daß der T o n nun so ist, wie er ist, ist eine Spiegelung. Damit wir uns richtig verstehen: Es geht hier ausschließlich um Publikation. Was er jenseits einer solchen meint, denkt und fühlt, das in der Tat ist seine Privatsache – und d a hätte ich n i c h t zu reagieren.

      [Ihr letztes Argument ist, verzeihen Sie, dumm. Es entspricht dem Erziehungsverhalten von Eltern, die ein Kind bestrafen und ihm, wenn es fragt „Was hab ich denn getan?“ antworten: „Das weißt du schon selbst.“ Miesere Pädagogik gibt’s nicht, vom double-bind mal abgesehen.]

      [Meere Roman von Alban Nikolai Herbst [Traumbriefe II]
    • ferromonte sagt:

      das klingt mir sehr bekannt, wie sie mit terpsichore und seinen/ihren kommentaren umgehen, werter herbst. (nichtwahrnehmen des anderen standpunktes, ihre „philosopie des privaten“, selbstgerechte behauptungen wie „Daß ich den doch eher abseitigen Sites Herrn Klaus Wachowskis mit meiner Haltung Leser zuspiele, zeigt doch sehr genau, w i e ernst ich ihn nehme. In der Tat nehme ich j e d e n Ernst und mache überhaupt keinen Unterschied nach Stand, Rang, Geschlecht oder Bildung, geschweige denn nach vorgeblichen Relevanzen.“
      – sie würgen das gespräch ab in situationen wie diesen. wechseln die ebene, werden letztendlich unsachlich und ausfällig – wie ihrem schlußsatz in der klammer. (beobachten sie einmal ihre emotionale lage, wie sie sich von kommentar zu kommentar ändert in diesem thread.)

      @terpsichore:
      er kann nicht sehen, weil er nicht will.
      weil er so in seinen reaktionsmustern gefangen ist, daß ihm in diesem moment keine andere sicht möglich ist. (und später – interessierts ihn nicht mehr).

    • Ach, ferromontchen. Ach.

      (Vielleicht spielen Sie ein wenig p r i v a t mit Terpsichore weiter, dann können Sie sich gegenseitig die mit Herrn Wachowski empfindenden Seelchen streicheln. Mir ist das zuviel sozialdemokratisches Gedöhns. Ich verstehe sowieso nicht, wieso Sie sich noch mit mir befassen. Keiner zwingt Sie, hier zu lesen. Lassen Sie’s doch einfach bleiben und goutieren Autoren, die Ihrer demokratistischen Vorstellung von Sozialität eher entsprechen. Oder argumentieren Sie ohne Unterstellungen. Ich habe keine Ebene gewechselt, sondern auf eine Sanktionsdrohung – „Sie werden mir unsympathisch“ – reagiert, die ich als das zurechtweise, was sie ist, eben Sanktionsandrohung. Im übrigen habe ich Wachowski ernstgenommen, indem ich auf ihn reagierte. Hätte ich n i c h t reagiert, wäre das arrogant gewesen. So, wie ich jetzt auch auf wieder Sie reagiere; ich könnte ja auch einfach schweigen oder gar löschen. Tu ich aber nicht. Weshalb, das scheint Ihnen und überhaupt vielen Leuten irgendwie nicht in den Kopf oder zumindest nicht ins Herz zu wollen. Doch egal: Letztlich entscheidet nur eines:: das W e r k. Alles andere ist nachrangig. Und insofern haben Sie recht: „später interessiert’s ihn nicht mehr“. Jetzt interessiert mich >>>> die Stromboli-Dichtung.)

    • ferromonte sagt:

      ach ja, ach.
      ich sprach kein wort von herrn w. und seinen ergüssen, das interessiert mich gar nicht.
      aber: wieso spielen sie mit dem gedanken, meinen kommentar zu löschen? denken sie doch mal darüber nach. mit „sozialdemokratischem gedöhns“ ist, auch bei öfterer wiederholung, schlecht argumentiert.

      ich brauche niemanden, der mich ZWINGT hier oder woanders zu lesen und gelegentlich auch zu reagieren. (der zwang ist i h r problem, wie ihnen vielleicht nach und nach dämmern wird, hoffentlich.)

      sanktionsdrohung: komisch, wie kann ihnen das als drohung kommen, wo sie sich ja einen dreck interessieren, ob sie irgendjemandem sympathisch sind oder nicht; weil es ihnen ja ausschließlich ums werk geht.

      es geht um emotionen hier, ausschließlich um emotinen.

    • a. sagt:

      „Ich brauche niemanden, der mich ZWINGT, hier (…) zu lesen“, schreiben Sie, ferromonte. Inwiefern ist das jetzt ein Gegenargument zu ANHs „Keiner zwingt Sie, hier zu lesen.“ ?

      Und „denken Sie doch mal darüber nach“ stammt aus derselben Erziehungsschublade wie das Beispiel oben von ANH: „Das weißt du doch selbst.“

    • Lacht hell auf. – Liebe a., das mit der Erziehungsschublade. Trifft’s.Und eigentlich ist es d a s, was mich immer so in Harnisch bringt. Denn, unterm Strich, ich m a g ferromonte ja (und nähm’s ihm nicht krumm, scherte nun i h n das nicht); und Terpsichore mag ich auch – und sehr ihre Prosa.

      Was mich sowohl bei Terpsichore als auch bei ferromonte und, wenngleich einige Niveaustufen tiefer, bei Wachowski geärgert hat, sind die Emotionsverletzungen, die ausgeteilt werden, ohne daß akzeptiert wird, daß man dann auch selber welche einzustecken hat. Daß ich meinerseits immer wieder einstecke – dafür sind Die Dschungel ja nun wirklich Beleg. Es geht um die stillschweigende Erwartung, man möge zu dergleichen schweigen – dann regle sich alles zur allgemeinen Zufriedenheit. Meine Haltung dazu ist: Wer schweigt (also sich nicht wehrt), v e r s t ä r k t das Unrecht. Selbst Mahatma Ghandis gewaltloser Widerstand hat mehr Tote mit sich gebracht, als in allen vorherigen Befreiungsaufständen zuvor umgekommen waren. Ich beziehe solche Umstände, große wie kleine, prinzipiell aufeinander.

      So, nun aber wirklich: >>>>> Mittagsschlaf (13.46 Uhr).

    • ferromonte sagt:

      nun, es geht ja nicht um sympathien, dachte ich. ich schrieb daß ich niemanden brauche, der mich zwinge etc. um mit dem wort „zwingen“ zu spielen, weil es ja niemanden überraschen wird, daß ich mir die freiheit nehme, zu lesen und zu schreiben wo und wie ich will. ist das jetzt verständlich?
      und „denken sie doch mal darüber nach“ ist eine floskel, auf die man empfindlich reagieren kann oder ganz normal. wenn man darin etwa eine erziehungsschulblade sieht, emotional getroffen ist, wäre das sicher ein ansatzpunkt tiefer zu gehen um nachzuforschen, weshalb man so heftig reagiert und zu verfolgt sieht, wo möglicherweise keine vefolgung stattfindet.

      was ist passiert:
      ich habe gelesen, hab meinen kommentar geschrieben (habe niemanden verletzt, jedenfalls nicht absichtlich oder wissentlich) und werde schon in der anrede verniedlicht und als schwieriger fall hingestellt, dem gewisse sachen nicht in den kopf wollen. sollte ich sie, herbst, mit meinem ersten kommentar oben verletzt haben, dann tut es mir aufrichtig leid: ich wollte das nicht. der komment war eine spontane reaktion, die wohl aus dem alten – unaufgelösten streit zwischen ihnen und mir zum thema privat damals hochgekocht ist)
      ich teile nicht willkürlich aus, das sehe ich nicht. ich reagiere nur auch etwas emotionaler, wenn ich eins auf die nase kriege. das dürfte aber eigentlich kein problem sein.

      die frage ist und bleibt: worum geht es?
      oder worum ging es terpsichore? und dann in der folge mir? mir ging es z.B nur darum, wie herbst mit terpsichore umgeht in diesem thread (und meinen damit assoziierten konflikten mit herbst in ähnlichen situationen); und ich versuche das ganze zu sehen, und nicht an reizworten hängenzubleiben, und scheinproblemen (erziehungsschublade).
      man sieht jetzt mittlerweile ohnehin, worum es geht: um verletzungen. um ihre verletzungen, herbst, um unsere wohl auch. aber primär um ihre.
      darüber könnten wir reden, oder eben auch nicht.

      ich stecke viel ein, und wenn man h i e r postet, muss man noch mehr einstecken, weil sich immer wieder leute einmischen, denen grade langweilig zu sein scheint und die ein wenig aufmischen wollen, wie etwa „a.“ es macht mir meistens auch nichts aus, einzustecken, weil das dazugehört, und wirklich ok ist, solange es um die sache geht,d.h. man weiß, weshalb man einsteckt.

    • a. sagt:

      Denken Sie doch mal darüber nach „und ‚denken sie doch mal darüber nach‘ ist eine floskel, auf die man empfindlich reagieren kann oder ganz normal. wenn man darin etwa eine erziehungsschulblade sieht, emotional getroffen ist, wäre das sicher ein ansatzpunkt tiefer zu gehen um nachzuforschen, weshalb man so heftig reagiert und zu verfolgt sieht, wo möglicherweise keine vefolgung stattfindet.“

      Da haben Sie bei mir ins Schwarze getroffen, ferromonte. Ich habe mich mein Leben lang unangenehm berührt gefühlt von Leuten, die, mit dem pädagogischen Zeigefinger vor meinem Gesicht herumfuchtelnd, mir Dinge gesagt haben, die für Sie harmlose (?) „Floskeln“ sind. Reagiert man nämlich nicht in der erwarteten Weise („normal“ sagen Sie; ich sage demütig, vorgeblich nachdenkend, um am Ende zu dem Ergebnis zu kommen, dass der Pädagoge recht hatte), ist aber hastunichgesehn auch das nur mal so eine „Floskel“ gebrauchende Gegenüber gleich sehr empfindlich, ja empfindlicher als ich, derweil ich doch nur getan habe, was von mir erwartet wurde, nämlich: mal drüber nachgedacht.

    • ferromonte sagt:

      daß sie sehr empfindlich auf die „floskel“ reagieren und eine diskussion, die weiter oben ein anderes thema hatte, in eine s i e interessierende richtung, nämlich ihre autoritätskonflikte, schultrauma oder was auch immer lenken, sehe ich ja. (das soll jetzt nicht abfällig klingen, weil das für sie sicher ein wichtiges thema ist.)
      trotzdem grenze ich mich ab „von Leuten, die, mit dem pädagogischen Zeigefinger vor meinem(ihrem) Gesicht herumfuchtelnd, mir(ihnen) Dinge gesagt haben, die für Sie(mich) harmlose (?) „Floskeln“ sind.“ werfen sie mich ruhig in einen topf mit diesen, es schmerzt mich gar nicht, es ist auch im übrigen nicht mein stil, solche redewendungen zu verwenden, vielmehr gehen diese mir selbst durchaus auf die nerven.
      ich würde aber gerne den konflikt mit herbst weiter bearbeiten, weil mich der seit monaten nicht in ruhe lässt, und weil das nicht nur mein problem sondern auch seines, herbsts, ist. ich möchte, daß er sich dem auf andere weise stellt als ewig in seine kunsttheorie auszuweichen, scheinprobleme zu kreieren. oder gar ausfällig zu werden. oder mir zu sagen, ich brauche hier ja nicht mehr zu lesen/posten.

    • a. sagt:

      „im übrigen nicht mein stil, solche redewendungen zu verwenden, vielmehr gehen diese mir selbst durchaus auf die nerven.“ Dann verstehe ich nicht, warum Sie solche Redewendungen benutzen.

      Zurück also zu Ihrem ursprünglichen Thema. Dazu kann ich nur ganz simple Dinge sagen: ANH ist halt anders als Sie, und umgekehrt. Sie können einen anderen Menschen nicht ändern („ich möchte, daß er sich dem auf andere weise stellt“). Man schafft es ja kaum, sich selbst zu ändern.

      So wie auch ich, in aller Bescheidenheit, anders bin als Sie. Sonst hätte ich mich nicht an so einer blöden Floskel aufgehängt, bei der Sie sich gar nichts weiter gedacht haben. Ich bin etwas alienesk (mit leicht autistischen Zügen), und da liegt es in der Natur der Menschen bzw. Sachen, dass man bisweilen aneinanderrumpelt.

    • montgelas sagt:

      Ich bin etwas alienesk (mit leicht autistischen Zügen), liest sich, wie ein Romananfang. Briefroman vielleicht ?

    • a. sagt:

      Jemanden zum Nachdenken auffordern Auf Ihrer Homepage, ferromonte, habe ich „George Steiner: Warum Denken traurig macht“ entdeckt. In einer Rezension dazu von Arno Widmann heißt es: „(…) Der Mensch – und wahrscheinlich nicht nur er – ist ein Lebewesen, das gar nicht anders kann als denken. Selbst die paar Sekunden, die er den Atem anhält, kann er nicht aufhören zu denken. ‚Denk doch mal nach!‘ – diese pädagogische Ermahnung heißt in Wahrheit: Hör‘ auf selbst zu denken, denke gefälligst, was ich möchte, dass Du denkst.“ Offenbar war mein Kommentar doch nicht so alienesk, wie ich… denke.

    • ferromonte sagt:

      wenn wir pausenlos denken, heißt das ja noch lange nicht, daß wie unsere eigenen gedanken denken.
      die meisten menschen legen sich ein weltbild, eine ansicht, einen standpunkt zurecht, den sie dann verteidigen, wenn nötig mit waffen.
      selber denken hieße offen sein, zuhören, gemeinsam im gespräch etwas zu entdecken, erinnerungsvermößen und wissen verwenden, vergleichen, nachfühlen, neu formulieren usw …
      mir wäre es sehr angenehm, wenn sie sich nicht so in das dämliche „denk mal nach“ verbeißen würden, das ist nicht so schlimm und ich bin kein böser oberlehrer, der leute schikaniert weil er minderwertigkeitskomplexe hat …

    • @ besonders ferromonte, a., terpsichore (die sich aber wohl unterdessen absentiert hat, jedenfalls schweigt sie) und montgelas. M i c h wiederum interessiert, weshalb mich ferromonte so partout von meiner Kunsttheorie abzubringen versuchen möchte. Ich habe mehrfach ausgeführt: mein „Ich“, das ich im ersten Dschungeljahr fast durchweg in Häkchen gesetzt habe) ist ausschließlich über Kunst definiert: es hat sich über Kunst konstituiert. Wer das akzeptiert, sollte meine Kunsttheorie kaum noch als Ausweichen verstehen können. Offenbar akzeptieren Sie, ferromonte, das nicht oder können es nicht akzeptieren. Dann liegt das „Problem“ aber bei Ihnen, nicht bei mir. Dann stört Sie vielleicht, daß ich sage: Es ist bei mir n i c h t s jenseits der Kunst. Aber ich s a g e es. Darüber dann, e r s t dann und klärten wir diese Fronten, könnten wir diskutieren und eine Verständigung suchen.

      Um, was „geschah“, kurz zu bündeln. Es erscheint bei Herrn Klaus Wachowski >>>> dieser n i c h t argumentierte, sondern geschmäcklerisch behauptete Text über einen meiner zumindest für mich selbst wichtigsten, weil nahsten Romane. Da es sich um einen öffentlichen Text handelt, der zudem, gibt man „alban herbst meere“ bei Google ein, weit oben auf Platz 6 rangiert und also meinem „Geschäftsbetrieb“ sehr schädlich sein kann, reagiere ich darauf und lege meinen Lesern nahe, ebenfalls bei Herrn Wachowski zu reagieren. Ich reagiere mit einer ihrem Gehalt nach ähnlichen Emotion, wie die, von der Herrn Wachowskis Text angefüllt war.
      Daraufhin nun schreibt mir Terpsichore, ich geriete in Gefahr, ihr unsympathisch zu werden, weil ich (sinngemäß) einem anderen nicht seine Meinung ließe. Ich wiederum, unter scharfer Replik auf die Drohung, jemandem „andernfalls“ unsympathisch zu werden, teile mit, ich täte alles andere, als Herrn Wachowski am Kundtun seiner Meinung zu hindern; a l l e r d i n g s habe er nun mit Gegenreaktionen wie der meinen zu rechnen. Das sei nur gut und billig. Woraufhin mir ferromonte den Kopf mit sozialer Vorhaltung wäscht, auf die ich meinerseits abermals scharf reagiere.
      Mich interessiert: wo ich mich denn nun tatsächlich auf eine unlautere Weise verhalten haben könnte. Häme beantworte ich mit Gegenhäme, soziale Drohungen mit antisozialem Spott; ich tu nichts anderes, als zurückzurufen, wie herausgerufen wird: ich spiegle, und ich tu es, wie gesagt, s c h a r f. Das halte ich auch für nötig, weil offenbar den Diskutanten nie ganz klar ist, was sie ungesagt so alles mittransportieren.Hier hatte dann a. eine völlig angemessene Intuition, als sie von „Erziehungsschubladen“ sprach. In der Tat ist es so, daß ich keine mir äußere, d.h. soziale Autorität akzeptiere, weder einen ‚usus‘ noch einen von anderen Leuten definierten ‚guten Ton‘. Was ein guter Ton sei und was nicht, definiere ich rein selber (genauer: definiert s i c h, und zwar aus meinen Prägungen, da ich bekanntlich an Selbstbestimmung, also ‚Freiheit‘, nicht glaube – wohl aber an das Gefühl von Freiheit).

      Der objektive Dissenz – ohne die mitstürmenden Emotionen – besteht wohl darin, daß einige Leute glauben, etwas wie die Einlassungen Herrn Wachoswkis seien nicht so wichtig und also zu vernachlässigen, während ich glaube, daß es kein „nicht so wichtig“ g i b t – und noch axiomatischer: daß die Trennung von Substanz und Akzidenz eine scheinbare und aus sozialen, nicht aber faktischen Gründen hergestellte, bzw. behauptete und,glaube ich, eine Folge des (mir höchst unangenehmen) Monotheismus ist. Wobei die Behauptung dann gesellschaftlich objektive Folgen hat, unter der Voraussetzung, daß möglichst viele, bzw. Maßgebliche sie glauben oder doch politisch mitvertreten und nach ihr handeln. Meine Position schert da widerborstig aus. ImGegenteil behaupte i c h, daß eine Position wie, das und das sei nicht so wichtig, eine a r r o g a n t e Position ist, während die meine nicht arrogant, dafür aber kriegerisch ist.

      Die Verniedlichung Ihres Namens haben Sie, ferromonte, Ihrer pädagogischen – sagen wir: – Versuchung zu verdanken.Will aber einer mich belehren, dann muß er größer sein als ich (bzw. älter: ich spiele hier symbolisch auf ein Schüler-Lehrer-Verhältnis an). Meine notwendige Reaktion auf so etwas war bereits zu meinen Schulzeiten: den „Lehrer“ zu verkleinern. (Das ist übrigens anders bei wirklicher Autorität, die aber dadurch bemerkbar ist, daß sie sich selbst verwundbar macht. Für mich sehr persönliche, weil erlebte Beispiele waren Karl Otto Apel, Ernst Bloch und mein jesuitischer Lehrer am Abendgymnasium).

    • ferromonte sagt:

      da gibt es nun einiges zu korrigieren.
      an ihrer kurzen „bündelung“ erst mal, die symptomatisch für den ganzen grundkonflikt ist, den ich mit ihnen habe (nicht m it ihrem werk, mit ihnen).

      also: wachowski schreibt seine häme zu „meere“ auf seiner site. man muß nicht unbedingt so argumentieren wie sie es wollen, lieber herbst, wenn man etwas schreibt. sie sind da anderer meinung, sie bewerten sofort: geschmäcklerisches behaupten, sentimentalität. sozialdemokratisches gedröhns usw..
      sie reagieren nun (aus ökonomischen gründen, seit gestern 22.57, vorher aus alttestamentarischen, an hammurapi angelehnten: sie vergelten gleiches mit gleichem. das auch, um kein magengeschwür zu bekommen, weil es also gesund ist, seinem ärger luft zu machen – bei letzterem bin ich ja d’accord, aber als lebensprinzip deshalb aug um aug zu nehmen, soweit kann ich nicht mitgehen: denn das bedeutet krieg (sie nennens sozialdemokratische gedöhns, ich weiß). sie sehen sich als kriegerisch; dazu vielleicht später.
      nun reagieren sie aber nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, selbst mit einem gegenschlag auf wachowskis site, sondern sie ätzen in kleinschrift und klammer in ihrem arbeitsjournal rum. und fordern ihre leser auf, dort auf wachowskis site zu reagieren.
      nun kommt terpsichore und sagt ihre meinung dazu. legitim, daß sie das tut, und anständig und höflich/korrekt, wie sie es tut. sie, herbst, reagieren heftig: sie sprechen bis gestern 22.57h von einer drohung, einer saktionsdrohung: terpsichore könnte ihre sympathie für sie verlieren wegen dieser hetze auf kritiker … .
      ad sanktionsdrohung: auch terpsichore hat, ähnlich wie ich, eine redewendung verwendet, auf die sie, wie a. bei mir, überreagiert haben, sich regelrecht drin festgebissen haben, um eine rechtfertigung für ihre weiterkochenden emotionen zu haben (was ist denn der grund für ihre wut? daß der wachowski ihr werk herabgesetzt und mißverstanden hat.) verstehen sie und merken sie sich: wir mögen sie, manche dinge sind aber schwer erträglich, für terpsichore war es das, für mich ist es anderes. einiges davon können sie diesem text entnehmen.
      ihre bündelung sagt nun, ich habe ihnen „den kopf mit sozialer vorhaltung gewaschen“. mir stieß es einfach sauer auf, wie sie auf terpsichore reagiert hatten; das erinnerte mich zudem an unsere letzten konflikte, und vom gefühl her hatte das etwas mit denen zu tun. ich sagte ihnen einmal mehr, was ich nicht ok finde: ihre unsachliche reaktion (die im hochemotionalen zustand zustandekam, aber dennoch auf ein nicht-verstehen terpichores rausläuft: interessant und auffällig hier ist die wiederholte beteuerung, wie gleichgültig ihnen die sympathien andere sind (so sie nicht zur familie gehören), dennoch aber empfinden sie die floskel von terpsichore als eine sanktionsandrohung, die sie recht aufregt. also was stimmt jetzt?
      um 14h, nachdem a. sich eingemischt hatte, lachen sie hell auf (warum eigentlich?), sind so befreit, daß sie sogar sympathie zu mir wie auch terpsichore bekunden (das freut mich, denn ich mag sie ja auch), und haben jetzt die waffe (krieger braucht immer waffe) „erziehungsschublade“ gegen mich.
      dann kommt was wichtiges: sie erklären, daß sie sich über emotionsverletzungen ärgern, die wachowski, terpsichore und ich austeilen, zumindest ich aber nichts einstecken könne. (was ich jetzt nicht sehe, weil ich ziemlich viel einstecke, oft auch ohne dann drüber weitersprechen zu können, weil es sie nicht mehr interessiert. belege finden sie in den dschungeln genug.)
      wer schweigt, verstärkt das unrecht, schreiben sie. ja. aber auch diese weisheit ist nicht universell anwendbar. manchmal ist es genau das richtige, zu schweigen. da sagt das schweigen mehr, als viele worte, und gleich wie auch die vielen worte kann das schweigen nur jemand verstehen, der zuhört.

      ihre beiden interessen:
      1) wo sie sich auf eine unlautere weise verhalten haben könnten:
      sie lassen nur ihre definition zu, wie man auf sie zu reagieren hat. sie vergelten gleiches mit gleichem. sie beteuern zwar, alles und jeden ernst zu nehmen, tun das aber nur im rahmen ihrer willkürlichen, ihrem raster entsprechenden rahmen. wer da nicht reinpasst, den versuchen sie nicht zu verstehen sondern wenden – und das schockiert, weil man es nicht gewöhnt ist von einer stark intellektuellen, intelligenten person wie ihnen – klischees auf ihn an; eigentlich schimpfworte: sozialdemokratisches gedöhns, christliches nachsicht-gedöhns, gesäusel. und dann die fehlende argumentation: ein intellektuellen-trick, den man auf der uni, etwa auf der philosphischen fakultät lernt: nur jemand, der auf gewisse weise argumentiert (den man sofort widerlegen kann, und man kann jedes argument widerlegen, wenn man will, und sie tun das auch wann immer sie wollen oder es brauchen, weil sies können). kein mißverständnis: ich spreche mich nicht gegen argumente und belege aus. nur sind sie nicht die einzigen und einzig zuverlässigen kommunikationsinstrumente, das wissen sie als schriftsteller genau.
      sie polarisieren immer: entweder oder, wer nicht für mich ist ist gegen mich, wer nicht argumentiert ist ein waschlappen. damit verunmöglichen sie so manche fruchtbringende debatte mit menschen, die ihnen wirklich wohlgesonnen und zugetan sind, die auch ihr werk achten und lesen, ja weiterempfehlen, was nur am rand erwähnt sein soll, weil es ihnen wichtig ist. zu recht.

      2) weshalb ferromonte sie von ihrer kunsttheorie abzubringen versucht. akzeptiere ich es nicht oder kann ich es nicht akzeptieren, daß sie sich,
      ihr „ich“ ausschließlich über kunst defininiert haben und definieren?
      ich akzeptiere es, aber ich glaube es nicht.
      ich glaube: sie versuchen das, denn es scheint ihr lösungssansatz für das lebensproblem zu sein: sich eine persona zu schaffen, die es ihnen erspart, sich selbst primär als mensch zu sehen bzw. primär mensch zu sein, denn das würde sie – überfordern? jedenfalls wäre es voraussichtlich schwieriger für sie, als ANH zu sein. denn der kann sich rüpeleien und all das leisten, was viele „sozialwaschlappen“ an ihm (seiner person) kritisieren. denn er bezahlt mit seinem leben: seiner kunst. (das geniemodell aus dem 19. jahrhundert. seit dem dadaismus eigentlich tot. nicht in der wahrnehmung der rezipienten und bevölkerung: sie wollen die henne, die goldene eier legt, es beruhigt sie, wenn es aussergewöhnliches noch gibt, das erspart ihnen wiederum selbst leben zu müssen …)
      ich möchte mit ihnen über ganz alltägliche dinge reden: warum sie sich ärgern über den wicht wachowski etwa, der wohl nur aus neid seine häme schrieb, würde er doch gern selbst so ein buch schreiben. warum sie terpichsore so gründlich mißverstehen, warum sie mich immer mißverstehen, warum sie solche angst haben, ihr werk könne nicht groß sein und bestand haben, warum sie sich ins alte testament flüchten (jahwe wurde auch so leicht wütend, der krieg war dauernd präsent, hammurapi war auch da …)

      erst auf dem heimweg heute las ich ihren eintrag im arbeitsjournal von gestern um 10.16h: daß es ihnen ein bißchen weh tut, wie es mit terpsichore und mir wieder gelaufen ist und dann die erklärung. schön. so versteh ich sie besser. (ich glaube allerdings nicht, daß ihnen wohlgesonnene sie in den schoß der gemeinschaft zurückholen wollen: wir/ich wollen doch nur mit ihnen ohne krieg kommunizieren. ich bin selbst ein extremer aussenseiter, der immer am rand steht, seit dem 15 lebensjahr, und allein daher verstehe ich sie besser als sie glauben würden)
      nur als argument kann ichs nicht sehen, denn nicht nur der „schoß der gemeinschaft“ traumatisiert heranwachsende und erwachsene, auch und prinzipiell (mit methode und tradition) tun das die eliten. das ist nicht zu vergessen.
      die damals gemachten erfahrungen, als traumta festsitzend, vertiefen sich natürlich im lauf der jahre, weil sie im sinn einer self-fullfilling-prophecy arbeiten.
      es gibt kein nest, nur ihres. (eine familienphilosophie, die viele störungen und gemütskrankheiten auf dem gewissen hat: nachzulesen bei r.d. laing, wer das braucht) alles andere ist soziales bondage, zwangssystem etc . – und wieder die schwarz-weiß-übung, die polarisierung: nein, es gibt millionen zwischentöne, es gibt familien die offen und solidarisch sind im weitest menschlichen sinn, es gibt alles, was man sich vorstellen kann: an gutem wie schlechtem, in allen graden und ausformungen. es gibt sogar gute lehrer (ich glaub es ja selber oft kaum).
      man darf sie öffentlich arschloch nennen. das finde ich wieder interessant, weil ich mich frage: was bringt ihnen das?

      ich will sie nicht belehren. vielmehr von ihnen lernen, und das tu ich auch in nicht geringem ausmaß. dafür danke ich ihnen sehr, wie auch für den live-stromboli bericht, den ich mit genuß, freude und bewunderung gelesen habe (ich habe es selbst verabsäumt, mit meinem damals sieben/achtjährigen sohn etwas ähnliches zu machen – aus angst und dummheit.)
      ja, wirkliche autorität macht sich verwundbar. sie mimen aber mit verve den unverwundbaren krieger, lieber herbst.

    • Es beginnnen, lieber ferromonte, unsere Argumente sich jetzt im Kreis zu drehen. Deshalb möchte ich zu Ihrem langen Brief, für den ich mich bedanke, gar nicht eigen mehr schreiben. Er steht für sich und Ihre Haltung, wie meine Einlassungen für mich und die meine stehen; beides ist deutlich genug; mögen die Leser ihre Positionierung auf einer der Seiten – oder dazwischen – für sich selber finden. Dann wär es ja schon gut.

      Nur eine leise Frage, bezüglich der „>>>> Verwundbarkeit, hab ich denn doch: Finden Sie nicht, daß ich mich, der ich all dieses – anders als Sie, anders auch als Terpsichore – unter meinem Klarnamen publiziere und/oder publizieren lasse, nicht verwundbar genug mache? Grenzt nicht sogar, so aufgedeckt von Dingen und Umständen zu schreiben, die sowohl hochemotionaler Natur sind wie bisweilen auch im juristischen Sinn heikel werden könnten, an Existenzgefährung? Nein, das ist keine Klage, denn niemand zwingt mich. Doch wäre, bezüglich Ihres vorletzten Satzes, nicht ebendas als Rahmen mitzubedenken? Und was den letzten Satz anbelangt: Ich mime, wenn ich überhaupt ‚mime‘, den verwundeten Krieger. Daß ich verwundbar bin, wird nach wenigen Lektüreminuten in Der Dschungel jedem klar, der fühlen kann. Allerdings bin ich nicht zu beugen. Zu erschlagen, ja. Zu verstümmeln, ja. Aber nicht zu beugen.

    • ferromonte sagt:

      so gesehen ja, machen sie sich und sind sie verwundbar. und sind sie unendlich mutiger und ehrlicher als 1000e andere schriftsteller. (ich bin kein schriftsteller und mein pseudonym ist mein netzvehikel. sie kennen meine identität, nehme ich an, und ich verweigere keinem die auskunft (wenn er einen guten grund hat), aber ich behalte meinen klarnamen für mich. das finde ich auch nicht feige. edit: sie schreiben ja selbst unter „ANH“, wiewohl man schnell rausbekommt, wie ihr klarnamen lautet. und seit kurzer zeit steht im titel neben anh auch a.v.r.)
      ich meinte oben eine andere (un)verwundbarkeit, eine in gespräch/diskussion.
      weder ich noch etwa terpsichore wollen sie beugen. nicht mal der hämende wachowski.

      ernstgemeinte frage: finden sie es richtiger/redlicher/wichtig, mit dem echten namen zu schreiben, hier im web?

    • a. sagt:

      @ferromonte „nicht nur der ’schoß der gemeinschaft‘ traumatisiert heranwachsende und erwachsene, auch und prinzipiell (mit methode und tradition) tun das die eliten. das ist nicht zu vergessen.“

      Was verstehen Sie hier unter „Eliten“, ferromonte? Und wie sieht deren traumatisierende Methode und Tradition aus?

    • ELITEN. @ a und ferromonte. M e i n Eindruck steht ferromontes sogar diametral entgegen: Eliten tendieren dazu, andere mögliche Elite zu fördern, was das Zeug hält, und zwar ganz unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sogar von Ideologie, bzw. Religion. Sie schauen besonders auf L e i s t u n g, fragen da freilich nicht, wieso sie hier und anderswo nicht zustandekam. Sozial Engagierte sind in der Hinsicht anders: sie fragen. Was gerechter ist, ganz sicher, aber letztlich zu einer Nivellierung des Bildungsniveaus führt – ähnlich, wie ich im Hotel auf Stromboli morgens einen ausgesprochen guten latte macchiato bekam, solange mein Junge und ich dort die einzigen Gäste waren. Dann reiste eine große Reisegruppe hinzu, und vorbei war’s mit dem besonderen Genuß. Das galt sogar ganz genau so für den Kakao meines Jungen. Nicht anders ist es mit Bildungsangeboten und ihrer Ausstattung.
      Was die ideologische Toleranz der Eliten anbelangt, kann ich immer nur auf meinen schon oft hier genannten jesuitischen Lehrer am Abendgymnasmium verweisen. Meine Haltung gegenüber dem Monotheismus und da ganz speziell dem Christentum ist bekannt und war es auch schon damals. Das scherte ihn – in diesem Zusammenhang darf ich schreiben,: – ‚den Teufel‘. Solange ich – und er war h a r t in seinen Befragungen und Forderungen – gut argumentierte, gab er mir meine Einsen; ließ ich nur einmal nach (ich glaube, Erschöpfungen bei Menschen waren ihm körperlich unangenehm – er schätzte es bei mir, daß ich auch bei hohem Fieber zum Unterricht kam), schlug die Zensurfaust zu. Mir gefällt so etwas, weil es k l a r ist, die Positionen und Hörner zeigt und man sich darauf einstellen und entsprechend verhalten kann. An der Börse war es übrigens ähnlich: solang ich die nötige Leistung erbrachte – production im Kapitalismus genannt -, ließ man mich im übrigen, wenn auch sehr knirschend, gewähren.

    • ferromonte sagt:

      ich hatte – in einer schweren jugendkrise- auch einen jesuitenpater als freund/lehrer – nicht an meiner schule (leider!), sondern er war in der mission, professor an der universtät von taipeh/taiwan (kath. theologie). er hielt an unserer miesen schule einen vortrag über china (untertitel: gelbe gefahr – rote gefahr), in dem er im umriß die polit/ökonimoische/soziale entwickung chinas sowie taiwans seit chiang kai scheck darstellte. seine offene, geistvolle und einfache art beeindruckte mich zutiefst; natürlich hing ich mich sofort an ihn, um ihm meine ureigenen probleme darzustellen, denn ich hatte sofort grenzenloses vertrauen zu ihm; und ich wurde nicht enttäuscht. bislang hatte ich mit jesuiten nichts zu tun gehabt, der mann aber vereinigte in sich das potential mehrerer ganzer lehrkörper von schulen der art, wie ich sie besuchen musste.
      ein anderer jesuitenpater nutzte die psychische not eines bekannten von mir aus, indem er ihn animierte, für eines seiner sozialen projekte in einem ehemaligen ostblockland zu arbeiten. der junge mann geriet durch die maßlose überforderung, der er ausgesetzt war, in eine noch heftigere krise, die schließlich in einer art religiösem wahn endete, allerdings sozial rel. angepasst, also nur für genau hinsehende auffällig. das interessierte abe den charismatischen pater wenig, ihm ging es um sein projekt und die arbeit/leistung, die zu erbringen war, nicht um den jungen menschen, der selbst in not war.
      das, um zwei gegensätzliche beispiele anzuführen, was elitäre kräfte können. (jesuiten, um bei der gattung zu bleiben, auf die sie sich berufen.) ich habe nichts gegen eliten bzw. nicht mehr und nicht weniger, als ich was gegen massenausbildungsstätten und deren methoden habe. beiden haben ihre vor- und nachteile.
      man kann junge menschen mit leistung/lohn ködern (und sie mit unterforderung und laschheit quälen/auf schwachsinnige wege bringen), sie prägen. vielen mag das entgegenkommen, auch deshalb, weil es klare vorgaben hat, denen man entsprechen kann oder eben nicht. wenn die leistungsforderung allerdings so gering ist, daß man vor langeweile zum existenzphilosophen wird, hat das eine eigene qualität (ironisch). für einen intelligenten menschen sind beide theoretisch gangbar, praktisch aber der eliteweg nur für den reichen jungen. oder den jungen intelligenten, der der kälte und abwesenheit seiner herkunftsfamilie (die aber genug finanzielle mittel hat) entfliehen will und in eine andere gruppe eintritt, die ihm mehr familie sein kann, als die eigenen eltern. hart aber gut, man ist dann sehr dankbar später. oft gehört, mir oft erzählt worden.
      mich hätten keine zehn rösser in ein internat dieser art gebracht, mir ging es daheim viel zu gut. ich musste nicht viel leisten in der schule und konnte meine abende verlesen, eine kanne tee neben mir und manchmal eine tafel schokolade. lesen! damals gabs noch keine pcs, und meine eltern verweigerten das TV. lesen! und musik. ich sah die schwächen der schule genau, wollte aber keinesfalls in eine härtere schule. vielleicht wäre das anders gewesen, hätte ich ein kaltes und brutales elternhaus gehabt.
      da ist noch hesses „unterm rad“. überhaupt der mensch hesse, der uns viel erzählt zu dem thema. zuletzt auch sein „glasperlenspiel“, wo das thema elite und individuum eine zentrale rolle spielt. hesse geht immer vom differenzierten individuum aus, das sich keinen strengen regeln unterwerfen kann, und wenn, dann nur für kurze zeit. das kam meinem eigenen wesen immer sehr entgegen. wir sind eben alle sehr verschieden … (sie finden das jetzt alles zum kotzen, herbst, nehme ich an :-))

      edit: etwas anderes sind eliteschulen, in die reiche und mächtige ihren nachwuchs stecken, um sie auf ihr erbe und ihre rolle im spiel vorzubereiten. das lehne ich grundlegend ab, weil es mittelalterlich/feudal ist. sie (und montgelas) dürften das naturgemäß anders sehen, wenn ich an >>> diese zeilen denke, die ich gestern mit erstaunen gelesen hatte ..

    • Eliteschulen, „in denen reiche und mächtige ihren nachwuchs stecken“… @ferromonte. Sehen Sie, vielleicht habe ja gerade i c h kein Vorurteil. Es gibt >>>> eine Eliteschule, auf die ich meinen Jungen später gerne gäbe und für die ich wahrscheinlich niemals Geld haben werde. Zweimal fuhr ich hin, erkundigte mich, sprach mit Kennern. Es gibt da neben der öffentlichen Förderung offenbar noch so etwas wie einen Elite-Kommunismus. Wenn ein Kind die geforderten Leistungen bringt (etwa muß es außer summa-cum-laude-Noten ein Instrument spielen können, um aufgenommen zu werden) und wenn die Eltern gar kein Schulgeld nicht bezahlen können, dann übernimmt die Gemeinschaft der Schuleltern die Kosten. Mitnichten geht es also nur darum, eigenen Nachwuchs zu strecken… das mag a u c h der Fall sein; die Priorität liegt jedoch ganz offenbar auf etwas völlig anderem.

    • Bruno Lampe sagt:

      @ferromonte
      Ich bitte Sie um Verzeihung, wenn ich jetzt in den Eigen-Erzählstrang mich einmische. Es ist dieser Passus, der mich schreiben läßt:
      für einen intelligenten menschen sind beide theoretisch gangbar, praktisch aber der eliteweg nur für den reichen jungen. oder den jungen intelligenten, der der kälte und abwesenheit seiner herkunftsfamilie (die aber genug finanzielle mittel hat) entfliehen will und in eine andere gruppe eintritt, die ihm mehr familie sein kann, als die eigenen eltern. hart aber gut, man ist dann sehr dankbar später. oft gehört, mir oft erzählt worden.
      Insbesondere der „reiche junge“. Der nicht identisch ist mit dem „jungen intelligenten“. Sie setzen da ein „oder“. Ich lasse auch die Herkunftsfamilie beiseite, auch wenn da viel zu sagen wäre. Was aber ist Elite: das Geld oder die Intelligenz? Wahrscheinlich eher das Geld. Erzählen will ich eigentlich von einer Freundschaft. Auf beiden Seiten Intelligenz. Auf der einen Seite aber der finanzielle Hintergrund einer reichen Familie und die Nicht-Notwendigkeit, arbeiten zu müssen. Auf der anderen (meiner) Seite der Hintergrund ökonomisch dürftiger Verhältnisse. Zwar Intelligenz, aber konditioniert durch diese schon sozial prägende Herkunft. Dem Freund war stets sein Ich sein Mittelpunkt, während ich Mühe hatte, mich diesem Zentrierenden, dieser Zentrifuge zu entziehen. Dennoch habe ich den Freund deshalb nie kritisiert. Ich habe ihn gelten lassen. Wobei ich in mir selbst kämpfte: gegen den Neid, gegen sein Ich-Sein, gegen mein Nicht-Ich-Sein. Herkunft erzeugt auch Minderwertigkeitskomplexe. Die Freundschaft hat dennoch gehalten, der Freund arbeitet immer noch nicht, auch wenn ihm die Familie nur 1000 Euro im Monat bewilligt: Er fügt sich drein, wenn auch schwer. Wichtig ist das nicht. Wichtig ist dabei die Geste, den Anderen gelten zu lassen, und sich selbst auch in diesem Gelten-Lassen sich geltend einzubringen. Jedenfalls ist dies die festeste Freundschaft geworden, die ich habe. Bei allen grundlegenden sozialen Unterschieden, die auch charakterformend sind, aber unsere Kommunikation hat eine bessere Ebene erreicht. Man muß nur auf den Geist hören, der sich äußert, nicht auf die Nebentöne, die scheinbar falsch gestimmten Instrumenten entspringen. Sich einlassen und die Fehler des Anderen als Möglichkeiten des eigenen Selbst annehmen.
      All das geht jetzt gar nicht auf Ihre Einzelheiten ein. Wollte es auch nicht. Ihre Einzelheiten waren nur zum Teil ausschlaggebend, um dennoch in Ihren Kreis einzutreten, den sie nicht verlassen.
      Treten Sie ein in das Elysium, das sich nach dem „O Freunde, nicht diese Töne“ öffnet. Und seien Sie Leser und Äußerer, wobei Sie sich selbst äußern sollten, ohne sich an den Grenzen zu stoßen, die ein Jeder hat. Grenzen erzeugen nun mal Konflikte.

    • ferromonte sagt:

      lieber herr lampe, da kann ich ihnen leicht zustimmen: Man muß nur auf den Geist hören, der sich äußert, nicht auf die Nebentöne, die scheinbar falsch gestimmten Instrumenten entspringen. Sich einlassen und die Fehler des Anderen als Möglichkeiten des eigenen Selbst annehmen. wissen sie, das ist eine hohe kunst. wir sind ja schnell angerührt und fühlen uns geschlagen, nur wenn jemand (gerade jemand, den wir sehr schätzen) heftig wird. ich bin da ein schüler diese kunst, und werde noch einige übung brauchen, aber prinzipiell seh ich schon die aufgabe.
      haben sie dank für ihre reaktion.

      @herbst: die schule scheint einen versuch wert zu sein. und der betrag ist nicht utopisch. ich wünsch ihnen sehr, daß sie das wirklch machen können, auch und vor allem für ihren tapferen sohn, denn kein mensch hat es verdient, so einen mist zu erleben wie ich es erlebt habe und leider auch mein sohn, auf dessen leben ich zu wenig einfluß habe, erleben muß. mit seinen fünfzehn jahren hat er eine abneigung gegen die schule, die mich an mich selber erinnert, weshalb ich ihn auch nur zu gut verstehe. meine motivationsversuche bleiben wahrscheinlich wenig überzeugend, aber soviel will er doch, daß er seine matura macht.
      wenn „die gemeinschaft der schuleltern“ die kosten übernimmt, ist das ein starkes zeichen von bzw. argument für s o z i a l e s engagement, oder? *lächel*

      edit: ein ehemaliges zisterzienserkloster? haben sie da keine abwehrreflexe? im ernst: wie stark ist der katholische einfluß dort, haben sie schon ein bild davon?

    • a. sagt:

      @Bruno Lampe Was für ein schöner Beitrag!

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