„Dichter und Hackers sind Komplizen“. Dritte Heidelberger Vorlesung (6). Mitten aus dem Text.


Im Monotheismus ist das Wort von Anfang an als entkörperter Fetisch gedacht; nur blieb das Buch als Ding sein Leib. Man kann sagen, daß sich das Buch selbst abschafft, weil die Konzentration von den Dingen weg auf das Wort ging, weil das Wort Geist sein soll und das Buch es daran hindert, es also am Material festhält und seine Himmelfahrt nicht erlaubt. Genau deshalb halte ich, neben meiner Netzarbeit, an dem Buch fest. Überhaupt jetzt erst, da er zu zerfallen droht, wird dieser Leib deutlich. Denn das Wort selbst erfüllt sich ja viel mehr im Netz als im Buch, auch wenn das Buch symbolisch fürs Wort nach wie vor mehr als das Netz zu stehen scheint. Aber noch hat das Netz kein Ideologem, das sich für einen Tempel eignete. Es ist eine wohltuende naive Schwäche des Wortes, daß es sich noch am Vertrauten lieber festhält, als in die ihm viel mehr entsprechende Sphä­re einzugehen, und daß deshalb Leute wie ich eine Chance haben, sie vorher mit den Dämonen anzufüllen, die der Monotheismus längst besiegt zu haben glaubte.

Über Alban Nikolai Herbst

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28 Antworten zu „Dichter und Hackers sind Komplizen“. Dritte Heidelberger Vorlesung (6). Mitten aus dem Text.

  1. Aikmaier sagt:

    Leib Christi – entkörpert, verwörtlicht „Im Monotheismus ist das Wort von Anfang an als entkörperter Fetisch gedacht“

    dieser umstand zeigt sich schlagend an einer der wichtigsten und literarisch wie bildkünstlerisch einflußreichsten szenen christlicher überlieferung: der ersten begegnung des auferstandenen christus mit maria magdalena. als sie ihn erkennt und berühren will, spricht er, das wissen auch atheisten: „noli me tangere“. die pointe dieses satzes liegt (wenn wir mal alle fragen nach dem „originalen“ wortlaut im griechischen/aramäischen etc. beiseite lassen) im „noli“. darin steckt nämlich nicht nur der simple imperativ „rühr‘ mich nicht an“, sondern auch die wörtlichere bedeutung des nicht-wollens: „wünsche nicht, mich an zu greifen (hier bitte die neue rechtschreibung verdrängen).“ anders gesagt: sogar der leib christi ist an der stelle, wo seine physische präsenz für die wahrheit des heilsgeschehens eminent wichtig ist, ent-körpert. auf die physis kommt es nicht an.
    daher komentiert der honigfließende bernhard 1200 jahre später ganz in diesem sinne: „Mach dich frei von dieser verführbaren Sinneswahrnehmung, verlaß dich auf das Wort, gewöhne dich an den Glauben.“ (wer mag, möge es hier (28,9) nachlesen)
    daher nimmt magdalena eben kein pfand zum beweis der „wahrheit“ mit, keinen pergamentfetzen mit der frohen botschaft von der hand des meisters, sondern bekommt das wort mit auf den weg, in dem der leib aufgehoben (d.h. zugleich erhöht, beseitigt und konserviert) sein soll. – dass es dann immer „ungläubige“ thomen gibt, die nicht zufrieden sind, wenn sie nicht in wunden bohren können, ist wieder ein anderer aspekt.

    „nur blieb das Buch als Ding sein Leib. Man kann sagen, daß sich das Buch selbst abschafft, weil die Konzentration von den Dingen weg auf das Wort ging, weil das Wort Geist sein soll und das Buch es daran hindert, es also am Material festhält und seine Himmelfahrt nicht erlaubt“

    allerdings ein problem, das sich auch vor dem christentum schon massiv stellte, siehe platons ‚phaidros‘.
    dennoch verschärft es sich bei christlichen denkern hier und da. so hatte augustinus zu beginn von „de doctrina christiana“ massive probleme, an der verbalinspiration seiner schrift, also dem notwendig körperlosen, um so geistigerem wort gottes, festzuhalten und gleichzeitig sein projekt eines lehrbuchs zu rechtfertigen.

    „Denn das Wort selbst erfüllt sich ja viel mehr im Netz als im Buch, auch wenn das Buch symbolisch fürs Wort nach wie vor mehr als das Netz zu stehen scheint.“

    man beachte den monotheistischen jargon, wenn „das wort sich erfüllt“!

    „Aber noch hat das Netz kein Ideologem, das sich für einen Tempel eignete.“

    man könnte demnach spekulieren, daß sich das oben beschriebene wiederholt, sobald sich eine netz-religion ausreichend stark formiert hat. (wovon übrigens schon einiges zu AHNEN ist.) doch vielleicht wäre es keien wiederholung, sondern eine spiralbewegung, wie sie ANH uns als kybernetischen teil des realismus nahebringt?

    „Es ist eine wohltuende naive Schwäche des Wortes, daß es sich noch am Vertrauten lieber festhält, als in die ihm viel mehr entsprechende Sphäre einzugehen“

    oder: verweigert sich das wort der bequemlichkeit einer „ihm viel mehr entsprechenden“ umgebung, um nicht in ihr zu verfetten und (wie das buch vor ihm?) zu zerfallen?

    • peer dhu sagt:

      alle achtung der bildung.
      kleine pers. zusatzbemerkung

      Das wort gottes ist schon körperlos transmittiert,
      das wort ( die materialität des … ) ist selbst (teil)körper in den netzen der textkörper.
      Aus der materialität der worte selbst entfaltet sich psycho-physische wirkung
      von ens- bis extase ( z.b. ) vor, auch abgetrennt den konnotationen.
      Ansonsten verweist der netzgedanke auf heterarchie.

      ( Wie das wort hier allerdings verfetten kann ?
      Eher schon in der es umgebenden textur, die aber hier ständig in bewegung ist
      und aus sich heraus kommunikativen sinn darstellt. )
      Der regulative umgang erwächst aus der empathie, die widerum wohl als willens –
      ( trainings – ) und gefühlsakt aufzufassen wäre – ?
      Erst innerhalb der information erkennen wir den, das andere woauchimmerwie
      ( absurd verhindert, womöglich konsternierend lethal )

    • Aikmaier sagt:

      @peer dhu bildung hin oder her – ich habe nicht alle implikationen dieser „pers. zusatzbemerkung“ verstanden. wenn dhu gestattest, möchte ich hier (nachfragend) interlineieren:

      „Das wort gottes ist schon körperlos transmittiert,“

      ja, die pointe an jesus ist nur: „das wort ward fleisch“. doch: im moment der auferstehung, wo also seine fleischlichkeit besonders wichtig, wird sie – wort!

      „entfaltet sich psycho-physische wirkung / von ens- bis extase ( z.b. ) vor, auch abgetrennt den konnotationen.“

      hm… ist ekstase, mystische etwa, nicht dadurch charakterisiert, dass sie eben durch worte nicht auszudrücken, sondern nur annäherungsweise, sprich in paradoxa, antithesen &c., zu „um“schreiben ist (hier bitte wörtlich im sinne einer verbalen umgehungsstrasse zu verstehen)?

      „heterarchie“

      ??? (scheint mir, zuende gedacht, ein widerspruch in sich zu sein)

      „textur, die aber hier ständig in bewegung ist / und aus sich heraus kommunikativen sinn darstellt“

      tatsächlich? sind für kommunikativen sinn nicht nach wie vor leser notwendige bedingung, im netz wie vorm buch, unabhängig davon, ob die textur in bewegung sei oder nicht? oder liegt die betonung auf „sinn DARSTELLT“ (was ich performativ verstünde, dann aber nicht begreife)?

      empathie als zusammenspiel von wille, gefühl und training (an, mit und in worten): besser kann man’s nicht beschreiben. doch trifft empahtie angesichts gottes oder jedes transzendenten an seine grenze. daher:

      „Erst innerhalb der information erkennen wir den, das andere / woauchimmerwie“

      doch vielmehr außerhalb dessen, was sich am anderen zusammen mit der information mitteilt: d o r t ist eben das andere im emphatischen sinn, oder?

      [nb: dhein „widerum“ ist ein schönes ethym: es enthält gleichermassen wiederholung und entgegensetzung. also: nicht wiederkehr des gleichen, sondern des ganz anderen. :)]

    • @Aikmaier. [Sofern es nicht ein — Tippfehler ist.]

    • peer dhu sagt:

      überrascht mein interesse grad was.
      zu der jesusfigur „das wort ward fleisch“ muss ich ignoranterweise passen, verstehe
      jetzt aber ihre anfangssequenz, danke.
      die psychophysiche wirkung _ war nur so gemeint, dass das wort aus seiner materialität eine gewisse gefühlsmässig konnotierbare (selbst)repräsentanz besitzt (die sich natürlich desweiteren in syntaktische modulatorik mitprägend einschreibt).
      heterarchie als zusammenschaltung ohne grossartigen hauptordnungsgedanken,
      der server in dem fall die(se) site wäre als zentrale sammelstelle halt sowas wie
      ein viell. übergeordneter knoten innerhalb aber wiederum des netzes …
      bezog sich auf eine mögliche verfettung eines wortes die ja eher aus der satzumgebung des wortes auf + in das wort konnotativ zurückgeworfen wäre, ansonsten scheint mir wortverfettung irgendwie nicht möglich .
      aus der bewegung heraus sinn darstellt, der sich aber durch regulative vorstellungen möglicher teilnehmer garantiert multipolar, selbst im moment der identifizierung eben auch als anders gesagt (gleich)es dann aber auch wieder in bewegung hält und eine verfettung eines wortes somit eher verhindert..
      den rest muss ich nochmal etwas gründlicher anschauen –
      bis denn also und danke für ihre meinen bildungsrahmen ersteinmal sprengende
      response, die einen gründlichkeitsanspruch echt schön & nett vorauswirft
      dhu

    • peer dhu sagt:

      stell grad noch fest, dass ich selbst immer etwas abschweifig bin.
      vorangestellt war wohl der gedanke, das der leib des wortes das buch ist.
      nun könnte man/frau allerdings noch etwas weiter gehen und sagen, der leib
      des wortes ist der leib des sprechenden.
      das wort hat sich aber dem doch längst emanzipiert und steht im zusammenhang eher
      als isoliert stellvertretend für einen schon dem wort mächtigen sprecher
      ( buchverfasser ), der imaginativ bekannt ( also konnotierbar ) ist.
      es befindet sich hierin innerhalb hierarchischer gepflogenheiten.
      nichtsdestoweniger führt das wort ein eigenleben, das sich vielleicht aber erst
      innerhalb der jeweils aufgelegten syntax offembart und auf körperlichkeit wirkt.
      ( analog der musik )
      ein wirklich spannendes thema.
      beiss mir grad fast in den arsch, dass ich mich bislang nicht etwas dezidierter damit beschäftigte.

    • peer dhu sagt:

      neologismen sind vielleicht beschäftigungsmassnahmen, zeitvorsprungs – &ablenkungsmanöver, machterhaltungsprothesen…
      und trotzdem können sie hinsichtlich sprachmodulatorik, also wortinnenräumigkeit, erweiterte empathieträger sein und auf ganz anderes als vorangedachtes verweisen.
      so bände man sich in einer aus paradoxalem heraus stattfindenden organischen
      binnenstruktur ?
      ( des wortes nach wohinauchimmer : )
      frage

    • peer dhu sagt:

      natürlich müssen wir gelegentlich auch was essen :
      interessant aber der theoretisch vorausspringende motivationale aspekt, insbesondere sprachrythmisch
      in körperschein ( nicht augen- oder eher ohren – )
      singsangsangsing
      trotzdem ihre bildung und correctness hätt ich gern ( ohne neid )
      bleibt ja eh unter uns rubriziert und schön eigen.
      das dhu – deskriptiv.

    • peer dhu sagt:

      was üüübrig -sissi hör hier grad übrigens brainticket – old school.
      seh sie retrospektiv an einer pfeife etwas humoristisch einschlägig / – schlagend
      über was auch immer gebeugt _
      die halbheit der körperlichkeit nicht als ekelschau empfunden
      eher als verschwiegenes mitleidig-interessiertauffassbares connaiseurtum.
      les chats de maldoror wurde als wohl verknappte herauslese ( ähmaua ) in paris 12. jänner diesen jahres uraufgeführt ( philipp maintz … )

    • peer dhu sagt:

      dschungelspiralbewegung doppelhelix signifizierend ohne / ist -bitte das verzerrtangegebene wort an : main ? den text noch vor mir, verzeihn sie meine nun irreversible komlettabschweifung.
      vielleicht tanzen worte manchmal einen ganz solipstisch einsamen tanz ( oder auch nicht )
      werd mich also etwas auf ihre originaleinlassung einlassen.
      versprochen.
      wort unter männern.

      Herbie verdiente genug, und sie nahmen eine kleine wohnung weit oben in manhattan.

      Das esszimmer war in spanisch-kolonial, die hängelampe in der mitte hatte eine

      Leberbraune glaskuppel; im wohnzimmer standen eine polstergarnitur und ein farn

      Und hing eine reproduktion von henners „magdalene“ mit den roten haaren und den

      Blauen gewändern; das schlafzimmer war in emailgrau und altrosa, herbies foto stand

      Auf hazel’s toilettentisch und das von hazel auf herbie’s kommode.

      Dorothy parker

    • Aikmaier sagt:

      @ ANH und Tippfehler auf die gefahr, eulen nach athen bzw. zettel in den kasten zu tragen:
      es ist selbst für Arno Schmidt-anhänger schwierig, etyme von tippfehlern zu unterscheiden, zumal in beiden gleichermaßen die unbewußt-verschobene nebenbedeutung(en) eines wortes aufscheinen, sei es intentional gesetzt oder nicht (wobei letzteres vielleicht für analytiker der spannendere fall ist.)
      in ASs typoskripten selbst ist die unterscheidung von etymisierender (ver)schreibweise und tippfehlern problematisch (dazu z.b. Damaschke ).

      zwei beispiele aus der dschungel:
      1. Sie nennen in Ihren bemerkungen zu „perfect stranger“ ( hier ) die hauptdarstellerin halle berry ausnahmslos „halle beLLy. ein tippfehler? – oder ein etym, das darauf hindeutet, welchen körperteil der, in diesem film tatsächlich mehr körperlich als geistig-charakterlich anwesenden, dame Ihr hauptaugenmerk auf sich zog? (achtung! westentaschen-psychologie! würde Sie übrigens in ein interessantes gegenlicht zu manchen Ihrer figuren und deren fixierung auf frauen-rücken setzen).

      2. in meiner obigen anmekung habe ich statt etym „ethym“ geschrieben. ein tippfehler? – oder seinerseits ein etym, das zeigt, wie ich unterbewußt der ursächlichen polyvalenz jedes wortes ein ethisches korsett verpassen wollte? hm…

    • Aikmaier sagt:

      @ peer dhu jede abschweifung und ausschweifung ist willkommen.
      zunächst: dank für den parker-text, den ich nicht kenne. wird retrospektiv in der magdalenen-mappe archiviert (…zufrieden an der pfeife ziehend).
      was mit heterarchie gemeint ist, wurde mir nun auch klarer.

      „nichtsdestoweniger führt das wort ein eigenleben, das sich vielleicht aber erst / innerhalb der jeweils aufgelegten syntax offembart“

      fängt das eigen-leben des wortes nicht da an, wo es gerade von der „aufgelegten“ (nett. assoziiere sprach-dj) syntax und jeder semantischen festlegung befreit ist? – also: seiner materialität, die auf die völlige willkür der bedeutungszueisung hinweist?

      „und auf körperlichkeit wirkt.“

      erinnert mich an einen freund, der des russischen nicht mächtig ist, aber die buchstaben und ihre aussprache gelernt. der liest jetzt russische wörter ohne sie zu verstehen, also ohne syntax, semantik &c., empfindet lediglich an ihrem sinnlichen, also köprerlichen wirken, vergnügen.

      neologismen als „machterhaltungsprothesen“ mit subversivem potential: da spannt sich das weite netz(!) politischen sprachgebrauchs auf, wobei gerade der hinweis auf die innere subversive kraft vermeintlich festgefügter sprache manches problem (etwa das um den armen Rattenfänger ) in neuem licht erscheinen lassen könnte.

      „so bände man sich in einer aus paradoxalem heraus stattfindenden organischen / binnenstruktur ?“

      so würde ich das sehen. denn: ein wort „weiß“ immer mehr als sein sprecher, wie auch ein text immer mehr „weiß“ als sein autor (auch wenn ANH das womöglich nicht gerne hört ;)).

      schließlich: dheine entyme (2)

      „les chats de maldoror“ – also Lautréamont und katzen zugeneigt?

    • peer dhu sagt:

      war was krank / virus fängt das eigen-leben des wortes nicht da an, wo es gerade von der „aufgelegten“ syntax und jeder semantischen festlegung befreit ist? – also:

      seiner materialität, die auf die völlige willkür der bedeutungszuweisung hinweist?

      Hört sich sehr gut an, yes o.k. :
      Die völlige willkür der bedeutungszuweisung –
      Genau : wie wir da immer wie idioten aussehen

      Ein wort weiss immer mehr als sein sprecher, wie auch ein text immer mehr weiss
      Als sein autor.

      exactalmente.
      Soviel muss man sich wert sein.

      Weiss aber auch immer nicht so recht was da der alte und sein sohn, den wir ja stets auch
      Noch kannibalistisch zu traktieren haben zu suchen hat.
      Im kommunismus wie auch im paradies sind alle gleich.
      Und chats de maldoror iss vertippt gewesen , nat. chants de m.

      Gruesse
      dhu

    • Aikmaier sagt:

      @ peer dhu zu vater und sohn nun ja, der alte und sein sohn bilden eben eine ausprägung des von ANH immer wieder zitierten und verschiedentlich verwendeten monotheismus. der ist insofern wichtig, als es sich bei den monotheistischen eben um buch-religionen handelt, in denen das wort prominent das wort gottes ist! hier stellt sich nun ein problem: wenn das wort immer mehr weiß als sein sprecher, was geschieht, wenn dieser sprecher gott und angeblich allwissend ist? noch komplizierter wird es, wenn sich, wie im islam, göttliche autorität sogar auf die schriftlich fixierte form dieses wortes ausdehnt.
      über den sohn als fleischgewordenes wort, das eben im entscheidenden moment wieder „nur“ wort ist, haben wir ja oben schon gesprochen

      „Im kommunismus wie auch im paradies sind alle gleich.“

      tja, dumm nur, daß vor der pforte des paradieses der engel und vor den toren des kommunismus der dschugaschwili steht. 😉

      übrigens kann man von der gleichheit perfekt auf die DEBATTTE ÜBER SCHÖNHEIT linken: schönheit ist auch undemokratisch, weil sie der angeblichen geburtsmäßigen chancengleichheit (die dem sozial- und wohlfühlstaat so teuer ist) als körperliche schönheit einen entschiedenen strich durch die rechnung macht!

    • Ecco! [Dasselbe gilt für Gesundheit & Krankheit und, sowieso, für den Zeitpunkt des Todes.]

  2. Aikmaier sagt:

    monotheismus und körperliche schönheit in anderer hinsicht ist die beziehung von wort und körper unter den vorzeichen des monotheismuss komplizierter: das in allen monotheismen gängige bilderverbot zielt eben darauf, dasjenige, was als körperlich schönstes zu denken ist, das göttliche, zu ent-körpern.
    im islam, der nahezu jede bildliche und figurative darstellung im sakralen raum eliminiert hat, geschieht nun etwas spannendes: die nicht direkt darzustellende schönheit geht in die schrift über, in eine kalligraphie, die ornamentales einschließt, bisweilen selbst nicht mehr von jenem unterschieden werden kann. plötzlich begegnet die unaussprechliche schönheit gottes in SEINEM NAMEN (näheres zu diesem blatt hier); ist der körper in der schrift aufgehoben! freilich bleibt diese form der konservierung auf das aktuale wort, das eben kaligraphiert ist, beschränkt. ob ein virtuelles wort solches wird leisten können?

    • peer dhu sagt:

      Ja also kalligraphie ist doch schon direkt visualisierend ?
      Schriftschönheit ?
      Kann ja echt catchy sein, aber auch chinesisch.
      Und kann von einer möglichen synästhetischen konnotation der wortmaterialität
      mächtig ablenken.
      ( kann ja schön aussehen aber später dämlich klingen, z.b. – muss nicht, kann )
      warum sollte das strafende göttliche höllengericht mit schönheit konnotiert sein ?
      ähm, versteh ich nicht.
      Verbindet man strafe mit schönheit ?
      WER ?
      Peer vers-hhh ?
      Schönheit ist doch eher das gegenteil von strafe.
      Kalligrafie ist bestimmt nicht die einzige erscheinungsfporm von was schönem,
      genauso wie ein menschlicher körper sie nicht ausschliesslich ist.
      Es gibt aber (kunst)objekte, die in jeder landschaft von ner eiswüste bis zu ner südseeinsel schön sind.
      Vielleicht auch melodien.
      Oder worte.
      Eine fantasmagorie ?
      Das war doch die frage, wie so etwas möglich sein könnte innerhalb der unterschiedlichsten
      Kulturellen und klimatisch beeinflussten sozialisationen.
      Da wird aber was absolut religionfrei, präsumiert.
      Religion war doch immer ein herrschaftsinstrument innerhalb von weltreligiositäten.
      Und dementsprechend unrein.
      Naja.
      Dhu.

    • peer dhu sagt:

      Möchte eigentlich nicht wissen, wie islami unter ihrer kalligraphie
      Oder ihrem musikalischen tonalitätsgebrauch leiden.
      Die frage warum auch sie übereinander herfallen können ist für mich
      insofern absolut ungeklärt.
      ( vielleicht steckt ja in ihrer kalligrafie ein teil des kombattanten potentials
      oder in der rythmik oder tonalität ihrer musik : oder im klang ihrer instrumente ? )
      Als europäer steckt für mich in der verwendung von dur und molltonalität
      Bestimmt noch kein grundsätzlich harmonischer gedanke, garantiert eben auch eine „gute“ portion grausamkeit, die vielleicht einfach nur was zügiger zuwege ist als ne phrygische z.b. also mit der kleinen sekunde als erstem schritt.
      Für uns, die wir die schrift nicht kennen siehts ja erstmal nur gut aus, nicht ?
      Aber ist man dem ein leben lang ausgesetzt, so wird mans mitunter anders sehen.
      Also da fängt für mich das rätseln an.
      ( auch über die gewalttätigkeit der westlichen kultur )
      und alleine daran könnten schon die guten gedanken scheitern.
      Das wäre für mich auch eschatologisches fragen.
      Wo ich keinen gott erstmal brauch.
      Nur diese weltweite hilflosigkeit sehe.
      naja.

    • peer dhu sagt:

      Die strafe ist wahrscheinlich zuvörderst die einsamkeit innerhalb subsistenzerhaltender
      Funktionalität.
      Das sich hier zwangsläufig aus dem weg gehen müssen.
      Nun ich sagte dies bereits, nimmt uns da die maschine schon was ab.
      So dekonstruieren sich auch ehedem harte strafgedanken.

      Frl. gerstäcker :

      „ Ihr wisst, dass ich als alte flower-power-space-vertreterin S/M für mich persönlich nicht gutheisse – es ist für mich seit jahr und tag nur eine reproduktion hierarchischer rollenstrukturen ( ob spiel oder nicht, darüber gab’s für mich nie ’ne diskussion. )

      Natürlich geht es nur noch um die verpackung, den stil /die stile, vielleicht ginge es aber auch um eine form von kurzweiligkeit, von schöner zwanglosigkeit – von mehr ?
      Letztenendes wäre hier in bezug auf S/M halt ein gewisses gegenteil auszumachen, nämlich eines von streng auseinanderklappenden verhaltensformen in macht und unterwerfung – dem reduzierten abklatsch eines pessimistischen realitätenwahns, mit dem man halt vor allem reibach machte, und den man aus historisch-politischen ärmeln schüttelte.
      ( wahrscheinlich den heillos veraltet-musealen maschinen, den prototypen )
      Warum sollte man aber nach lockerer verbindlichkeit in texturen suchen ?
      Aus liebe zum menschen ? “

    • Aikmaier sagt:

      @ peer dhu zu strafen nun, das strafende höllengericht hast dhu hier assoziiert. mir ging es darum nicht, denn jenes ist in der tat nur schwer mit schönheit zusammenzubringen, sondern um die schönheit, die dem göttlichen im monotheismus (und auch manchem polytheismus) in der regel zugeschrieben wird, um die schon anderswo erwähnte unübersteigabre grenze zwischen menschlichem und göttlichem zu erfassen.
      ferner um die spannung, in die selbige durch das monotheistische bilderverbot gesetzt wird: wie schönheit ein etwas ausweisen, das nicht dargestellt werden darf?? – daß dann diese notwendige schönheit eben in die form der verschriftlichung, etwa des namens. übergeht. (und all dies auch nur als synkretistische assoziation zu ANHs sterben der schriftkultur.)

      „Religion war doch immer ein herrschaftsinstrument innerhalb von weltreligiositäten.
      Und dementsprechend unrein.“

      das scheint mir nur die perspektive „von oben zu sein“, agnostisch verbrämt. wie steht es aber mit der „kunst-religion“ spätestens seit der renaissance (die dhu vielleicht einfacher mit dem schönen verbinden könntest)??

      warum moslems übereinander herfallen, „westlich-transatlantische“, auch hindus über moslems und (man glaubt es kaum) auch buddhisten? – verzeih den pessimismus: da liegt eine anthropologische grundkonstante, die nur für kurze zeit auf begrenztem raum, und nur mit sehr viel glück, suspendiert werden kann.

      über die schönheit der strafe können dir hier in der dschungel sicherlich andere besser auskunft geben als ich, der ich auch eher frl. gerstäckers zitiertem standpunkt zuneige.

      würde gern noch einiges nachfragen, habe aber im moment zuviel arbeit. sorry.

    • peer dhu sagt:

      Ja noch was plattes hier zum alten ( ohne seinen sohn )
      Nun stellte er doch den „baum der erkenntnis“ in das ansonsten
      völlig reine paradies.
      Ein sadistischer vorgriff ?
      Er initialisierte ja noch ausschliesslich EINE möglichkeit des bestrafens :
      ( wieso ? )
      Das verzehren der frucht, welche die grenze zwischen ihm uns seiner schöpfung aufhebt.
      Nun hatte er ja schon recht diktatorisch andere götter neben sich verboten,
      so ist er desweiteren nicht in der lage seine einzigartigkeit ( schönheit ? )
      mit anderem zu teilen ?
      Sollte er das absolut reine darstellen, dann doch sicherlich als vorlaufendes,
      das ja wohl auch schnöde konkrete gesetze ausgeben durfte.
      Er wird uns ( als spezies ) damit aber nicht einmal ähnlich :
      Umgeben WIR ALLE uns wirklich mit etwas schönem, um begehrlichkeiten zu wecken,
      diebe auf frischer tat stellen zu dürfen und straffantasien ausleben zu können ?
      wohl eher nicht.
      Er wäre wohl also eher einer der perversen von uns und wir wären alle : gespaltene göttInnen mit partialer verfeinerungstendenz in teilbares.
      Die gegenläufige these wäre, dass die macht des bösen stets so mächtig gewesen wäre, die übermittlung seines wortes von anfang an zu kontaminieren ( wahrscheinlich dann fiftyfifty )
      Falls dies SO gewesen wäre ( weil ja auch nichts mehr nachgereicht wurde ) so
      wären wir halt erst recht auf uns selbst gestellt und unseren eigenen gebrauch der worte und lassen wohlweislich göttliches schweigend im sich anschliessenden jenseitigen
      ausruhen bis zu den finalen antworten.

    • peer dhu sagt:

      noch dazugestellt :
      das wort ward fleisch – und leibhaftig das böse ?
      der herr ist das licht und luzifer der lichtträger ?
      daran würde ich hier eminent scheitern wenn was so paradoxal in erscheinung treten muss ist das doch eher ein freispruch aus hilflosigkeit.
      anbei interessiert doch eher eine aus der wortmaterialität vielleicht völlig danebengehende gefühlsmässig eher subliminal verlaufende fremdheit von signifikans und signifikat
      die uns neologismen im positiven sinn auch geradezu aufnötigt
      ( also mal abgesehen von solchen bewusst abstumpfend installierenden schöpfungen wie kollateralschaden oder präkariat )
      beginnt hier nicht eine eigentliche ( zwar aussichtlose, dennoch ) nachforschung ?

    • peer dhu sagt:

      fällt mir gerade noch was als spezimen auf :
      dieb & lieb _
      so z.b. spaltet sich wortmaterie recht zügig im konnotativen.
      sind beide wortkörper an sich schön oder nett ?
      und welchen teil der menschlichen physis könnten sie ansprechen ?
      eschatologisches fragen, halt kaum zu kommunizieren.
      schade.

    • pper dhu sagt:

      can’t stop it – excuse die essenz der schönheit wäre ja ein zusammenwerfen sämtlicher schönauffassbarer wortkörper aus wohl dann sämtlichen sprachen.
      sowie die schnittmenge sämtlicher religiöser offembarungen das göttliche wohl offembart.
      wobei man sich über schönheit verständigen können müsste, was ad infinitum wohl nicht geht.
      nun wäre man sich der gespaltenheit ( wahrscheinlich je )der sprache im allgemeinen bewusst, so evoziert dies zumindest selbstmitleid aber auch generelle akzeptanz von fremdartigkeit.
      die sprache als ganzes ( und nicht nur einer kultur ) ist die trägerin der weltschönheit.

    • Aikmaier sagt:

      @ peer dhu zu allerlei also, am heiligen sonntag, arbeit am sündenfall:
      was gab es da im paradies eigentlich zu essen (also nicht die banal-botanische frage, ob es ein apfel-, granatapfel- oder sonst ein baum gewesen sein mag)?

      „Das verzehren der frucht, welche die grenze zwischen ihm uns seiner schöpfung aufhebt.“

      das ist, was die schlange, also das böse, den ureltern glauben machen wollte: „…und werdet sein wie gott…“ doch steckte in der frucht nur der tod, den zu erleiden sie naturgemäß aus der gegenwart göttlicher ewigkeit ausscheiden mußten. (nebenbei: diese todes-„schöpfung“ hat der genesis-mythos übrigens mit analogen mythen rund um den globus gemein: interkulturell)

      mit der ähnlichkeit zu gott ist es also so eine sache. allerdings:

      „Umgeben WIR ALLE uns wirklich mit etwas schönem, um begehrlichkeiten zu wecken, / diebe auf frischer tat stellen zu dürfen und straffantasien ausleben zu können ? / wohl eher nicht.“

      tatsächlich nicht? das wecken von begehrlichkeiten (= neid) spielt nach meiner beobachtungen bei vielen zeitgenossen eine rolle. strafen vielleicht weniger, aber das etablieren einer hierarchie von haben vs. nichthaben, geschmack vs. rohheit, teilhabe vs. armut. daß dabei die schönheit des jeweiligen dinges verdinglicht und zum mittel degradiert ist, steht außer frage.

      „der herr ist das licht und luzifer der lichtträger“

      interessante koinzidenz nicht?
      hier fallen scheinbar bezeichnetes und gemeintes polar auseinander, und so wird sie ganz greifbar, die „aus der wortmaterialität vielleicht völlig danebengehende fremdheit von signifikans und signifikat“. (die überdies immer besteht, siehe arbitrarität der bedeutungszuweisung) das heißt aber auch, daß uns kommunikation nur durch eine struktur ermöglicht wird, deren innerer zusammenhalt völlig undruchdriunglich ist! bedeutung verschiebt sich fort und fort in unendlicher SEMIOSE.

      „dieb & lieb“

      dazu nur eine kabbalistische bemerkung: 4+9+5+2 & 30+9+5+2; 20 & 46.
      20: Jade
      46: FKK
      ( nachzurechnen HIER, auch wenn mir diese Auflistung etwas dubios erscheint.)
      welchen teil der physis würden sie also ansprechen?

      „die sprache als ganzes ( und nicht nur einer kultur ) ist die trägerin der weltschönheit. „

      ein fruchtbarer gedanke, der sprache als etwas von den vielen verschiedenen sprachen abgetrenntes, sie transzendierendes betrachtet, wie auch schönheit die vielen verschiedenen schönen transzendiert.
      ich denke unwillkürlich an Walter BENJAMIN und seine theorie einer übersetzung, die „ohne vermittelnden Sinn“, in ihrer „Wörtlichkeit der wahren Sprache“ angehört (S. 21).

    • peer dhu sagt:

      „doch steckte in der frucht nur der tod“

      der aus der göttlichen strafe : dem rauswurf aus dem paradies bestand,
      trotzdem gut isoliert

      „nebenbei: diese todes-„schöpfung“ hat der genesis-mythos übrigens mit analogen mythen rund um den globus gemein: interkulturell“

      ein völlig unironisches aha ( aber nicht generell ? )
      Da bin ich leider desweiteren nicht fit, ich übernehm das aber mal so als analog unabschliessbar :
      fiel da nicht zum beispiel mal einfach so eine
      göttin ( oder ein androgynes gottwesen ) vom himmel und generierte leben ?
      hm die quelle ist mir abhanden gekommen, wohl irgendwo bei levi-strauss
      oder eliade kompiliert ? sorry )

      bedeutung verschiebt sich fort und fort in unendlicher SEMIOSE.

      Warum wir in erörterung treten auch erst einmal in der informellen bedeutungsschau untereinander, die sich desweitern in wortneuschöpfungen ( in wortfusionen ) anregen
      ( oder abregen ) kann und auch in vorgestellter meist einseitig thetischer fragestellung
      innerhalb eines darauffolgenden einigungsprozesses fortzuschreiben ( auch durch reaktionsbildung ) in der lage wäre :
      das korrespondenzprinzip von wahrheit, die sich immer wieder neu herstellen muss.
      Pantha rhei im gegensatz zu axiomatik, welche eher ( auch im fruchtbaren sinn )
      provozierenden charakter hat und in ihrem absolutheitsanspruch stachelt.
      ( man kann sie dafür schätzen, nicht lieben )

      gute gruesse
      dhu

    • peer dhu sagt:

      obwohl schon anderersweitig in der dschungel angemeckert, muss ich noch was dazufügen,
      weil leider wiedermal was vergessen :

      „das ist, was die schlange, also das böse, den ureltern glauben machen wollte: „…und werdet sein wie gott…“ doch steckte in der frucht nur der tod, den zu erleiden sie naturgemäß aus der gegenwart göttlicher ewigkeit ausscheiden mußten“

      was hatte eigentlich die böse schlange im ( ansonsten reinen ) paradies zu suchen ?
      und ist sie noch dort ?
      vorausgesetzt dessen müssten wir absolut geläutert ( rein ) ins paradies zurückkommen,
      träfen auf das alte problem & da bin ich mir ganz sicher, würden wieder naschen
      und die geschichte würde sich whohl unendlich wiederholen.
      Hat ER sie also endlich entfernt oder treten wir besserwissend ( demütig ) ob wieder ein ?

      Wobei ja noch die pikante variante die ist, dass der versucher & verderber ( das böse )
      Auch gleichermassen der vollstrecker der göttlichen strafe ist ( der höllenscheffo )
      Wobei man ihn auch nur als den subversiven auffassen kann, der den diktatorischen omnipotenzanspruch des HERRN, den er ja aufgrund der von ihm aber schon präfigurierten subversiven virtualität ( baum & schlange ) nicht hat,
      stets konterkariert.
      Glaube nicht dass ich in dieses perfide paradies wollte.
      Trotzdem halte ich mich persönlich nicht für einen atheisten.

      Genereller dank ihrer diskursivität.
      ( war bislang echt aufschlussreich auch zuweilen als formulierung )
      dhu

    • peer dhu sagt:

      sie brauchen sich nicht weiter zu bemühen
      mir fällts gerade wieder selbst ein
      ER verbannte die schlange ja anschliessend aus dem paradies und bestrafte sie
      damit fortan kriechen zu müssen.
      bin halt alles andere als bibelfest.
      trotzdem bleibt die tatsache, dass der „baum der erkenntnis“ als einzig
      möglicher grund des bestrafens im paradies vorinstalliert war und schon eine virtuell
      angelegt merkwürdige & auch profane sache war :
      warum kann ER seine einzigartigkeit ( und unterstellte schönheit ) nicht teilen ?
      bleib dabei : die vermittlung des wortes gottes war von anfang an gestört.

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