ANH liest NULLGRUND. Stream der Fern-Universität Hagen vom 27. Februar 2009. Argo. Anderswelt. (268).

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73 Kommentare zu ANH liest NULLGRUND. Stream der Fern-Universität Hagen vom 27. Februar 2009. Argo. Anderswelt. (268).

  1. Wilhelm Hauff sagt:

    Diese Videos zeigen wohl hier ihr unbedingtes Bemühen, in den Olymp zu kommen. Ich muss ihnen aus langer Lebenserfahrung einen Tipp geben. Lassen Sie das mit dem Schreiben und mit der Kunst. Es passt nicht zu ihnen. Sie sind kein Künstler. Sie sind ein Arbeiter. Sie rühren immer nur Leistungszement an. Da atmet nichts und es spielt nichts. Ich habe mal vor 12 Jahren eine Erfahrung gemacht. Ich war ungefähr so wie sie. Ich hatte geglaubt, dass Kunst und Literatur und das Leben aus Leistung besteht. Ich hatte nicht begriffen, was Loslassen heißt. Ich wusste nicht, was Fließenlassen bedeutet. Sie ordnen ihr Material wie ein Manager, aber da ist nichts lebendiges dran, von dem sie hoffen, es würde sich in Zukunft als lebendig erweisen. Wenn Sie zur Kunst und zur Literatur kommen wollen, müssen sie zu sich selbst kommen. Ihr Meere-Buch ist verunglückt, weil es noch keine Literatur , Thearpie Sie haben den spielerischen Abstand nicht wahren können, den Kunst brauch, den Dichtung braucht, um frei zu spielen, weshalb sich die Personen zu Recht darüber beklagt haben. Es war eine Schreibtherapie – den sie für Literatur in den Betrieb warfen – die Folgen sind bekannt. Ich glaube sie wären ein guter Lehrer, ein guter Padagoge, Also ein Materialmanager und Stoffvermittler… Ich sage dass nur, weil ich sehe, wie fest ihre Texte sind, da spielt nichts. Es lebt nichts.

    • Meere sei verunglückt? Ich darf ja wohl mal lachen. Und denke, Sie sind tief frustriert, aus irgend einem Grund. Immerhin hat man von „verunglückt“ auch bei Kleist immer wieder geschrieben, und bei Hölderlin – und auch da waren es oft formale Kriterien, die zwar angegeben wurden, hinter denen aber ein moralisches Problem stand oder eines der Weltanschauung. Schon bei Sätzen wie „Sie ordnen Ihr Material wie ein Manager“ hätte Ihnen jemand wie Klee ins Gesicht gelacht, aus Hohn. Was Sie hier unterm Strich schreiben, ist Kitsch., Im übrigen interessiert mich, woher Sie das wissen, was Kunst brauche, und wie Sie es begründen. Meere ist das Gegenteil von Therapie, ich darf Sie vielleicht einfach mal >>>> darauf hinweisen. Oder auf andere Kritiken aus jüngster Zeit, Junge Welt, Tages-Anzeiger – wobei mir bewußt ist, daß auch Kritiken immer subjektive Gründe haben und keine einer irgend gearteten Objektivität. „Fließenlassen“, ich darf ja wohl mal lachen, was ist das für ein esoterischer Quatsch! Mit „Fließenlassen“ schaffen Sie k e i n e Kunst – oder h a b e n Sie Kunst geschaffen? Dann sagen Sie, wer Sie sind und werfen Eigenes in die Debatte. Dann wäre ich sofort bereit, es mir anzusehen, und wir könnten vergleichen. S o ist das hier nur Getrolle, das zudem versucht, persönlich zu verwunden, und sich selbst als anonymer Denunziant verbirgt. (Interessant vor allem, daß Sie von dem ARGO-Auszug scheinbar unmittelbar auf MEERE kommen, obwohl diese beiden Bücher nun wirklich wenig miteinander zu tun haben. Mein Eindruck ist deshalb, daß Sie gegen MEERE etwas tun wollen, das wiederum einen rein persönlichen Grund hat – den Ihren. Irgend etwas in Ihnen ist tief frustriert, weil es – verloren hat. Ich kann es auch s o sagen: die Frauen mögen Sie nicht. Während sie mich umfangen.)

    • SabineA sagt:

      Flüssiger als dieses buch? Geht doch gar nicht! Was hast du denn da gelesen, bestimmt nicht meere. Mit anderswelt komme ich auch nicht so klar, das ist mir einfach zu überdimensioniert, da verliere ich mich. Aber meere war für mich erfüllung, das zu lesen. Das sollte jede lesen, vor allem jede frau.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Ich wollte hier nicht Meere schlecht machen. Als Selbsttherapie ist es in der Berechtigung. Die Liebe macht viel mit Menschen. Sie ist das Stärkste. Und Herr Herbst kann sich auch gut artikulieren, deshalb glaube ich, dass er ein guter Lehrer ist, ein Pädagoge. Aber warum werde ich so beschimpft?
      Ich bin ein gescheiterter Künstler und habe aber, als ich gescheitert war, ein neues Leben geschnekt bekommen und eine Liebe dazu.
      Was ich gemacht habe, ist nicht wichtig. Es war keine Kunst.
      Hier aber wird nach Meterregalen bewmessen. Kunst und Dichtung sind Leben und Fluss, nicht Werk. Nicht wichtig ist, wer was wo darüber schreibt oder sagt. Wichtig ist das Leben im im Leiden und Erleiden. Kleist und Hölderlin kannten dies. Ob sie von Frauen zu Lebzeiten viel geliebt wurden, weiß ich nicht zu sagen. Aber sie haben geliebt und es gab Frauen in ihrem LEben.
      Ich kenne den Irrtum, Kunst könne nach Leistung und dem Werk bemessen werden, aber das ist hier der Fehler, der vorgezeigt wird, wie wir uns früher unter der Dusche als Jungs immer vorgezeigt haben, Das ist noch keine Kunst.

    • Bratfisch sagt:

      Als Selbsthherapie ist es in der Berechtigung,
      geiler Satz, da würde selbst Goethe das dichten
      lassen, im Ernst, am Ende brauchen wir keine
      Dichter, nur gutes Schuhwerk

    • Bratfisch sagt:

      Herr Hauff, sie haben mein Mitgefühl, zumal Sie ein neues Leben geschnekt
      bekommen haben

    • Bratfisch sagt:

      Hölderlin wurde doch von einem Mann geliebt, so viel
      ich weiß, oder war es Novalis…
      Herr Hauff, schöner Name übrigens, warum leiden Sie
      so, es gibt doch DSL und draußen blühet der Flieder
      und wenn sie in der Liebesberechtgung sind, erfreuen
      Sie sich darüber und lasset die Leute doch ihre Romane
      schreiben, Herr Hauff, meinen Sie nicht auch.

    • Willhelm Hauff sagt:

      Ich gehe auch in den Flieder. Ich wollte nur sagen, dass ich es schade finde, wenn ein Mensch sich verfehlt. Ich sehe das Werkweh und die Lebensmüh in dem Video und in der Stimme von Herrn Herbst. Man sieht es. Meere war ein kleiner therapeutischer Anfang, und vielleicht kann er bald groß spielen, ohne jemanden in den Prozess zu ziehen.
      Das nächste Mal.
      Aber ich finde schade, wenn er sich als Pädagoge verfehlt.

    • Paul Reichenbach sagt:

      @bratfisch & birnensalat. Ja, Goethe ! „Werthers Leiden“ hätte den Drucker nie erreicht, wäre JWG. nach der Maxime des Herrn Hauff verfahren.

    • @Hauff. Ich sehe das Werkweh und die Lebensmüh in dem Video und in der Stimme von Herrn Herbst. Darauf antworte ich Ihnen persönlich, obwohl ich den Eindruck habe, daß Sie die ästhetischen Zusammenhänge, in denen NULLGRUND steht, gar nicht kennen und daß Sie vor allem MEERE nie gelesen haben. Was Sie nachholen sollten. Doch meine persönliche Antwort: Sie sehen das Lebensweh – Trauer nämlich – in dem Video und hören es in meiner Stimme; von Werkmüh hingegen kann keine Rede sein, da auch dieser Text in einem einzigen Fluß, wie Sie sich das wünschen, entstanden, dann allerdings ästhetisch festgezurrt und mit den Geschehnissen der Realität geerdet worden ist. Was Sie aber in meinem Gesicht sehen: Ich habe zwei kleine Kinder verloren, es ist noch nicht ganz ein Vierteljahr her. So etwas bleibt in Gesichtern, die leben, nicht ohne Spur, vor allem nicht in den Augen. Und ich muß mich darum kümmern, daß nicht auch noch mein Junge bei alledem mit vor die Hunde geht. Die Gefahr und meine Sorge sind groß. Kurz: Ich h a b e Not. Das ist es, was Sie in dem Video gesehen haben, anstatt auf den Text zu hören.

      Übrigens h a b e ich niemanden in den Prozeß gezogen, ich habe den Prozeß nicht angestrengt, sondern das getan, was Dichter seit jeher taten, ob sie Aragon, Goethe, D’Annunzio oder Max Frisch hießen. Es wurde während des Verfahrens von richterlicher Seite auch gesagt: hätte es eine Klage gegen Musils Mann ohne Eigenschaften gegeben, man hätte auch dieses Buch verboten. Mehr will ich zu dem Prozeß, der für a l l e Beteiligten unheilvoll war, nicht mehr sagen.

    • Alles flieeheeheest Kunst, Herr Hauff, ist ein Batikschal, der sich im Wind bewegt. Kunst als schöpferische Tätigkeit ist die Arbeit der Komposition. Und sie ist dieses unabhängig vom Genre. Kunst als schon geschaffenes Werk ist, da bin ich einer Meinung mit Beuys, ist Kunst aus sich heraus.
      Meer ist, und meiner Meinung nach ganz ohne Frage, Literatur auf hohem Niveau. Das Buch ist erzählerisch, hinsichtlich seiner Konstruktion und Architektur für mich ohne Frage in den Kanon der wichtigen deutschen Literatur einzuordnen.
      Sie sind als Künstler, weshalb auch immer, gescheitert, wie sie schreiben. Die Vermutung, ein Künstler, mit dessen Werk Sie nicht klar kommen, sei es auch, ist eine frustierte Spiegelung Ihrerselbst.

    • Batikschal Es muss natürlich heißen: „Kunst ist KEIN Batikschal“.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Batikschal Ich glaube nicht – Kunst ist ein Batikschal, sie muss auch neu sein oder zeigen etwas als einer besonderen Ansicht. Per O Enquist Gestürzter Engel , schreibt über Liebe. Besonders. Ein Blick der neu ist. Ein Buch, das sehr viel über Liebe sagt, aber kaum erotisches direkt ausspricht. Seine Kunst aber ist die Kunst , lässt Erotik im Leser entstehen. Und die Liebe als etwas Ergreifendes Zermalmendes und Schöpfendes. Das ist Kunst über Liebe zu schreiben.
      Der Autor erzeugt einen Dialog her. Wenn alles dargestellt wird, ist es aber sehr gute Therapie. für den Autor und den Leser. Aber es hat keine Welt. Es schwingt nicht. therapie – Notwendig um einen Menschen zu sich selbst kommen zu lassen, aber nicht von überzeitlicher Dauer. Auch Bodo Kirchhoff ist ein guter Erotiker, aber nicht Literatur..

    • @Hauff (ff). Nichts gegen Enquist, g a r nichts, im Gegenteil. Aber nicht alles ist Enquist. Er stellt etwas nicht dar, das i c h darstelle (auch beileibe nicht alles dabei), und ich stelle etwas dar, das e r nicht darstellt; bei „uns beiden“ entsteht etwas im Leser – jedenfalls in einigen Lesern, wobei seine und meine Leserschaft nicht identisch sein muß, ja nicht einmal sein k a n n. Sie erliegen einem Irrtum: Es ging in MEERE n i e darum, alles auszusprechen (es wird auch nicht alles ausgesprochen), sondern auszusprechen, was künstlerisch ausgesprochen werden m u ß t e: und dies mit einer absoluten kunstinneren Notwendigkeit. Jede Streichung über die Änderung der kleineren Eckdaten hinaus, zu denen es nach dem Prozeß gekommen ist, ließe das Buch in sich zusammenstürzen, so eng ist es gefügt: F u g e eben, wie bei Bach, auch wenn der Ton rhapsodisch ist. Aber ich bin nach wie vor der Meinung, daß Sie MEERE gar nicht gelesen haben, sonst argumentierten Sie nicht so, wie Sie es tun, sonst brächten Sie überhaupt Argumente statt Behauptungen. Geben Sie einfach ein Beispiel für das, wovon Sie meinen, es spreche zuviel aus; ich werde reagieren. Wobei ich, übrigens, auch bei Kirchhoff nicht Ihrer Meinung bin, weil ich ihn n i c h t für einen Erotiker halte. Erotik ist bei ihm ganz abwesend und bereits in der „Einsamkeit der Haut“, also seinem Frühwerk, durch verdinglichte Kälte ersetzt. MEERE hingegen ist, und war so gemeint, ein Gesang, sogar, noch im Trauern, Jubelgesang. MEERE ist voller Wärme, und wenn in dem Buch gefragt wird, wird der Leser gefragt. Was immer anderes über das Buch gesagt wurde, irrt und irrte oft mit Absicht: Man w o l l t e nicht, daß dergleichen zur Darstellung kommt, und wenn es schon zur Darstellung kommt, dann nicht durch mich. Ich habe in MEERE, nicht intentiös, sondern aus der psychischen Logik der Geschehnisse, Tabus angerührt, die man in Deutschland fetischisiert hat. Sie hängen übrigens n i c h t mit den sexuellen Darstellungen zusammen, sondern sind schuldpolitisch grundiert. Was die Darstellung von Sexuellem anbelangt, so ist sicher nicht nötig, immer alles darzustellen, aber es kann eine hinreißende künstlerische Aufgabe sein, es darzustellen, und zwar ohne Zotigkeit. Es gibt Egon Schiele, und es gibt Henri Matisse; es wäre absurd, den einen gegen den anderen ausspielen zu wollen. So etwas zu tun, sind Sie aber gerade dabei.

      Wir diskutieren hier nur >>>> MEERE. Etwas anderes ist >>>> ANDERSWELT; rein ästhetisch betrachtet, geht das Projekt weit über MEERE und über Enquist sowieso hinaus. Enquist ist unmodern, vergangene Literatur, so, wie auch MEERE vergangene Literatur ist und die Zukunft von Literatur so in ANDERSWELT zu suchen wie bei Pynchon zu finden (und bei Musil schon vorgedacht); hier sind die Aufgabenstellungen aber andere, teils zwar teilmengig sich mit vergangener Literatur überlagernd, teils aber eben ganz verschieden: >>>> konservative Literatur in der puren Narration („Realismus“) weiß die volle moderne Gegenwart nicht mehr zu fassen. Deshalb der formale Impuls, der bei mir in die Auflösung eineindeutiger Strukturen führt wie auch in die Überschneidung der Perspektiven, ja der Personage: Das Changieren der angesprochenen Personen in MEERE ist davon nur Reflex.

      [Poetologie.
      Narration.
      Kybernetischer Realismus.]

      Für den Konnex literarischer Modernität möchte ich Sie gerne insgesamt >>>> auf diese Sammlung verweisen. Wie, sowieso, >>>> darauf.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Enquist nennen sie vergangene Literatur, erist nicht alles, das ist recht. Aber er schreibt über Liebe, wie noch nie zuvor über Liebe geschrieben wurde. Deshalb ist er nicht vergangen, kirchhoff hat später wärmer geschrieben. In meiner Therapie haben wir uns auch unsere therapeutischen Texte gelesen, einige waren sehr sehr offen, manchmal direkt (schön) formuliert, aber es waren private texte, nicht für die öffentlichkeit,nur für die gruppe, ich respektiere meere als einen solchen text und es ist nicht zu übersehen, wie autobiographisch erist, als privates tagebuch..weil es allzu privat war, kam das urteil, dass ich ebenso unangenehm finde, aber huete schützen sich menschen gegen den gebrauch,die literatur ist ein markt und das gilt auch für figuren,die genommen werden um sie zu beschreiben, aber ich will nicht über meere reden, weil es ihr tagebuch ist und privat und respektvoll…es hat zuviel psychologie die privat ist und deshalb noch nicht die allgemeinbewegung von weltliteratur erreicht – wie enquist.
      aber vielleicht sind sie auf dem weg und müssen daran weiterarbeiten, lernen wie man privates transzendiert, dass es literatur wird. ich konnte es nie, obwohl ich nie geschrieben habe aber gemalt, entweder war es zu privat oder es war wie geborgt. ihr anderswelttext in dem video klingt geborgt…gewollt…künstlich abernicht künstlerisch, das war mir aufgefallen,weil ich weiß dass dieser weg unglücklich macht.

    • Wieso, Hauff, kapiern Sie das nicht? MEERE ist k e i n Tagebuch, nicht einmal im entferntesten; allein die Paarung mit einem Delphin sollte das doch hinreichend deutlich machen. Aber jetzt mal Butter bei die Fische, zu denen der Delphin nicht gehört: Haben Sie das Buch gelesen? Und welches meiner Bücher kennen Sie denn überhaupt? Fangen Sie einfach mit den >>>> Erzählungen an, bevor Sie dann zum >>>> WOLPERTINGER greifen.
      Beziehungsweise. Etwa. Anderswelt. Wenn Sie sagten: Ihr Anderswelttext klingt für mich künstlich, aber nicht künstlerisch – dann wäre das völlig in Ordnung. S o müssen Sie beweisen, weil Normation den Beweis fordert, will sie nicht in der Behauptung steckenbleiben. Für andere, die ihn lasen, hat der Text s e h r künstlerisch geklungen; es ist darüber nahezu >>>> ein ganzes Buch geschrieben worden. Vielleicht irren ja S i e sich? Ist Ihnen dieser Gedanke schon einmal gekommen? Oder hat Ihnen Ihre Therapie zu dem verholfen, was Iris Radisch vor zweieinhalb Jahrzehnten im Philosophikum Frankfurt mal s o ausgedrückt hat: „Durch mich spricht Objektivität sich aus“ – ? Abgesehen davon habe auch ich eine Therapie hinter mir: vier Jahre Analyse; auch das scheinen Sie nicht zu wissen. Lassen wir’s doch d a b e i: Sie mögen meine Arbeiten nicht. Das finde ich in Ordnung, auch wenn’s mir nicht gefällt (einfach weil mir n i e gefällt, wenn jemand, egal wer, meine Arbeiten nicht mag und ich immer j e d e n für voll nehme und jedes Argument hin- und hinüberwälze in mir drinnen).

      Im übrigen habe ich auch MEERE vergangene Literatur genannt; lesen Sie doch bitte die Zusammenhänge mit. Sonst hat eine Diskussion unter uns überhaupt keinen Sinn.

    • diadorim sagt:

      soll ich ihnen mal was sagen, die tagebücher von virginia woolf und die von sylvia plath, die von kafka und die von musil sind literatur. sie haben einen sehr bürgerlichen begriff von kunst, deshalb ist es vielleicht nichts geworden, weil sie sich vielleicht mit dem bewusstsein, jetzt müsse es kunst werden, zu werke begeben haben. und wenn ich eins meere vorhalten würde und der anderswelt, dann wäre es eher ein zu viel um dieses bemühen hin zur kunst, und dass ihm eine kippenbergsch unterlegte schnodderigkeit vielleicht gar nicht schlecht täte, was mithin aber natürlich auch ein bemühen ist, nur ein anderes. fickschön is ja nu mal nicht by changing names, aber da stehen einem natürlich sonst auch die persönlichkeitsverletzten auf der matte, wenn man auch nur immer wieder sagen kann, es kommt aus meinem kopf, es soll nichts verbürgen, als eben dieses. es spiegelt keinen tathergang. es spiegelt allein die besondere bewegung des unallgemeinen. kunst zeigt das, was noch wenige gesehen haben. da glaube ich einem musil. ich hab x einwände gegen meere und anderswelt, aber ihre halte ich für verfehlt.

    • anselm sagt:

      sind die kritiker uneins, ist der künstler einig mit sich selbst. feuerbach.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Diadorim wissen sie, es pielt eigentlich nicht wichtig, sie haben ganz recht, es gibt ja keinen wohl keinen literaturbegriff und in tagebüchern kommen auch träume phantsien und reflexionen hinein, thomas mann hat in seinen tagebüchern auch alles sorgsam notiert, viele kleinigkeiten, ganz recht. musils bücher habe ich einmal versucht zu lesen, mir zu fern. aber manchmal sind die autoren in ihren tagebüchern interessanter als in ihren anderen büchern. Heute können Leute ja alles lesen und schreiben und ganz recht so. kafka ist wohl eher zu lebzeiten nicht sehr stark erfolgreich gewesen, was aber noch nichts sagt. das jemand kein erfolg oder bekanntheitsgrad als autor hat, heisst ja noch nicht, dass er ein bedeutender künstler ist. es gibt ja viele unbekannte künstler und dichter, die trotzdem keine Weltdichtung schreiben, also sie bleiben unbekannt, obwohl sie keinen erfolg haben, aber das ist nicht wichtig, weil viele einfach glauben, so wie ich damals, sie müssten künstlersein, aber sie sind ja keine, dafür aber sehr gute andere berufe, die aber an ihnen vorbeigehen. Ich habe nichts von einem Delphin gelesen, Herr HErbst, kein Delphin, nur private Dinge, die so privat sind, dass ich sie respektiere, aber ich kenne die unzensierte fassung nicht, und glaube nicht, dass die unzensierte fassung dichterischer ist. es ist auch alles zu privat und ich kenne menschen, die sich auch sehr gut ausdrücken können, aber der autor des kleinen prinzen hat in einem anderen buch einmal geschrieben, es muss viel humus und viel holz sein, damit auch mal irgendwo eine blüte zu sehen ist. also viele menschen machen holz und humus aber sie verpassen dabei den ort und die zeit, wo sie blühen könnten.

    • diadorim sagt:

      das private ist nicht privat, es ist nicht einmal persönlich. die wunschmaschinen und ihre mechanik, darum geht es.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Wir haben wünsche, aber wir leben wohl in der zeit mit vielen maschinen, die den wünschen entgegenarbeiten, auch in uns selbst, das habe ich in der therapie verstanden, der innerste raum, der uns beherbergt, in den wir aber nicht eindringen dürfen, wenn wir ihn nicht kaputtmachen wollen. wahre Kunst macht den raum sichtbar, spürbar, aber sie betritt ihn nicht. Weil sie ihn nicht betritt, wird er plötzlich sehr groß dieser raum, Reich – haltig und dann ist es kunst. Wenn wir den Raum betreten, ist es Thearapie, es zerstört den Raum, manchmal ist dies notwendig als Mensch für den Menschen, nicht aber für die Kunst.
      wie man den Raum ganz sichtbar und spürbar macht, ohne ihn selbst zu betreten oder künstlich zu bauen, zu behaupten, oder mit zement zu mauern, das ist das geheimnis der kunst, die ein umhergehen ist, eine bewegung, aber sie ist kein arbeiten.

    • diadorim sagt:

      das ist ganz schön gesagt.

    • LeanderSukov sagt:

      Wahre Kunst na ja … wahre Kunst … darüber wacht dann die Wahrheitskommission.
      Das einzige, was man Meere, der dielmannschen Ausgabe, vorwerfen kann, ist der Umschlag.

    • @Hauff (fff). Sie haben offenbar völlig falsch gelesen, S i e haben privat gelesen – offenbar, weil Sie das so wollten und den allgemeinen Verlautbarungen auf den Leim gegangen sind. Daß Sie den Delphin überlesen haben, spricht wirklich für sich. Sie haben sogar die Höllenpaläste überlesen, obwohl das eigentlich nicht geht.

      Wir sind an einem Punkt, an dem ich mich mit Ihnen darüber nicht mehr auseinandersetzen möchte, weil es schlicht sinnlos ist. Ihnen sind ja nicht einmal die Kipling- und Andersen-Leitmotive aufgefallen, um von den Schönheiten der Form einmal ganz zu schweigen, die mir, muß ich sagen, geschenkt worden sind: so etwas konstruiert man nicht, es kommt durch einen hindurch, wie wenn jemand ganz anderes schreibt. Bei keinem meiner Bücher habe ich so sehr das Gefühl: das hast nicht d u geschrieben.

      Damit möchte ich es bewenden lassen. Es ist eh sinnlos, „bekehren“ zu wollen.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Die Bilder, sie müssen mich nicht bekehren, sie sind voll mit kenntnissen, ich finde ihr meere-buch hat ist in der berechtigung, aber ich nicht viel nicht dazu diskutieren, weil ich keine frau bin, eher ein durchnittsmann, der früher mal ein alkoholproblem hatte, erotik oder die liebe war nie ein problematisches thema für mich, mein problem war der alkohol als körperliches problem und dann ein lebens-und beziehungsproblem, ein falsches selbstbild, mit frauen konnte ich aber immer gut, zu gut, weil manche mein spiel des alkoholismus mitgespielt haben, was auch viel mit sex überdeckt wurde, aber das Problem ist nun vergangenheit,mein meer war der alkohol und ein falsches selbstbild, das ich mit falschen bildern hochgemauert hatte und vielen von ihren bildern, seiein sie nun delphine oder höllenpaläste erinnern mich an hochgemauerte bilder,,,,aber weil es zu privat ist, will ich das nicht ansprechen. In meiner therapie gab es viele, die sehr schönes geschrieben haben, auch mit bildern, bis der thearpeut dann gesagt hat, dass diese bilder humbuck sind, bauten, das war sehr schmerzhaft, aber letztlich hatte er recht.

    • Anais sagt:

      Lieber Herr Hauff, im Lesen bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass es Ihnen weniger um Herrn Herbsts Texte geht als darum, Ihre eigene Geschichte zu erzählen. Warum schreiben Sie nicht Ihr eigenes Blog? Offenbar haben Sie einiges zu erzählen und auch den Drang dazu, das zu tun.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Liebe Anais ihr name spielt wohl an auf die bestimmte Anais von henry miller, sie war eine schöne erotikerin in ihrerm schreiben. Es hat mir gefallen, wie sie es geschrieben hat, das war direktheit und klarheit ohne auschmückungen, man hat gesagt, es sei wohl als pornografie geschrieben worden, ganz recht, aber das ist ein gutes Beispiel, mich hat es erregt, dass es diese Anais ja eben schon gibt lange mit ihren erotischen Schriften und sehr viele nach ihr dieses auch geschrieben haben. Aber kann man wohl über den Sex nicht so viel schreiben in der Abwechslung. Also einmal Anais immer Anais dann das ganze Jahrhundert lang. Trotzdem gefällt mir Pornografie auch, obwohl sie bei ihr schon gut geschrieben ist, erregend und ohne viel drumherum. immer wenn sonst in Büchern Sex genau geschrieben wird, denke ich, lasst den Rest einfach weg, macht es wie Anais und schreibt die Geschichte wirklich nur der Erotik wegen. Dann kommt zwar nicht viel anderes dabei heraus als bei Anais aber es wäre wohl ehrlicher. oder man umgreift so stark wie enquist aber das ist dann etwas anderes. ich bin hier hereinspaziert nur wegen des videofilms von der fernuni-hagen, aber natürlich hat jeder sein anderes leben, ganz recht, sein eigenes leben.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Und Anais So war mir aber aufgefallen jetzt, dass es nicht in der Berechtigung ist, zu sagen einfach so, wie ich es gesagt habe, Herr Herbst sei kein Künstler. ich habe es gemeint als ermutigung nicht als Herabsetzung, weil es mich damals sehr ermutigt hat, zu wissen, dass ich kein künstler bin, es hat mir ein leben geschenkt, zum ersten mal mein eigenes Leben. Mich hat es damals ermutigt, als die Therapie hervorbrachte, dass ich nun nicht mehr künstler sein müsse, also als solcher gescheitert war endlich, hat mich befreit, deshalb war es von mir als ermutigung gemeint. ich vertehe aber, dass es anders verstanden wurde. bei mir hatte es auch etwas mit dem alkoholzu tun.

    • Anais sagt:

      Das ist es, was ich meinte, sie scheinen Ihre eigene Geschichte erzählen zu wollen und stülpen Sie Herrn Herbst über.

    • Rene Krausel sagt:

      Im reden ist das zuhause wo sie sind Herr hauff? Und gebiert nicht nach jeden verunglückten Satz ein neues sich wechseln? Und was ist Pornographie anderes
      als..? sie Verstehen?

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Herr Krausel was ist mit pornografie, ich habe nichts gegen pornografie. Herr Herbst hatte sich ja erklärt, woher das kommt, was in dem Video zu sehen ist, Aber das meinte ich nicht darüber hinaus aber gab es etwas in dem Text, den er gelesen hat, dass sich ganz fremd schaute zu dem Menschen, der gelesen hat. Also diese apokalypse am anfang zum beispiel schien mir enorm unecht und viel zu laut und zu viel. ich kenne die apokalypse des johannes aus der bibel, diese hatte ihre berechtigung in der art damals wie sie geschrieben wurde, was da alles vom himmel viel und so weiter, ganz recht, das wurde aber vor beinahe 3000 jahren so geschrieben im alten testament und das nun herr herbst noch zu übertreffen suchte mit noch mehr dingen die vom himmel fallen bei ihm, mit dachrinnen, die sich auflösen und bezahnten metallwürmern und negerküssen…eine schlechte ehyronimus bosch-anleihe, ich schätze hyronimus bosch sehr als maler nicht als höllenillustrator – und eben dieses zwanghafte übertreffen wollen mit metallwürmern und negerküssen über der themse die dachrinnen schmelzen und opernhäuser etc…mir war aufgefallen, dass sein text sehr komisch ist bis lächerlich, aber da herr herbst ihn so ernst und getragen gelesen hat und dann die diskussion so ernst vonstatten ging ohne humor habe ich gesehen, dass herr herbst, nicht weiß, dass das was er da schreibt lustig ist, unfreiwillig komisch – Herr Herbst meint es aber nicht komisch und deshalb habe ich gesehen, dass da ein völlig falsches Selbstbild sitzt.Eine Apokalypse musste damals laut sein, weil die Welt sehr leise war. Heute ist die Welt laut und die Apokalypsen sind ganz leise oder sehr genau einmalig….deshalb habe ich gesagt, dass ich das auch unkünstlerisch zusammengepresst fand, was eigentlich komik ist höchstens oder ein komic als zeitvertreib aber herr herbst sagt, es sei dichtung.

    • platzender negerkuß sagt:

      nun @wilhelm hauff:
      sehe ich genauso. zudem: viel zu ausschweifende intro. daher kommen dann die „tausendseiter“ zustande. andere autoren brauchen für so eine kurze szene vielleicht eine seite, herbst wälzt das dann auf 27 leseminuten aus. öde. durch die übermäßige länge der gewaltdarstellung kehrt sich das geschehen tatsächlich in unfreiwillige komik um. ein bekanntes psychologisches phänomen. reizüberflutung. und dann dieses zusammenstöpseln von comic („kawuum“ etc) und klischees, bionicles und fachwort-dropping. man hört´s aus dem text rufen „hach, bin ich schlau“. und die doofen leser müssen schon alleine damit klar kommen. ein weiteres problem: ohne kenntnis der ersten beiden romane dürfte der dritte band der trilogie kaum lesbar sein. wie soll das bewerkstelligt werden? wird es eine komplette ausgabe geben?
      ok. die kritik spiegelt nur meine meinung wieder. vielleicht bin ich ja auch nicht die zielgruppe des autors. sagt er ja selbst, er schreibt nur für sich selbst. vielleicht daher der weg ins internet? ob herbst groß oder klein ist (als dichter und autor), wichtig oder nicht, ist mir letztendlich wurscht. beim lesen von büchern interessiert mich so etwas überhaupt nicht, denn dann lese ich nur für mich. und wenn es dann ein buch von herbst ist, auch wenn er es nur für sich geschrieben hat, so muß er mich als leser dennoch erreichen – und hier zunächst nur mich. schafft er dies nicht, schafft er es vielleicht bei jemand anderem – oder nicht.

    • @platzender Negerkuß & Hauff. Sie stellen sich beide nicht der Realität, sondern wehren sie ab. Was ich beschrieb, i s t Realität, ob Sie das nun so haben möchten oder nicht. Aber dieses Problem ist I h r e s, nicht meines, der ich s e h e. Und auch die Form finde – oder sie doch suche, während Sie den Kopf in den Sand stecken und sich dabei esoterische Gefühle machen; „fließenlassen“ und so. Man findet Ihrer beider Argumente immer wieder quer durch die Kunstgeschichte; sie stammen von Leuten, die glauben, wenn etwas nicht sein dürfe, sei es auch nicht. Es i s t aber. Wie sagte Gustav Mahler, der ähnliche Urteile zu ertragen hatte?: „Meine Zeit wird kommen.“ So ist es. Sie kommt.

      (Verräterisch bei alledem Ihr Engagement. Wenn mich ein Text nicht interessiert, sag ich nichts dazu, sondern zieh meine eigenen Kreise, aber setz mich nicht hin und schreibe drüber, schon gar nicht in ein Weblog. Ecco.)

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Der Grund es ist ihr gutes Recht so zu sprechen, sie sind ja auch derjenige damit Beschäftigte, aber platzender negerkuss hat einen Einwand gebracht, der in der Berechtigung ist, nämlich die Reizüberflutung, die heute allenthalben staatfindet. Es ist nicht nötig, das noch einmal übertreffen zu wollen, so wie platzender negerkuss sagte in einem kawumm die Welt untergehen zu lassen. Die Reizüberflutung ist ja bereits die volle Gegenwart. Ich bin angesprochen worden auf den Text über eine Bekannte, die mich auf den stream aufmerksam gemacht hat und sich bei mir darüber beschwert hat, das nun soetwas auch in der fern-uni-Hagen gelesen werden müsse, und dazu kann ich ihnen sagen, dass ich sie gegenüber meiner bekannten verteidigt habe, weil ich auch weiß, dass es nicht viele gibt, die mut haben, überhaupt etwas zu schreiben, was anders ist. Dann habe ich mir die Sache angesehen, ich habe hier nun zu viel gesagt, aber sie wissen auch selbst, Herr Herbst, dass sie sich hier exponieren und womöglich wie platzender negerkuss sagte, ja auch wollen, dass sie für andere schreiben und andere sie lesen. Es reizt natürlich auch einem Schriftsteller die Meinung ins Weblog zu schreiben über sein Buch. Sonst muss man das ja immer hinnehmen, nachdem man es gekauft hat für viel Geld.

    • diadorim sagt:

      die mär vom richtigen selbstbild beschäftigte das posttherapeutische zeitalter noch bis zur abschaffung der psychoanalyse, ab da träumte es sich nicht mehr selbst.

    • @Hauff: Welch ein Unfug an Jammer! Aber es legt den Finger auf die Wunde, nämlich die Rede von der Reizüberflutung. Ich halte sie, die Rede, für Blödsinn. Wir können noch viel mehr Reize, und simultan, „aushalten“, ja, sie können Lust bereiten in dieser Menge (einmal ganz unabhängig vom Schrecken, den sie eben auch enthalten können). Ich glaube, dies ist ein Generationenproblem und ein Problem des Willens. Bei den ersten Eisenbahnfahrten, sowas um 30 km/h, kippten die Leute um, weil sie von solchen Geschwindigkeiten „reizüberflutet“ waren; bei Ravels Bolero (!) kippten sie aus dem gleichen Grund um; heute ist das Stück ein Schlager. Ein Mensch des Mittelalters wäre nach einem einzigen Tag im Zentrum Berlins wahnsinnig geworden usw. Bis heute haben die Leute, weil sie nicht zu hören ausgebildet wurden, Schwierigkeiten, auch nur etwas so Handgreifliches, ja manchmal sogar Kitschiges wie Arnold Schönberg zu hören, z.B. sein Klavierkonzert, und und und – und dies nur, weil er einer den meisten unvertrauten Harmonielehre folgt. Das Gehirn aber entwickelt sich; es entwickelt sich nur n i c h t, hält man es nicht dazu an. Eine Literatur wie die, die ich weiter oben die vergangene nannte, will keine Entwicklung, sondern schmiegt sich in seine vertraute Anthropologie. Knallt es dann, kann es nicht mehr reagieren.
      Das heißt nun nicht, daß Sie nicht auch recht haben könnten und ich k e i n Künstler bin; das ist möglich, es ist aber auch n i c h t möglich. Sie sagen das eine, andere das andere, ich selbst sage mal dieses, mal jenes. Imgrunde ist es auch egal. Denn was Ihre Bekannte anbelangt und ihre Beschwerdeführung, so gibt es – ich weiß das aus eigener Erfahrung – auch Studenten, die sich beschweren, weil sie „sowas“ wie Joyce lesen müssen; bekanntermaßen fand ja auch schon Tucholsky den Ulisses unlesbar; das wiederum gehört zu den Effekten der Zeitgenossenschaft, die mit der von mir oben erzählten, rein physiologisch begründeten Abwehr von Neuem zusammenhängt. Wenn das Gehirn noch nicht so weit ist. Erinnern Sie sich bitte daran, daß man Beethoven die Dissonanzen aus der Eroica, die das Stück erträglich machen, streichen wollte, weil man sie a l l g e m e i n für falsch hielt, und die vorgeblich verfehlten späten Streichquartette führte man sogar auf seine Schwerhörigkeit bzw. Hörlosigkeit zurück; erst in den 50ern des 20. Jahrhunderts wurde allmählich begriffen, von welcher kaum je wieder erreichten Schönheit sie sind: da war der Mann schon lange lange tot. Im übrigen frage ich mich, weshalb Ihre Bekannte nicht selbst Klage führt; oder weshalb protestiert sie nicht bei der Uni? Diese spezielle Form von Feigheit gegenüber Autoritäten ist mir widerlich.
      Doch wird unsere Diskussion allmählich eine Diskussion über Modernität und >>>> Anthropologie, und zwar im Zeichensystem der Kunst. Das verdient Aufmerksamkeit. Auf neue Formen ist, wie ich sagte, i m m e r mit Abwehr reagiert worden. Es ist eher ein verdächtiges Zeichen, wenn solch Neues sofort angenommen und bejubelt wird; „irgend etwas stimmt nicht“, bemerkte Berg, als man seine Lyrische Sinfonie bejubelte. Er hatte recht. Doch es hilft ja auch nichts: Was geschieht, geschieht, und man tut gut daran, Formen des Umgangs dafür zu entwickeln. Auch und gerade in der Kunst. Abermals Gustav Mahler: „Sie sind jung, also haben sie recht.“ Dies zur zweiten Wiener Klassik. Ich bin mit dem Willen „angetreten“, Formen zu finden, die der Gegenwart gemäß sind und sie verarbeiten, also auch die Reizüberflutung, und glaube, daß man sie annehmen muß. Sonst erfaßt man nicht, was Realität i s t. Diesen Vorsatz werde ich weiterverfolgen, ob Lesern und Kritikern das nun gefällt oder nicht und ob, nebenbei aus der ökonomischen Existenznot bemerkt, meinem Finanzamt.

      [Poetologie.
      Anthropologische Kehre.]

    • @diadorim. Weshalb nicht mehr ab da? Und wieso binden Sie „Selbstbild“ und Psychoanalyse derart zusammen? Für ein Selbstbild hat es sie nie gebraucht. Ich glaube auch nicht, daß man sie mit Sinn abschaffen
      kann, sollte und wird, es käme denn ein, ich nenn es mal s o: psychotechnischer Mathematismus und drängte sie weg. Dann wär „der Mensch“ aber n u r noch Funktion und würde so auch behandelt.

    • diadorim sagt:

      kann sein.
      ich sage ja nicht, es bedeutet nichts, wie ein anderer geschätzter kollege, ich sage nur, es bedeutet nur uns etwas.
      herr hauff benutzt ja die therapie als letztgültiges argument gegen sein falsches selbstbild als künstler. gratulation, sie müssen kein künstler sein. sie dürfen es aber trotzdem noch werden. man verzeiht ihnen das, oder enttarnt sie erst viel später.
      die antwort gefällt mir:
      „Das heißt nun nicht, daß Sie nicht auch recht haben könnten und ich k e i n Künstler bin; das ist möglich, es ist aber auch n i c h t möglich. Sie sagen das eine, andere das andere, ich selbst sage mal dieses, mal jenes. Imgrunde ist es auch egal.“
      im grunde ist es auch egal. ja, im grunde ist es auch egal, ob es schicksal ist, oder zufall. man hat den sozialdarwinismus erfunden, weil man darwin nicht verstanden hat, er argumentierte nie mit einer notwendigkeit.
      herr hauff versucht etwas ex negativo, wovon sie die andere seite sind, scheint mir, würde man sie werfen, wie eine münze, wer fällt auf die nase?
      mein richtiges selbstbild, hm, vielleicht so eins wie mela hartwig: das weib ist ein nichts, oder eins von woolf, das weib ist orlando und ist ein weib die längste zeit gewesen. und das viktorianische zeitalter blüht. oder eins von robert walser: man lernt hier sehr wenig. und wir werden alle ein kugelrunde null sein im späteren leben. nein, eigentlich sind wir es schon jetzt.
      wo ist cellini? geht es ihr einigermassen?

    • @diadorim. Wegen Cellini: Ich werde ihr privat schreiben.
      Ansonsten habe ich unterdessen ein wenig den Verdacht, daß Herrn Hauffs Therapie ihm n i c h t gutgetan hat, sondern für ihn zum Vorschub wurde, sich den schmerzlichen Aspekten seiner – ich weiß ja nicht, was – aber gut: Kunstausübung weiterhin auszusetzen. Es wäre wichtig zu erfahren, welche Art Therapie er gemacht hat. Vor allem scheint mir hier auch der Alkohol ein Vorschub zu sein, wenn man sich mal die riesige Anzahl von Alkoholikern unter den Künstlern, vor allem auch Literaten, ansieht. Er kommt mir wie ein Harry Haller vor, der geheiratet hat und nun gegen sich selbst die Vorteile der bürgerlichen Existenz noch und noch beteuern muß. Er wollte einfach nicht mehr auf den Treppenstufen vor der fremden Wohnung sitzen und das „glückliche Leben“ belauschen. Vielleicht. (Wölfe leben in Matriachaten, männliche Steppenwölfe aber sind solo. Das tut immer wieder sehr weh.)

      Wegen meiner Kunst-Gerichtetheit möchte ich Ihnen unbedingt noch was schreiben, aber nicht jetzt, weil ich dringend diesen Miniaturen-Text fertigkriegen muß. Abgabetermin.

    • NaNu sagt:

      Abgekupfert @Dichter Herbst: Sie schrieben zu Herrn Hauff von der „Abwehr von Neuem“ und zitieren die Abwehr Tucholskys gegen den „Ulysses“ von Joyce. Während der besagte und beklagte Roman des Iren wahrhaftig etwas Neues war, so scheint Ihr Anderswelt-Zyklus ein modernisierter Abklatsch von Döblins „Berge, Meere und Giganten“ zu sein. Also nichts Neues aus dem Hause Herbst/von Ribbentrop!

    • @Nanu: „Scheint zu sein.“ Haben Sie Belege? Würd mich s c h o n mal interessieren, auf was Sie Ihre Behauptung gründen. Aber Sie sagen es ja selbst: „scheint zu sein“. Es wäre hilfreich, begännen Sie’s zu überprüfen. Andererseits: Wer sich die Augen verbindet, sieht nichts als sich.

      Kein Zweifel aber, daß Döblin – rhythmisch, und auch nur im Eingangskapitel des ersten Teils von THETIS, worauf sich wiederum der erste Teil von ARGO schon aus formalen Gründen bezieht, also die immer wieder so genannte Apokalpyse in THETIS – Einfluß auf den Text genommen hat. Weite Passagen und die ästhetischen Folgen dann in den Büchern sind völlig anders. Auch bei Wagner klingt bis in das Spätwerk noch v. Webern durch, so, wie wir immer Ähnlichkeiten mit unseren Eltern und Voreltern haben. Ich finde das nicht nur normal, sondern auch angemessen, es zu wissen und nicht zu leugnen.

      Im übrigen ist über einiges dessen, w a s definitiv neu an dem ANDERSWELT-Projekt ist, ja nun >>>> ausführlich geschrieben worden. Es wird mir immer unverständlich bleiben, weshalb Typen wie Sie nicht wahrnehmen w o l l e n. Ob es daran liegt, daß nicht sein soll, was ist? Bewußte Verleugnung (normalerweise übrigens ein Strafdelikt) gehört seit Jahren zur Strategie meiner Gegner.

  2. g.emiks sagt:

    am meeresufer ragen abwechselnd im trockenen oder im wasser gigantische zementblöcke, weißgraue quader aus der unzahl von kleinen und kleinsten geschwistern empor und reden genau so wie diese von kampf und geschichte. ich darf sie nicht aufheben. es ist verboten. sie werden als küstenschutz heilig gehalten. und sind auch zu schwer.

    • An den Ufern. Der Zivilisationen vielleicht. In Ostafrika, Höhe Port Elisabeth, etwa nicht: da zieht sich der Indische Ozean ununterbrochen dahin. Es kommt eine Düne, sehr hoch, sehr lang, Kilometer lang, und hinter dieser Düne dehnt sich Regenwald. Hier, von der Dünenhöhe aus, den Regenwald durchschritten, sah ich meinen ersten Wal.

    • Lutz Hesse sagt:

      Wer behauptet,

      dass MEERE nicht lebt, muss bereits tot sein.
      Mit einer Leiche, lieber ANH, lässt sich nicht diskutieren, sie gehört begraben.

      Schönes Wochenende!

    • g.emiks sagt:

      erster wal voraus mit seinen augen sah ich
      schweinswale. obwohl das
      meer, das dort eigentlich eine
      see ist, fast schon tot ist.

  3. jethro sagt:

    Herr Herbst müssen Sie eigentlich jeden Deppen einer Antwort würdigen? Ich mein, ist doch schade um die Zeit, oder?

    • Asep sagt:

      NVppAUaUKLdHNhHU War bei der Studio Tobac Tour 2011 in der Oliva Lounge in Berlin mit dabei. Der Abend hat sehr viel Spass gemacht und meine Vorliebe ffcr die Cain Daytona gewkcet. Thorsten Wolfertz hat mit Witz und Fachwissen durch den Abend geffchrt. Es war so gut das ich gleich eine Kiste der Cain Daytona Double Toro mit dem einzigartigen Sampler mitgenommen habe. Freue mich schon auf den ne4chsten Abend durch den Herr Wolfertz ffchren wird.Grfcdfe aus Berlin,Frank Grunow

  4. @ Wilhelm Hauff Diese Videos zeigen wohl hier ihr unbedingtes Bemühen, in den Olymp zu kommen.

    >Zugegeben, die Ausleuchtung ist eine Katastrophe.

    Ich muss ihnen aus langer Lebenserfahrung einen Tipp geben. Lassen Sie das mit dem Schreiben und mit der Kunst. Es passt nicht zu ihnen.

    >Schauen Sie aufs Oevre und behaupten Sie das dann noch mal…. Ich kann über Sie nur den Kopf schütteln, was wissen Sie schon über ANH?
    Und dann noch anonym, ohne sich erkennen zu geben, keine Referenz vorzuweisen, ich fühle mich dazu hingerissen, das als armselig zu bezeichnen.

    Sie sind kein Künstler. Sie sind ein Arbeiter. Sie rühren immer nur Leistungszement an. Da atmet nichts und es spielt nichts. Ich habe mal vor 12 Jahren eine Erfahrung gemacht.
    Ich war ungefähr so wie Sie. Ich hatte geglaubt, dass Kunst und Literatur und das Leben aus Leistung bestehen. Ich hatte nicht begriffen, was Loslassen heißt. Ich wusste nicht, was Fließenlassen bedeutet.
    Sie ordnen ihr Material wie ein Manager, aber da ist nichts Lebendiges dran, von dem sie hoffen, es würde sich in Zukunft als lebendig erweisen.

    >Es tut mir leid Sie so frustriert zu sehen. Ihre Kritik mag in Ihren Augen gerechtfertigt sein, nur so, wie sie vorgebracht wird, ist sie nichts als Abladen bösen Frusts. Es ist einfach nur schlechter Sti.

    Wenn Sie zur Kunst und zur Literatur kommen wollen, müssen sie zu sich selbst kommen

    >Richtig!

    Ihr Meere-Buch ist verunglückt,

    >und hier widersprechen Sie sich selbst!

    weil es noch keine Literatur, Thearpie Sie haben den spielerischen Abstand nicht wahren können, den Kunst braucht, den Dichtung braucht, um frei zu spielen, weshalb sich die Personen zu Recht darüber beklagt haben.

    >Hier erkennt man, dass Sie zwar glauben zu wissen, worum es im Meere-Prozess ging, aber den Kern nicht begriffen haben, genau wie Sie das Buch nicht begriffen haben.
    Ich erkläre es Ihnen gerne, wenn Sie verstehen wollen.

    Es war eine Schreibtherapie – den Sie für Literatur in den Betrieb warfen – die Folgen sind bekannt. Ich glaube, sie wären ein guter Lehrer, ein guter Padagoge, Also ein Materialmanager und Stoffvermittler… Ich sage das nur, weil ich sehe, wie fest ihre Texte sind, da spielt nichts. Es lebt nichts.

    >Wer das behauptet, obwohl er Meere las, liest nicht richtig.

    (P.S. angesichts der Zeichensetzung und Orthographie konnte ich nicht umhin einige Korrekturen auszuführen. )

  5. diadorim sagt:

    ich hab nur gedacht, fernuni hagen ist das erste chatlog vor den zeiten des internets gewesen und es hatte einen sinn, dass man sich nie zu gesicht bekommen sollte, so wie man sich heute besser nicht mit chatpartnern trifft.
    sie schlagen sich wacker, wenn sie auch das bärtige bemühen etwas überbügeln, der brillenputzer ist sehr amüsant. ich hab immer drauf gewartet, dass sie jetzt fragen, können sie eigentlich was damit anfangen, oder ihren nachbarn kitzeln. ich denke manchmal, sie haben humor, sie sind klug, sie lesen gut, sind auch nicht uneitler als andere, aber manchmal muss ich dabei an poesiealben denken, in denen immer irgendwie der spruch landete: das leben ist ein kampf, siege! ich hab nie überprüft, wo der eigentlich herkommt, aber daran muss ich manchmal denken, wenn ich sie lese. dabei mag ich ihren slapstick, der schält sich darunter ganz gut heraus, vielleicht ist das ja auch alles bloss die ablenkung mit dem schicksalspathos, pasolini verfährt ganz ähnlich.

    das fand ich gerade dazu:

    Brauche Hilfe! Will mir Latein Tättoowieren lassen !
    Hallo,
    ich wollte mal gerne wissen was der Spruche auf Latein heißt:
    ,,Das Leben ist ein Kampf – Sieg !“
    Ich danke schomal im vorraus
    Und vllt hat noch jemand einen latein spruch für mich der was mit sieg und stärke zu tun hat. Dankeschön

    schön wäre ein buch mit dem titel: Will mir Latein Tättowieren lassen.

    dazu fällt mir mein missglückter ratschlag ein, an den steinmetzgesellen, der mich fragte:
    komm, du kannst doch latein, ich will mal einen spruch in latein hauen.
    ich, jo, also: o tempora, o mores.
    er: wie schreibt man das.
    ich: hm, so wie mans spricht.
    er: also mores mit i und doppel r.
    ich, lateinunfest wie ich bin: denk schon und ging eine rauchen.

    • Birnensalat sagt:

      Das Beste
      Wenn dirs in Kopf und Herzen schwirrt,
      Was willst du Beßres haben!
      Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt,
      Der lasse sich begraben.

      Goethe, Johann Wolfgang

  6. @diadorim Ich schäteze Ihre Texte muß häufig schmunzeln und fühle mich ertappt… Wir entstammen der gleichen Generation (Golf) möchte ich sagen.

    Was mich aber enttäuscht, ist Ihr all zu häufige Oberflächlichkeit.

    Was sagen sie hier? Herbst würde gut lesen und wäre auch nicht eitler als andere?
    Wenn Sie die Diskussion auch mal daraufhin anschauen WAS gesagt wird dann werden auch Sie feststellen , das Herbst derjenige mit den eigenen Gedanken, mit den eigenen Theorien ist.
    Er muß sich nichts leihen, denn all die Fragen und Gedanken die an ihn heran getragen werden hat er sich selber schon gestellt.
    Dies zu sehen ist es was den Beitrag so besonders macht! Schauen Sie noch mal genau hin.
    Bitte!

    • diadorim sagt:

      recht eigentlich bin ich auch nicht generation golf. mit herrn illies, jetzt wollte ich glatt ilias schreiben, habsch nuescht zu schaffen, wenn, dann bin ich generation cannondale, handmade in usa, on the road in berlin, unterkategorie bad boy, file under hybridbike, statement, es schmeisst so schnell keine frauen ab und macht männer neidisch.

  7. diadorim sagt:

    aber ich kooperiere doch! und ich hab doch so viel lob ausgegossen. es reicht wohl nicht. ich komm einfach nicht so tief runter, aber immer wenn ich das arbeitsjournal lese, denke ich, da zieht er seine bahnen und das cello auf dem rücken verhindert mal für eine weile den tauchgang richtung ‚götter, gräber und gelehrte‘ und zielt eher so auf ‚menschen, tiere, sensationen‘. und weil ich für die cheap thrills immer zu haben bin, locken die mich halt eher als die parataktische iliasumschiffung. ich hab ja nich mal en segelschein. sehen sie, ein beuys ging ja auch nicht allein aufgrund seiner werke in die kunstgeschichte ein, obgleich er auch enorm schöne zeichnungen hinterlassen hat. man muss an jemanden wie den herrn herbst den erweiterten kunstbegriff anlegen, um seine qualitäten zu sehen, und wenn dass jetzt kein lob war, dann spring ich durch einen brennenden reifen.

    • @diadorim Ilias/Illies sehr schön! Sehr schön!
      Tatsächlich meinte ich und ich bin mir sicher Sie wissen es, den chronologischen Zusammenhang nicht den literarischen.

      Die iliaische Sache ist eben die, dass man mit Leichtigkeit eben doch den Zorn herauf beschwören kann, sowenig das eben die Intetion war.

      Mit einem Gruß für den Tag
      A.

    • diadorim sagt:

      bin ich delphi oder nicht?
      las ich doch gerade eine kritik von herrn ilias über frau danz in der zeit. woran erkennt man den gefakten lyrikkritiker? na? ich habs doch neulich präzise gesagt, oder? also quasi expressis verbis, nahezu ausgesprochen buchstäblich gezielt, genaugenommen gar apodiktisch. präzise müsse präzise umschifft werden, sagte kant doch schon, oder?
      und ich dachte, herr ilias hätte im golf sich immer die ohren verstopft, damit er die sirenen nicht hören muss.
      kommt mir ein bisschen so vor, als würde bei mir auto motor sport anfragen, ob ich den neuen porsche panamera (panorama, panamerikana, panoramakamera? ich wollte immer autonamen erfinden, wann fragt man mich endlich…) besprechen wollte, aber, warum eigentlich nicht, ich würds machen, aber auto motor sport hat mich leider nicht mal zur testfahrt gebeten. dabei fahre ich gut und kann einparken.

  8. Über die Frauen, die hier reagieren, bin ich glücklich. Wenn dieses – zugegeben – „Männer“buch von Frauen gelesen und – wie ambivalent auch immer – gemocht wird, dann ist es nämlich wirklich gelungen. Und wird am Leben bleiben, obwohl es für diesen saisonalen Betrieb viel „zu spät“ wieder da war und nun auch auf d i e s e Weise quersteht. Aber dann ist etwas erreicht, das ich mir wahnsinnig gewünscht habe – als es fertig war. Vorher war nur, wie immer, der Text, waren die Geschichte und die Frage, wie man denn eine solche erzählt: das Meer halt, die Meere, worauf man versucht, einen Kurs zu steuern, der auch – irgendwo – anlanden kann, ohne daß man statt dessen sinkt. Sollte das Männerbuch >>>> MEERE zu einem Frauenbuch werden, dann hätte der Roman sehr viel mehr erreicht, als ich je hoffen durfte.

    [Eigentlich gehört all dies nicht in die Anderswelt-, sondern in die >>>> Meere-Rubrik.]

  9. henz sagt:

    hirnverbrannte diskussion! das ist ein irrsinnig guter text. der hat im punken drive was von open mike. mehr hardrock als geschichte, saugt wien geiles drum solo. nur zu leise vorgelesen, das muss rappen und fetzen. kann nur sagen mehr von sowas! aber es den leuten um die ohren knallen

    • @henz. Danke.
      Anders als Sie finde ich die Diskussion aber n i c h t hirnverbrannt, sondern sogar wichtig. „hirnverbrannt“ dazu zu sagen, tut genau das, was ich nie tun will: es nimmt nicht für voll. Ich w i l l für voll nehmen, auch wenn’s unangenehm ist, und immer versuchen herauszuziehen und zu formen, was möglich ist. Dazu muß man auch Gegner akzeptieren. (Hieraus erschließt sich auch >>>> meine Haltung gegenüber Trollen, die manchen meiner Leser, deren Beiträge ich sehr schätze, z.B. >>>> Georg Keuschnig, nicht nachvollziehbar sind oder die sie sogar >>>> für ärgerlich halten. Die für mich klarste und mir nahste Position vertritt in diesem Zusammenhang >>>> Anaïs.)

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Der Mensch zu sich selbst Kunst muss heute den Menschen wieder zu sich selbst bringen, denn ihre argumente bezogen auf joyce, sprechen davon, dass die Kunst den Menschen zu joyce bringen soll, das ist ein Unterschied. joyce war wohl etwas neues in der literatur, das haben mir menschen gesagt, deren meinung ich achtete, also habe ich auch joyce einmal zu lesen versucht und schwer getan. aber ich kann nicht sagen, ob das jetzt dichtung ist, weil es neu war oder weil es andere sagen. sprechen zu müssen ist der vorteil von musik, ich erinnere mich an ein konzertbesuch zu anton werbern da wurde das auf die spitze getrieben mit sehr sehr langen pausen die so lang waren, dass ich den eindruck bekam, dass orchester sei ausgefallen, ich kann nicht sagen, ob es schöne musik war, aber diese pausen waren schön. und anton webern gehört ja nun auch zu den modernen. ich fand die pausen richtig, wenn sie sagen, der Reizüberflutung könne man in jeder epoche oder müsse ihr sogar gestalterisch beikommen, indem man sie nachahmt oder wiederholen versucht, dann stimmt etwas daran nicht oderes ist in der berechtigung, dass joyce das auch gemacht hat, aber wenn sie ihne wiederholen wollen, dann wiederholen sie ihn aber es entwickelt sich nicht, so wie sie sagen in weiterentwicklung für die zukunft.
      und alfred döblin hat es auch so gemacht.

    • „Kunst muss heute den Menschen wieder zu sich selbst bringen“. Was i s t der Mensch, zumal „selbst“? Davon haben gläubige Islami und Christen eine völlig andere Vorstellung als viele Japaner, als indisches Hindus, bzw. Jaints oder Sikhs, und als Tamilen, als Indios usw. Da liegt e i n Problem. Und dann entwickeln wir uns, und unsere Art entwickelt sich ebenfalls weiter. Sie hingegen hängen an einer sentimentalen eurozentristisch-humanistischen Anthropologie und verdinglichen sie. Aber es läuft so und so über Sie hinweg, vielleicht nicht mehr über Sie persönlich, und nicht über mich, weil wir nicht lang genug leben (ich aber vielleicht d o c h, immerhin möchte ich gerne 124 Jahre alt werden) – aber die Richtung läßt sich sehen. Mir kommen Sie wie Wilhelm II vor, als der sagte: „Ich glaube an die Zukunft des Pferdes. Das Automobil hat keine Chance.“
      Daß Sie sich mit Joyce schwergetan haben, dachte ich mir. Wie steht’s mit „Gravity’s Rainbow“? wie mit Rohner-Radegasts Semplicità? mit Stockhausens Licht-Zyklus? mit Kiefers Himmelspalästen? mit Vostells Environments? mit Marianne Fritzens genialem „Dessen Sprache du nicht verstehst“? mit Pendereckis Threnos? mit Bernd Alois Zimmermanns Ekklesiastischer Aktion? mit den weiten Bögen Michael Mantlers? mit Schumachers Erdbildern? mit Arno Schmidts „Julia oder Die Gemälde“? mit Döblins „Berge, Meere und Giganten“? mit Alfred Schnittkes Sinfonien? mit Karl Amadeus Hartmanns Versuch eines Requiems? wie mit Bergs Lulu? mit Scelsis Aion? Du meine Güte, den Menschen zu sich selbst bringen! Was ist das für ein Glasperlenkitsch. Lesen Sie mal Donna Harraway! Und Camille Paglia.

      Noch ein Wort zu „Döblin hat es a u c h so gemacht“. Hab ich nie gesagt. Aber ich knüpfe dort an, wo vorgeblich der Kahlschlag gewesen sei. Ich stehe in einer Tradition, bin nicht geschichtslos, sondern lebe in der Geschichte. Literatur ist a u c h ein Gespräch der je schon geschriebenen Bücher miteinander, ganz so, wie unsere Forschungen sich auch immer auf schon Erforschtem bewegen, es weiterentwickeln oder umstoßen und anders weiterschreiten – bis eines Tages der Sonnenball sich aufblähen wird. Aber dann, mit Sicherheit, werden wir längst Kolonien im Weltall haben, und d o r t geht’s dann weiter. Ich l i e b e es, daß es weitergeht. (Deshalb sind die Apokalypsen in ANDERSWELT eigentlich Geburtsszenen. Auch NULLGRUND ist das.)

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Geburtsszene- was damit alles wird, kann ich auch nicht sagen, auch schon in vergangenen jahrhunderte gab es ganz viel, sie häufen hier schon wieder an des haufens wegen, dann sind sie ein sammler, ganz recht, der häuft, wie das internet. aber ein sammler will nicht verstehen, aber häufen tauschen oder verkaufen, darin sind sie bürgerlich ordentlich, vorbildlich, und deshalb meinte ich oben, aber ein sammler hat kein thema ausser das sammeln und darin glaube ich verlieren sie sich selbst, also zersträuen sich und den hörer oder leser ihres textes.
      wir wissen nicht wie in zukunft geboren wird, vielleicht per kaiserschnitt, leise oder still und sauber oder garnicht oder noch gant anders.

    • @hauff. Ich häufe nichts an, sondern l e b e es. Das ist offenbar das, was Sie nicht verstehen. Vielleicht, weil es Ihnen selbst daran fehlt, weil Sie diese Leidenschaft nicht kennen, selbst an einem Vulkankrater gestanden zu haben, als er ausbrach – und immer wieder hinzuwollen. So geht es mir. Und so erlebe ich, was Sie abfällig „häufen“ nennen. Und: Wir können a h n e n, wie und ob in Zukunft geboren wird. Waren Sie einmal bei einer Geburt dabei, ja h a b e n Sie überhaupt Kinder? Falls nicht, können Sie nicht einmal mit Recht mitreden, da ist dann nur Armut. (Ich könnte auch fragen, ob Sie schon einmal getötet haben, irgend ein Lebewesen. Je älter ich werde, desto deutliche ahne ich, daß, nicht getötet zu haben, ein Zeichen dafür ist, daß man nicht lebte.)

      Doch über alle Ahnung hinaus können wir e r f i n d e n, träumen, fantasieren und dadurch mitschaffen, was werden wird. Atemlos und begeistert. Und es beschreiben. So auch das Unheil, das in Ihnen, scheint es mir, festgefroren und, damit es nicht mehr wehtut, auf Zimmertemperatur hinuntergedämpft worden ist. Ich habe dafür Verständnis, es ist aber kein Ansatz, Kunst zu verstehen. Kunst kommt von Hitze. Oder von Kälte. Nie aber aus der Wärme.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      oh doch ich weiß sehr wohl was eine geburt ist, herr herbst, eine geburt ist das, was nicht uns gehört!! was wir nicht tun aber was mit uns tut. das ist eine geburt!
      sie aber tun und kontrollieren und sammeln an und ordnen hin und her, das ist keine geburt.

    • diadorim sagt:

      oh, wie schrieb es die m so wunderbar: ‚der leser hat kein herz‘, er will nicht mit dir boxen. nur mit dem herzen, nicht mit beiden armen boxt man gut, oder? oder nicht? der franz ist verurteilt, die mieze gerichtet. döblin hätte ebensogut eine butterblume ermorden lassen können. nein, die geschichte fährt nicht zwei mal über den selben arm, sie nimmt einfach den anderen. das ist eine farce in achtzehn pasteten, man stopft ja auch das pferd in die wurst, und die pastete ins gedicht, könnte sein, dass seither die pferde nicht mehr lachen. ja, könnte sein. und der dichter, lachte der nicht. nein, monika, ich glaub, der lachte nicht.

      ich bedanke mich für monika rinck: ‚berlin alexanderplatz – was deine arme halten. (der leser hat kein herz)‘, neue rundschau, 120. jahrgang, heft 1, 2009.

    • Hauff, Sie sind ungenau. Ich fragte nicht, was eine Geburt s e i, und bin nicht so vermessen zu sagen, d a ß ich’s wüßte. Ich fragte, ob Sie bei einer dabeiwaren. In dieser Differenz liegt der Unterschied zwischen uns. Man kann es auch so sagen: Sie haben versagt, indes, ob auch ich versagt haben werde oder nicht versagt habe, sich erst noch zeigen wird. Sie haben aufgegeben und möchten sich dafür, daß ich das nicht tat, und für Ihre Kenntnislosigkeit zudem, an mir ein wenig schadlos halten. Ich bin da aber einfach der Falsche.

      Lassen wir es dabei bitte nun bewenden, vergessen Sie meine Arbeit und daß es sie gibt; schließlich werden Sie in ihr auch nicht geprüft. Denken Sie einfach an etwas anderes, an etwas für Sie Schönes und Wahres und Gutes, an einen Kuß in den Nacken, an eine weibliche Brust, die für Sie bebt – kurz: leben Sie I h r Leben, derweil ich dem meinen weiterfolge.

    • LeanderSukov sagt:

      Kunst muss Lieber Herr Hauff,

      Kunst muss nicht, mehr noch, Kunst darf nicht müssen. Kunst soll, um hier zu philosophischen Metaphern zu greifen, vielleicht wollen. Aber sicher bin ich mir darin keineswegs. Ich glaube, und das wird vermutlich nichts mit Ihrer Geschichte zu tun haben, Sie tragen eine sehr eigene und individuelle Ansicht der Kunst und ihres Schaffensprozesses in sich. Nun haben Sie sich leider einen Roman ausgewählt, um an ihm ihre Begriffsinhalte zu demonstrieren, der – nicht nur meiner Meinung nach – zu den besten Roman gehört, die in den letzten Jahren geschrieben worden sind. Seine Dichte, der Sprachrhythmus, die Erzählstruktur – sie alle deuten darauf hin, dass der zugrunde liegende Schaffensprozess eine Erhebung über eine bloße Hinübernahme von Dokumentation in Fiktion war; der Schaffensprozeß erscheint mir folglich als ein künstlerischer.
      In diesem Zusammenhang möchte ich einen weiteren Autor bemühen: Philip Roth. Auch wenn sich die Sprache Roths augenscheinlich – und dies in starkem Maße – von der Sprache Herbsts unterscheidet, so unterscheidet sich die Tiefe der Darstellung nicht und in diesem Falle auch nicht die Verkleidung der Fiktion als Dokumentation (das ist der umkehrte Fall, wie der im vorigen Absatz dargestellte). Herbsts Meere und Philip Roth „Exit Ghost“ haben, was die Stärke der Sprache und die Darstellung der Fiktion als Dokumentation angehen, Verwandtschaften. Schon dieses Beispiel macht deutlich, dass eine Verbildlichung des Schriftstellers über ein Werk kaum möglich sein wird. Das aber tun Sie. Sie deuten die Gründe es Schaffens aus einem Werk. Das muss zu Fehlschlüssen führen.

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Herr Sukow Ich möchte zu Meer nicht smehr schreiben. Picasso hat sein Guernika gemalt als eine Weltmalerei über einen Schrecken, wurde von ihm eine Stadt bombardierte Stadt genommen,das Bild zeigt aber nicht die Stadt, aber einen sehr prominenten erschrockenen Pferdekopf sehr gut arrangiert wie auch mit übrigen Mitteln sehr gut gearbeitet wurde. Picasso hat nicht Guernika gemalt sondern ein Schrecken, den er Guernica genannt hat, aber man sieht eigentlich kaum eine Stadt, auch keine Bomben. Picasso hat nicht ein Bild gemalt „Wie ich in Guernica in der soundsostraße vor einem Bistro am linken Knie von einem Bombensplitter verletzt wurde und darüber sehr erschrocken war oder so etwas, er hat also stark transzendiert ein Ereignis in dass allgemeine thema Schrecken, den er Guernica genannt hat. Selbst wenn in 200 Jahren niemand mehr weiß, was Guernica heißt, wird man dieses Bild noch erhaben betrachten, weil es ein thema überzeitlich behandelt hat. Es stellt sich hier garnicht die Frage nach Fiktion oder Dokumentation sondern einzig nach der Berechtigung in Künstlerschaft. Dass auch ein therapeutischer Text, ein therapeutisches Bild anderen gefallen kann, habe ich in meiner therapie erlebt, aber deshalb war es nicht kunst. In der Malerei ist es nun noch so, dass ein modell gefragt wird ob es gemalt werden möchte oder nicht, oder es wird dafür bezahlt. Auch andere große Maler haben gelegentlich ihre Freundinnen gemalt oder gezeichnet, auch ich, aber es gibt auch unzählige bilder, die die öffentlichkeit nicht gesehen hat und nie sehen werden, weil die freundinnen es nicht wollten, das ist ganz normal in der malerei, da malt man eben mal seine freudin so fürs private ins notizbuch, oder auch größer, das kann auch hübsch anzusehen sein, aber deshalb ist es eben nichts welthaftes großes …allein, wenn sich bei Kunst schon die Frage stellt, ob es Realität oder Fiktion ist, dann ist wohl irgendwas schief.

  10. g.emiks sagt:

    zur austrocknung der meere früher gab es eine
    fiktion
    weil die realität sie brauchte jetzt gibt es eine
    realität
    weil die fiktion sie braucht

    • Wilhelm Hauff? sagt:

      sei meinen weil den menschen, die kunst machen wollen kaum noch richtige erfahrungen machen, die nicht auch fiktion sein können und deshalb austauschbar?

    • g.emiks sagt:

      ich rede von den fischen und wie könnten sie denn besser zeigen/
      dass sie die meere mehr lieben als alles/
      wenn nicht durch den wunsch zu leiden für sie

    • Wilhelm Hauff sagt:

      Ist das dann schon Kunst, wir lieben ja doch so einiges im Leben.

    • g.emiks sagt:

      von jetzt auf eben vor tausenden von jahren war hier alles
      m e e r
      krebse fische
      m u s c h e l n
      und dann kam plötzlich ein klimawechsel und die
      k u n s t

  11. ghettofaust sagt:

    verdammt herbst, schreib kein roman mehr, schreibm theaterstück, is viel geiler!

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