Bamberger Elegien (112). Anmerkung zu den neuen Fassungen ab September 2009 („Fünfte Fassung“).

[Scelsi, Maknongan.]

Auf die Idee brachte mich Αναδυομένη, >>>> als ich ihr vorlas (15.05 Uhr im Link). „Das ist wie Prosa“, sagte sie, „aber es ist auch n i c h t wie Prosa, etwas irgendwie dazwischen ist es.“ In dem Moment wurde mir klar, daß ich die Zeilenbrüche wegnehmen und die Elegien wie Prosastücke durcharbeiten muß. Dann geschieht nämlich das, was ich mir eigentlich oft auch so vorgestellt hatte: der Hexameter bleibt als durchlaufender Grundbaß erhalten, aber drängt sich nicht mehr so vor, wie wenn man die Elegien in Zeilenbrüche setzt. Vielmehr schwingt der „Prosa“text hexametrisch. Ich merke zugleich, daß mich das Verfahren sehr sensibilisiert; wo ich vorher geneigt oder gezwungen war, der Regel halber Füllwörter einzufügen, nehme ich sie jetzt weg und mache die entstehenden Brüche vermittels anderer Einfügungen und Streichungen geschmeidig; aber nicht nur formal, auch expressiv und in der Wort- und Bildwahl werde ich heikler; heikel genug war ich zwar eh, aber indem ich es nun nicht mehr mit einem Korsett aus Fischgräten, sondern aus feinsten, sagen wir, Fiberglasstäben zu tun habe, kann ich „freier“ modulieren. Was das dann schließlich werden wird, formal, ist mir unklar, irgend etwas in Richtung Novalis, Hymnen an die Nacht, in Richtung Rimbeau, Un saison en enfer, in Richtung ich weiß nicht.
Ein Stichwort ist „Schlichtheit“; der Zeilenbruch erhöht die Verse, die Prosafassung nimmt die Erhöhung in ein scheinbar Sachliches zurück, das das Pathos viel besser trägt, spüre ich. Dennoch stelle ich mir jetzt vor, daß ich die Elegien, sollten sie unwahrscheinlicherweise doch einmal als Buch erscheinen („kein Mensch druckt dir das“, denke ich ständig), schmaler setzen lassen will als eine narrative Prosa, mit breitem linken Rand; so etwas steuert die Leseerwartung. Auch will ich nicht mehr „die erste Elegie“, „die zweite Elegie“ usw. über die einzelnen Texte schreiben, sondern sie einfach durchnummerieren, vielleicht sogar ohne neue Seitenumbrüche zum je nächsten Gedicht, sondern wie Romankapitel. Das wird das Buch schmaler machen, bzw. ein Format erlauben, daß man es sich in die Jackentasche stecken kann – so, wie >>>> Cellini sich das in der noch frühen Entwicklungsphasen dieser Gedichte vorgestellt und gewünscht hat, was wiederum beim langzeiligen Hexameter buchtechnisch nicht darstellbar gewesen wäre.
Seltsam übrigens. Als ich die Elegien begann, waren sie als Fingerübung für den noch zu schreibenden Epilog von >>>> Anderswelt III gedacht, der im Hexameter stehen soll, aber ohne daß man das am Zeilenbruch sieht, also als Prosa. Jetzt komme ich mit den Elegien genau dort an, wo ich mit Anderswelt „landen“ wollte. Die Lösung hab ich also alle Zeit schon in mir rumgeschleppt und den ganzen Wald vor Bäumen nicht gesehen. Das ist nicht ohne Komik, vor allem, wenn man bedenkt, daß so gut wie alle meine Gedichte seit Juli 2006 von den Elegien ihren Ausgang nahmen und dann offenbar rückwirkend die Elegien beeinflußten.

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11 Responses to Bamberger Elegien (112). Anmerkung zu den neuen Fassungen ab September 2009 („Fünfte Fassung“).

  1. Avatar cellini says:

    Die Bamberger Elegien werden erlöst. Wovon?. Denken Sie mal an Gluck.

    Wiewohl der Grad der Erleichterung ein Maß für die vorangegangene Schwere ist.

    • Hab ich das Wort „Erlösung“ geschrieben? (Inwiefern >>>> Gluck?)

    • Avatar cellini says:

      Das Wort „Erlösung“ schrieben Sie nicht, ich las es trotzdem.

      Was hat Gluck denn gemacht. Er drang in das wahre Wesen der Gattung Oper und schuf nach dieser Erkenntnis. Er ließ einen Charakter sich nicht bewähren, sondern er ließ ihn einfach nur seine seelischen Stimmungen ausleben, und aus diesen reduzierte er die Formgestaltung aus dem Seelischen auch noch heraus… in eine deutliche Einfachheit einer musikdramatischen und nicht musikalischen Form. Gluck hat nie auf Erfindung eines Gedankens wert gelegt, wenn er nicht von der Situation selbst herbeigeführt wurde und ihrem Ausdruck entsprach, er hat oft zugunsten der Wirkung die Regel geopfert.

      Noch ein Nachtrag:
      In Ihren Bamberger Elegien sehe ich ein Hauptmotiv als Ganzes. Sie schaffen es aber (wie Gluck), diesem Ganzen das Einzelmotiv des Individuums gegenüber zu stellen. Dieses messen der Gegensätze ist die Bewegung des Grundwasserstroms.

    • Avatar werner bischofslinski says:

      ich halte gluck’s musik ihrer zeit gemäss für deskriptiv, konzeptionell abgetrennt von der form oper betrachtet, also ohne besonders grosse subjekthafte anteile, welche sich zu dem komponisten selbst zurückbögen und selbst in den höhepunkten singulärer ( individueller ) emotionaler gesteigertheit von protagonisten, wobeiauch pathos als ein deskribiertes pathos mir zumindest erscheint.
      hm – also diese persönliche einschätzung ist kaum belegbar, vermute ich mal.
      kenner dürften mir allerdings schon stellen aufzeigen können, an welchen gluck
      schon zu sich selbst kommt innerhalb seiner musikalischen textur, womöglich.
      keine ahnung – allerdings wäre ich da vorsichtig mit eindeutigen festschreibungen, das wollte ich nur noch dazu posten.

    • Avatar werner bischofslinski says:

      celline kurze anfügung- mir kommt das irgendwie so vor als wollten sie herbst zu einem protagonisten gluck’s machen, welcher deskriptionen erstellt die dann zu einer art objektivität eines formal wahrhaften zurückliefen ?
      wenn das wesen der oper die deskription wäre, so wären sämtliche musikalischen
      texturen bis zur völligen auflösung von harmonik z.b. als deskriptiv innerhalb der
      gattung oper aufzufassen, – rein intellektuell betrachtet stimme ich dem sofort zu.

    • Avatar cellini says:

      @werner bischofslinski (Gast) Wissen Sie was?. Sie kriegen jetzt von mir eine klare Ansage. Tun Sie doch einfach mal das, was Gluck getan hat und beschränken Sie sich auf (einfachen) Ausdruck, damit ich man bei dem, was Sie schreiben, auch mal etwas empfinden kann.

      Sie kennen sicherlich die Bamberger Elegien in all ihren Fassungen?. Darum geht es hier nämlich…. um die Re:form dieser.

  2. Avatar Martin Sperr says:

    Wenn schon denn schon Rimbaud

    • Avatar werner bischofslinski says:

      dieses von ihnen gerade verallgemeinernde man akzeptiere ich hier nicht, celline.
      ich halte mich demzufolge auch nicht für unversalistisch, insbesondere nicht
      hinsichtlich gluck, den sie halt geschmacklich präferieren, ohne dem eine univerale
      bedeutungsfähigkeit zusprechen zu wollen, so ich hoffe.
      kann ich aber verstehen, dass jemand das gefühl gluckscher musik mag

    • Avatar cellini says:

      Ich hab’s korrigiert. Gluck betreffend geh ich mal kramen, ich hab da noch eine 49 Seiten lange Hausarbeit in der Schublade liegen. Wenn Sie möchten, schick ich Ihnen die gern.

      Und.. ich heiß C e l l i n i

    • Avatar werner bischofslinski says:

      @cellini ja danke erst mal und gut zu wissen – gluck hat bei mir gefühlsmässig eine art sonderstellung im positiven sinne, obwohl ich kaum platten von ihm hab, & diese
      desweiteren im keller weil mein plattenspieler nicht mehr funktioniert …
      allerdings höre ich das dann lieber – sehn sie mir das bitte nach – insofern mir halt danach ist – wohl im netz, schau mal nach, das klassikangebot erweitert sich dort ja auch zusehends …

      schönen tag und danke !

    • Avatar werner bischofslinski says:

      äh sorry – cellini – wollte sie jetzt nicht brüskieren, also es ist ja echt nett, dass sie
      sich diese mühe gemacht hätten , also wenn das irgendwie schon verlinkbar wäre,
      hätte ich eigentlich sofort mal da reingeschaut.

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