Arbeitsjournal. Donnerstag, der 11. Februar 2010.

8.36 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
Seit halb sieben auf, gleich ans dritte Orpheus-Gedicht, fff., hab’s auch >>>> beinahe fertig; bin mit aber unsicher, ob, wenn die übrigen Texte die Formen auflösen, dieser Rilketon hier paßt; vielleicht aber braucht es noch dreivier mehr solcher „Ton”zitate. Mal sehn.
Gestern hatte ich fürs Arbeitsjournal noch Folgendes notiert: 17.19 Uhr:
S c h o n spannend, >>>> wie offen sich der Zeit„geist” unterdessen gibt. Die Leute haben überhaupt keine Scham mehr, auch öffentlich das Geducke zu proklamieren, die Anpassung, den Anschluß. Daß Die Dschungel solche Eingeständnisse provozieren, macht sie auf ihre Weise zu einer fast gnadenlosen Zeitmitschrift
dann las ich aber >>>> das da und wurde ziemlich unsicher, weil ich diesen Vorwurf des Reaktionären allmählich über habe; andererseits war das aber insgesamt eine doch eher freundliche Einschätzung, die mich d a n n wieder irritierte, als woolf noch einmal kommentierte, aber nun in so anderem Ton, daß ich dachte, hier ist abermals eine Identität von jemandem anderes benutzt worden, einfach um zu vertreiben. Sowas gehört aber ins Konzept Der Dschungel mitten hinein, >>>> ich schrieb das neulich schon Sophie B.; das Einfachste, sowas von sich abzuwenden, ist die Registrierung eines Kommentarnamens. Insofern muß ich davon ausgehen, daß jemand, der sich nicht registriert, es ganz bewußt inkauf nimmt, vielleicht sogar w i l l, daß mit dem eigenen Pseudonym polymorph gespielt wird. Übrigens erinnert mich >>>> Henze an >>>> Brem, der ja längst Romanfigur in ARGO geworden ist, aber mit dem ich mich leider damals überwarf, bzw. an >>>> wm. Darauf kam ich aber erst wegen meines Lesefehlers, der aus „rastlos” „ratlos” machte und ganz offenbar von der/m ersten woolf wiederholt wurde. Mag an Henzes Formulierung liegen. Jedenfalls paßt der Vorwurf der Rastlosigkeit zu Brem, sowohl zu meinem Kommentator als auch zur Figur, auch sie hätte etwa Deters Rastlosigkeit vorgeworfen, mit einigem Recht, aber auch mit Unrecht, wenn man die Ergebnisse anschaut. Über so vieles daran denke ich grad nach.

Heute wird’s ein ruhiger Arbeitstag werden; mein Junge ist für nach der Schule auf einen Geburtstag eingeladen, ich seh ihn dann erst abends; werde Am Terrarium sein und wieder über den Schlaf der Kinder wachen, weil लक in einem Konzert sein wird. Ich lege die Orpheus-Serie für heute beiseite und geh an die Essays wieder. Wahrscheinlich wird sich auch Delf Schmidt wegen des Lektorates melden. Und شجرة حبة rufe ich gleich an, wach sein wird sie schon. In ihrer Stimme vibrierte gestern eine entzückende Drohung: „Falls Du versucht sein solltest, Dir in Deinem Revier weitere Dienerinnen zuzulegen, tust Du gut daran, mich das nicht wissen zu lassen.” Weitere innere Vorbereitungen auf >>>> Melusine Walser.

12.18 Uhr:
Meine Güte, geht mir >>>> biker auf den Keks… Ich sollte nicht mehr auf ihn reagieren.

Die Essays fertigbekommen, nach dem Mittagsschlaf druck ich sie aus und fahr sie kurz im Verlag vorbei; ich hab einige rausgenommen, aber 225 TS-Seiten sind’s dennoch: bei meiner engen Seitenformatierung käme man bei sehr kleinem Buchdruck auf rund 350 Seiten, bei d e r Ausgabe, in der ich die Texte gerne hätte, auf weitaus mehr; als wird n o c h etwas rausgenommen werden müssen. Na mal sehn.
Hatte gestern ein Rinderfilet gekauft, weil ich noch davon ausgegangen war, daß mein Junge heute mittag herkommt; Wirsing hatte ich überdies gekauft… und jetzt, damit nichts davon umkommt, einen Eintopf gekocht, das Fleisch geschnetzelt und scharf angebraten und wie ein Goulasch gegart, dann zur Suppe gegeben. Luxuriös, luxuriös. So schmeckt das jetzt aber auch.

So, Mittagsschlaf.

13.01 Uhr:
Das wiederum macht glücklich, DS schrieb gerade::gilt eigentlich die alte Postanschrift „Dunckerstr.“ noch genauso? Möchte Dir Teil zurückschicken, damit Du draufschauen kannst, es macht großen Spaß, Deine Erzählungen zu lesen, immer wieder zieh ich den Hut vor der Phantasie, die Du an den Tag legst.. So, jetzt aber hinlegen!

16.24 Uhr:
Das Essay-Typoskript ist beim Verlag. Nachdem mir Büning von der FAZ den wirklich schönen Brief der >>>> fondazione Scelsi weitergeleitet hat, habe ich mal nachgehakt, ob ich für die FAS einen Aufsatz darüber schreiben dürfe, daß längst der Pop Herrschaftskultur ist und sich längst auch so benimmt. Ihre Antwort ist resignativ, im Sinne: jeder, der mit E-Kultur befaßt sei, wisse das und leide darunter; sie selbst habe darüber schon oft geschrieben, aber es interessiere niemanden wirklich mehr. Resignativ. Dann liegt die Abrechnung von der FAZ im Briefkasten. Für >>>> diesen sehr langen Text gibt es 131,61 Euro. Zwei Wochen saß ich daran. Es ist wirklich nicht zu fassen und wirkt, als hätte jemand Bünings bittere Bemerkungen dreimal mit Rotstift unterstrichen und ein keckerndes „Hè hè hè!” an den Rand geschrieben. Ich habe per Mail zurückbemerkt: es sei schon so:: Österreich habe angeschlossen werden w o l l e n.

17.40 Uhr:
Cello zu üben kann, auch wenn’s nach nix klingt, eine Wohltat sein. Ich mach mal weiter. Dann duschen. Dann rüber an Terrarium. Jeans will ich mal wieder tragen, und Flauschpullover.

21.08 Uhr:
[Am Terrarium-]
Wie ich gerade lese (>>>> Michael Maar, Solus Rex), habe ich meine seltsam instinkthafte Abneigung gegen Homosexualität mit Nabokov gemein – nicht, übrigens, gegen Homosexuelle; ich kann mit Schwulen tatsächlich eng befreundet sein, ich kann sie auch bewundern wie etwa Benjamin Britten. Aber das nimmt von meiner Ablehnung dieser sexuellen Neigung nichts.
Großartiges Buch, übrigens, Solus Rex von Maar.

Und wir haben wieder Neuschnee.

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29 Kommentare zu Arbeitsjournal. Donnerstag, der 11. Februar 2010.

  1. biker sagt:

    sie sind lustig wieso sollte sich der „Zeitgeist“ verstecken. Der Zeitgeist ist dazu da, sich offen zu geben. Sonst wäre er kein Zeitgeist. Sonst würde er auch garnicht funktionieren.
    Wir brauchen die unique sales proposition um heute in der vielfalt der angebote eine Orientierung zu haben.

    • „wieso sollte sich der „Zeitgeist“ verstecken“? Weil er sich – peinlich ist.

      (Ich brauche keine Orientierung. Ich orientiere mich selbst.)

    • biker sagt:

      der zeitgeist ist sich nicht peinlich. Er ist lebensnotwendig. Er generiert Bedeutungen, von denen wir leben. Selbst noch ihre ungeheizte Wohnung wäre völlig bedeutungslos, wenn alle wohnungen ungeheizt wären. Wahrscheinlich würden sie dann wieder heizen, weil es dem Zeitgeist der ungeheizten Wohnungen an den Pranger stellt. Lassen sie doch den Unfug und positionieren sie sich als Musikschriftsteller.

    • Wirklich, biker: Weshalb sollte ich? Lebensnotwendig war, unter Hitler mitzulaufen, gell? Sehen Sie, dies ist der „Geist“, den Sie vertreten. Wenn es Ihnen auf gute Musikschriftsteller ankommt, werden Sie doch selber einer. Echt.
      Irgendwie scheinen Sie Angst vor meiner Vielseitigkeit zu haben, jedenfalls: sie behagt Ihnen nicht. Und permanent der gleiche Ausruf. Fangen Sie doch einfach mal an, meine Bücher zu lesen, und versuchen Sie, unvoreingenommen zu sein. Dann bekommen wir – vielleicht – das Fundament für ein Gespräch.

      Und merken Sie es sich: man kann mich nicht beugen. Niemand.

    • biker sagt:

      sei dürfen machen, was sie wollen, ich gebe nur Tipps. Ich will ihnen doch nicht die Vieleitigkeit ausreden, lediglich eine Marktstrategie andeuten.
      Die Welt ist doch voller Jacques Cousteaus, die ausserdem noch Kamele züchten und Briefmarken sammeln. Das ist nicht der Punkt. Mir geht es um die Unique Sales proposition, sozusagen um den Jacques Cousteau, und ihr Meer ist die Musik.

    • Bibo sagt:

      Das Wort Marktstrategie im Zusammenhang mit Kunst, irgendwie hat dass was wie Elefanten in einen Käfig stecken und was draus machen.

    • biker sagt:

      bibo, von welchem stern sind sie denn? Glauben Sie, dass das Modell verkanntes Genie reicht, um zu reüssieren, nein, sie müsssen sich aufstellen mit dem was Sie am besten können.

    • Bibo sagt:

      Kurios, es ist völlig gleichgültig was sie erzählen, denn es hat ohnehin nichts mit Kunst oder Literatur zu tun, übrigens ich lebe auf dem Planeten Ulmus, dort leben lauter Eichhörnchen wie ich und wenn wir das Wort Marktwert hören fangen wir immer an zu kichern

    • biker sagt:

      bibo, es hat nichts mit Literatur zu tun? Und was ist mit Balsac, der sich bekanntlich viele seiner Geschichten von ghostwritern schreiben ließ? Und sich besten vermarktet hat. Und was ist mit shakespeares company, die bekanntlich eine Firma war eine Art Drehbuchschmiede für Erfolgsstücke…? Das ist alles Markt und Literatur.

    • Bibo sagt:

      Wenn Sie so ein Wirtschaftsfachmann sind, warum gehen sie dann nicht
      in den Wirtschaftsbereich des Internets, wenn einer nicht auf Wirtschaft
      abfährt ist es seine Sache, da muss man niemand schlau reinreden und
      Balzac hat auch viel Kaffee gesoffen, aber das interessiert sie natürlich nicht.

    • biker sagt:

      ganz zu schweigen von Uwe Tellkamp, der den Wenderoman schrieb, der erwartet wurde, und es ist trotzdem ein monumentales hervorragendes Werk. Ja, natürlich war es kalkuliert auf Nachfrage und dem Betrieb angeschrieben, aber es ist große monumentale Literatur….sie müssen sich mal dieses verkniffene und spitzweghafte Poetenbild abgewöhnen…

    • biker sagt:

      das ist noch einmal ein guter hinweise von Ihnen gewesen, balsac hat wirtschaftlich so ausgetrahlt, das noch heute eine wirtschaftlich prosperierende Franchise-Kaffee-Kette nach ihm benannt wird. Beaumarchés war auch ein hervorragender Selbstvermarkter und Gechäftsmann.

    • „große monumentale Literatur“ D a s Buch nun wirklich nicht. Monumental ist der Umfang daran, nix sonst. Aber daß Sie das meinen, zeigt, wie Sie geprägt worden sind. Es ist nicht Ihre Schuld, ich weiß. Wir sind a l l e Pantoffeltierchen mit konditionierten Reflexen, nur unsere Abrichtung ist verschieden. Dasselbe gilt für die Jugend in faschistischen und doktrinären Systemen: nur wenige bekommen die Vorgaben, daraus auszubrechen.

    • Bibo sagt:

      Klar und Pusckin verkauft sich auch nur deshalb so gut, weil Puschkin immer wenn er sich duelliert hat Wodka getrunken hat, aber was hat das bitte mit dem zu tun was die Herren geschrieben haben?
      Allerdings Tellkamp oder wie dieser Kerl heißt würde ich da rauslassen, der kann
      meinthalben im wirtschaftsbereich Lesungen halten.

    • Bibo sagt:

      lexander McQueen Der Designer hat sich umgebracht und wie kommt es, dass in ihrer ach so glücklichen Welt die Leute Selbstmord begehen, wo sie doch immer alles richtig machen?
      Vielleicht kann man gar nichts richtig machen, aber anderen immer erzählen wie die Welt geht, das ist Schwachsinn, leben Sie für alle zum Erstaunen glücklich, aber
      lassen Sie doch die anderen mit ihrem „Unglück“ in Ruhe

    • biker sagt:

      jaja.. ich weiß…sie können ja nichts gelten lassen. Robert Bolanos 2666. ist nun noch mal ein anderes Kaliber. Hansaverlag schreibt: Literatur von einem anderen Planeten. Ich habe gedacht, dass sei Werbung, aber nun habe ich es gelesen, und zwar atmlos, schockiert. Borges, Hitze, Erotik, Phantasie, Gewalt, Prostitution, südliche hitze, Abgründe, Schmutz, Intelligenz etc….er wurde in New York in „harrypottersken“ Auflagen stapelweise verkauft. Nun frage ich Sie, auch dieser Roman ist sicher keine leichte Kost, aber trotzdem verkauft er sich gut. Alles ein Frage der Vermarktung. also ist auch monumentale Kunst marktfähig.

    • Bibo sagt:

      Sie reden einfach einen unfähigen Quatsch.
      Wie oft wurde wohl „Hundert Jahre Einsamkeit“ verkauft und
      dem gegenüber steht ein Freudensprung von SAmuel Beckett, der hörte das in Deutschland schon 30 Bücher verkauft wurden..
      Was immer sie auch reden ist Unsinn.
      Wenn ein Buch sich gut verkauft ist es das Beste was dem Autor passieren kann.
      Glauben se Herta Müller hätte von ihrem „Herztier“ so viele Bücher verkauft wenn sie den Nobelpreis nicht bekommen hätte? Deshalb wäre es aber trotzdem ein großes Buch gewesen

    • biker sagt:

      bolano sagt: „Die Bücher sind endlich, die sexuellen Begegnungen sind endlich, aber das Verlangen, zu lesen und zu vögeln, ist unendlich, es überdauert unseren Tod, unsere Ängste, unsere Hoffnungen auf Frieden.“

      Nun könnte man sagen, das ist kein besonders tiefsinniger Satz, eher platt, aber er ist ein guter Anreisser um dem Autor ganz klar zu positionieren als Radikalinski und kompromisslosen, leidenschaftlichen und literaturversessenen ebenso hyänenhaften wie kraftvollen vitalen Schriftsteller. So eine Aussage setzt er in sein Essay und das versteht jeder. Und so vermarktet man sich und setzt einen Punkt. Nun hat er sogar eine tolle storry. Aber weil das nicht zu toppen ist, weil dieser typ eben so war, hat er seine positionierung gut und deutlich abgesteckt. Auf seinen Platz kann kein zweiter rücken.

    • biker sagt:

      Becket ist wunderbar positioniert. Auch der seltene oder seltsame und wortkarge „Endspiel“ – Meister für Kenner und Geheimtippfetischisten ist eine unique sales position.
      Er hat eine eigene Geschichte, eine Story.
      Das schöne an Becket war ja, dass er ausgerechnet in einer Zeit seinen Zenit hatte, als es wirtschaftlich nur bergauf ging. Das ist clever. Er hat einen guten kraftvollen Punkt gesetzt. Becket hat sich extrem fokussiert und in seinem Segment seine Kultur entwickelt, sein Problem, seine Geschichte. Becket ist das „Tempotaschentuch“ oder der „Tesafilm“ der Aussichtslosigkeit. Damit hat er eine unique sales proposition.
      Man muss seine ganz eigene Kultur entwickeln und das wird dann kraftvoll. Es hat keinen Sinn, als Deutscher zu versuchen, üppig sein zu wollen. Oder verspielt. Oder südamerikanisch. Das kommt nicht rüber. Die Welt erwarten von Deutschen etwas, das Deutschland wiedergibt, so wie Bolano Südamerika gibt.
      Becket hat damals eingeschlagen, weil seine Texte perfekt zu dem frnzösischen Existenzialismus passten, vom Ton her, obwohl sie damit nichts zu tun haben.

    • femme100tetes sagt:

      Positionierung & Sprache (@ biker) Nehmen wir einmal an, Sie, biker, machten ernsthaft Werbung für das, was Sie Herbst hier schmackhaft machen wollen… Werbung besteht zu einem Gutteil darin, eine verständliche Botschaft zu übermitteln, also hier (da Sie keine Bildchen und Filmchen einstellen können o. wollen) mittels einer verständlichen Sprache.
      Bemerkenswert an dieser Unterhaltung ist nun, dass Sie, biker, sich einer ganz anderen Sprache bedienen als Herbst. Und dies nicht zu bemerken scheinen. Nicht was Sie sagen, ist überraschend (dergleichen ist in Chefetagen von Kultuir- und Bildungseinrichtungen seit langem hörbar), sondern wie Sie es ausdrücken, ohne zugleich dieses Wie zu bemerken: Marktstrategie, Positionierung, Ihre Angliesierung des „Alleinstellungsmerkmals „feuern“ doch geradezu mit ihrer militärischen Herkunft, wie es auch die seit einiger Zeit abgeflaute Dauerrede vom Standort Deutschland tut und (ja!) auch bereits die Werbe-Kampagne getan hat. (… der angebliche Dichter Beau-marché bildet hier nur eine amüsante Fehlleistung, die eines Freuds nciht mehr bedarf …)
      Herbst merkte das und versuchte Sie in einer Anspielung auf den Hitlerismus (militärische Sprache made flesh) darauf hinzuweisen. Doch Sie merketen nix, sprachen einfach weiter, als wären nun Sie von einem anderen Stern.

      Was lernen wir Leser daraus? Nicht das Individuum positioniert sich, sondern seine Sprache positioniert es.

      Um Herbst zu überzeugen oder zumindest zu verunsichern (nicht ihn zu „beugen“) müssten Sie, biker, Ihre Sprache anpassen, in seiner Sprache zu ihm sprechen, wie das anderswo woolf getan hat. Da Sie es nicht tun, laufen Sie Gefahr werbefachlich untauglich gemustert und in eine Störenfriede-Einheit in der Etappe gesteckt zu werden. Wegtreten!

    • biker sagt:

      @femme, jetzt mal von Mann zu Mann, und das hat immer auch einen militärischen Drive – ja Alleinstellung – Stellung – Stehen – sie sagen es, Aber das, um sie zu beruhigen, kommt zum Beispiel auch Frau Hegemann zu, die so frech war, einfach zu klauen, und daraus etwas gemacht hat, das IMPAKT hatte. Verstehen sie IMPAKT, Durchdringung, Penetration. Fokussierung. Sie hat womöglich alles nur geklaut, aber sie hat es fokussiert zu erigierter Gegenwart. Ein guter Text, ein guter Roman muss erigierte Gegenwart sein, blutprall von Gegenwart. Der Markt muss penetriert werden. Etwas muss „Schuss“ haben. Shot. Es ist also keine nur männliche Militär-Überlegung, sondern eine Fähigkeit und Tugend, die Frauen ebenso zukommt. Und Bolanos Roman zum Beispiel, obwohl viele Anleihen drin sind, ist erigiert Realität, obwohl er auch zum Teil phantastische und wie die Kritik sagt, postmoderne Elemente hat. Ich sage ihnen. Mich interessiert nicht die Briefmarkensammlung oder die Kamelzüchtung von Jaque Cousteau. ebenso wie Nabokovs Vorliebe für Schach nicht dazu geignet ist, ihn zu vermarkten. Weil Nabokov kein Schachmeister war, sondern ein Sprach-Monster, ein Literatur-Ungeheuer, ein Satzmeister und der itimse Vertraute erotischer Abgründe, dabei nicht mal besonders schlüpfrig…
      Nun kommt es wie gesagt drauf an, seine Stärken zu entwickeln, also man muss sozusagen den Schwanz seines Talents kennen und von der Welt erregen lassen, und nicht den Zeigefinger oder den Ellenbogen, dann wird das auch was mit der Kunst UND mit dem Erfolg. Also es kommt darauf an, die Stelle zu entdecken, wo das Schaffen einen Brennpunkt hat zwischen Welt und Selbst. Bei Herbst ist es die Musik. Bei Bolano ist es der narrative Rausch, der Eros, die Gewalt, die Landschaft, bei Becket war es das Führen von Gesprächen ohne Perspektive.

    • Bolano: Ja! (Foster Wallace: Nein). Inwiefern lasse ich nichts gelten? Dann schauen Sie sich doch mal meine Aufsätze an… über wie viele Autoren ich geschrieben habe und wie viele ich gelten lasse, ja bewundere. Sie kennen einfach nichts von mir, oder wenig.

      Aber das Problem liegt anderswo:Es hat keinen Sinn, als Deutscher zu versuchen, üppig sein zu wollen. Oder verspielt. Oder südamerikanisch. Das kommt nicht rüber. Die Welt erwarten von Deutschen etwas, das Deutschland wiedergibt, so wie Bolano Südamerika gibt.Ich b i n üppig. Das soll ich mir zerknorkeln lassen, nur weil „die Welt“ erwartet von einem Deutschen, wie ein Deutscher zu sein? Was, mit Verlaub, ist das für eine Art Rassismus? Was bitte i s t ein Deutscher? Der sei für alle Zeiten festgelegt auf schlechtes Gewissen, Zerknirschungen, bzw. USA-Vasallentum? Ja du meine Güte! Was käuern Sie da wider, was haben Sie da alles an – ja: rassistisch-nationalem – Zeug schlucken müssen und nehmen das auch noch ebenso an, wie Sie die Sprache des Kapitals verinnerlicht haben? Jesses, Sie haben von Bolano ja nun überhaupt nichts verstanden! Wen oder was lesen Sie da? Sich selbst, immer nur sich selbst: alles ein Spiegel der Marketing-Industrie. Man könnte aufseufzen, aufschreien, rufen: Bolano tat recht, so früh zu gehen – wenn er Leser gewärtigen muß wie Sie. Und denen auch noch, wider seinen Willen, das Futter gibt.

    • femme100tetes sagt:

      @ biker, oh bitte! Jetzt outrieren Sie aber. Und tragen die Gleitcreme so dick auf, dass ich ich Sie mit einem Hot-Dog-Verkäufer verwechseln könnte…

      „Erigierte Gegenwart“ ist mir zu undynamisch; ich denke da an Richard Gere, der einen Manisch-Depressiven spielt und, während er bei einer ausdruckstanz-Therapie stocksteif dasteht, auf die Frage der Therapeutin, was er darstellen wolle, erwidert: ‚Eine Erektion.‘

      Sie können gern Ihre privaten literarischen Rassengesetze erlassen, Bola*no, Becket oder Nabokov kupieren (die können sich ja nicht mehr wehren) und auf Hegemann abfahren. Aber achten Sie doch – goodness – auf Ihre Sprache dabei (‚impact‘ germanisiert mit ‚k‘!!)! Das Deutsche sagt es doch schon sooo deutlich: ver- markten.

      Wenn Sie den Schwanz Ihres Talentes gefunden haben (Lupe!!), schießen Sie erstmal auf die Tastatur. Vielleicht kann mann ja dann mit Ihnen ein Gespräch führen…

    • biker sagt:

      femme und Herbst Ich sage ihnen mal wie man den Schanz seines Talents findet.
      Leser haben ein ungeheur genaues Gespür dafür, wann ein Text wirklich stimmt. Dieses Gespür, das können Sie sich hinter die Ohren schreiben, ist immer sicherer als des Gespür des Autors. Und meistens auch des Lektors.Frau Hegemann nennt es „Echtheit“ und grenzt es pointierter Weise ab von Originalität: Sie sagt: Ich bin nicht original aber dafür echt.
      Wann ein Text wirklich seinen Brennpunkt erreicht. Auch wenn er noch so abseitig liegt. Das nenne ich Charisma. Dieses Charisma hat nichts mit „Selbstbewusstsein“ zu tun. Und auch nicht mit „Ego“ Charisma ist ein überpersönlicher Effekt. Er hat auch nichts mit könnerischer Sprachbeherrschung oder Ästhetik zu tun. Und dieses Charisma hat eben auch Becket. Und auch die Roche oder Huellebeq. Das ist etwas, dass nicht literaturwissenschaftlich oder akademisch oder kanonisch begründet werden kann. Wenn Sie über Musik schreiben, haben Sie auch dieses Charisma. Es hat etwas mit komplexen Zusammenkünften zu tun. Wenn das stimmt, ist es egal, ob das Sujet geklaut, die Sprache simuliert ist, ja der Stil darf sogar geschraubt oder schlampig sein. Und der Autor darf auch ein Kortzbrocken oder ein lieber Junge sein. Wenn das Charisma eines Textes stimmt, dann ist es Literatur. Und Leser merken das. Die Öffentlichkeit, die Kritik, und auch der Betrieb. Ein charismtischer Text setzt sich durch auch gegen den Betrieb und alle möglichen oder imaginierten Feindschaften.
      Weil Charisma das ist, was wirklich stark zu fokussieren vermag. Was Impackcktkt verleiht. Das thema ist egal…

      Wenn ich die Musik nenne, dann deshalb, weil niemand so gut über Musik schreiben kann, wie ein deutscher Schriftsteller, ich meine das jetzt nicht nationalistisch oder chauvinistisch, sondern marktstrategisch, im Ausland würde man einem Deutschen Autor Musikkompetenz unbedingt zutrauen, weil „große“ klassische Musik etwas ist, dass in der Aussenwahrnehmung wie Weißwurst und Lederhose klisché-mäßig mit einem deutschsprachigen Text in Verbindung gebracht wird.
      Also man käme so an einen internationalen Markt. Und sie wären im Brennpunkt ihrer Leidenschaft. Der Text hätte Charisma.
      Sie haben es ja im New York Roman leider nicht konsequent durchgezogen. Das war nicht fisch nicht Fleisch. Und ihr Held musst Talisker heißen. Sie müssen die Handlung und das Hauptthema ebenso wie die Ortung und die Personen eigentlich auch in den deutschen Sprachraum verlegen. Das Peronal muss deutsch klingende Namen haben.
      Anderes Beispiel: Der Filmemacher Kaurismaki ist nicht bekannt geworden, weil er versucht hat, erotisch schwüle Finnlandphantasien über Sex und Liebe zu erzählen, sondern er hat sich fokussiert auf Finnland und hat der Welt ein Bild von Finnland vermittelt, dass auch kommunikabel war, Impakt hatte trotzdem sind seine Filme keine Nichtkunst. Und sie sind auch nicht doof oder kalt oder lieblos. Vielleicht könnten sie im Ausland sogar extra unter Ribbentrop veröffentlichen. Ein Buch von einem Ribbentrop würden die Amerikaner zum Beispiel aus den Läden reissen. Egal was da drin steht. Sie müssen kaltblütig sein Herbst. Wenn schon denn schon.
      Seien Sie mal ein richtiges Arschloch und planen Sie mal ihren Erfolg generalstabsmäßig. Veröffentlichen Sie in Amerika einen Roman über einen deutschen Komponisten oder einen Dirigenten, der in Deutschland spielt und zum Beispiel von einem deutschen Dirigenten handelt. Tun Sie da all ihre Leidenschaft und ihr Wissen zur Musik rein und veröffentlichen das unter Ribbentrop in Amerika. Scheißen sie auf den deutschen Literaturbetrieb mal richtig. Suchen Sie sich einen amerikanischen und einen japanischen Agenten und Verlag. Profitieren Sie mal von ihrem richtigen Namen.
      Ich meine das nicht zynisch, sonder lediglich konsequent. Machen Sie Geld mit ihrem richtigen Namen in Amerika. Seien Sie das Arschloch, planen Sie ein Skandal und schreiben Sie einen gigantischen Roman zur Musik, der in Deutschland in den 20iger Jahren spielt. Und feiern sie die Buchpremiere in Amerika unter dem Namen Alexander von Ribbentrop. So entsteht Literatur, Gespräch, Erregung und Skandal. Und Sie sind am Fokus ihrer Leidenschaft. Und genießen sie dann das beleidigte Aufquietschen des deutschsprachigen Feulletons, während sie im Pool in LA mit einem weißen Hut und einem guten Glas Wein in der Hand von der Vogue als Mister Alexander Music Ribbentrop gefeiert werden, neben dem Bild ihrers Großvaters in Schwarz-Weiß. Wissen Sie – das wäre unglaublich cool Das hätte Impacktchtkt! Das wäre stark! Das wäre wirklich frech!
      Das wäre dann ein Roman. Und berichten Sie in ihrem Blog hier von ihren Verhandlungen mit ihren amerikanischen und japanischen Agenten, den Übersetzern und ihem Vorschuss. Dann wär hier die Hölle los.
      Berichten Sie davon, wie die amerikanischen Verleger darauf bestehen, dass Sie selbstverständlich unter Ribbentrop veröffentlichen. Und dass Sie ihnen allein dafür nochmal 100 Tausen Dollar mehr Vorschuss zahlen.
      So muss man das machen, Herbst.
      Ab nach L A

    • Melanie M. sagt:

      Muß schon sagen, der Biker hats drauf. Alle Achtung. Analyse, Planung, Vision. Alles stimmig, alles stimmt. Der v. Ribbentrop sollte in der Frage der Selbstvermarktung und Selbsterhöhung auf ironischen Konfrontationskurs mit dem altbackenen Wertekanon des Literaturbetriebs gehen. Seine Selbstzelebrierung sollte für einen kurzen langen Moment in diesen historischen Kontext versetzt werden. Mit thematischen Vorläufern, als kreatives Paradoxon, blitzartig ins Rampenlicht tretend. Für die Technik braucht er Michael, fürs Branding Biker. Unwidersprochen.

    • So muss man das machen, Herbst. Na, dann machen Sie mal. Aber anderswo, bitte. Was Sie cool finden, ekelt mich. „Ein Buch von einem Ribbentrop würden die Amerikaner zum Beispiel aus den Läden reissen.“ Eben. Beziehungsweise traue ich US-Amerikanern ja vieles zu, das aber nicht, schon weil, mit Recht, die jüdische Intelligenz dagegen einiges einzuwenden hätte.

    • @Melanie M. Interessant, wie mein Herkunftsname immer wieder den Dreck anlockt, weil er sich drin erkennt.

      (Letztlich geht es immer darum: Sippenhaft. Auch hier bleibt unterm Strich nur der Ekel.)

    • biker sagt:

      Herbst, ich hatte gesagt, dass ich es nicht zynisch meinte, oder bösartig, nur konseqent.
      Sie wurden gezwungen mit ihrem Namen – umzugehen – sie könnten jetzt den anderen diesen Namen, der ihnen nicht gehört, zurückgeben, zusammen mit etwas, dass wirklich Sie sind und zugleich mehr, nämlich Musik. Und das ganz unbitter. Das wäre meiner Meinung nach ein Text, ein Stück Literatur und ein sehr starkes Stück Literaturgeschichte. Und den Diskussionen mit den New Yorker Juden Herbst, den würde ich gerade deshalb nicht aus dem Weg gehen. Sie wäre ein Bereicherung des Konzepts.

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