Probe- und Aufnahmetag der Sprecher:innen: Eine akustische Kreuzfahrt, 6.


(19. Dezember, 15.23 Uhr.
Arbeitswohnung.)

Soeben wiedergekommen von der Probe mit >>>> Elvira Magometschnigg, meiner Wiener Sprecherin, die sehr früh morgens mit dem Flieger ankam. Zwei Durchläufe, absurderweise in einem Hotelzimmer, an dem am absurdesten >>>> das Hotel selbst ist. Riesiger, aufgemotzter Empfang, der Zimmerbereich aber, im dritten Stock des alten Plattenbaus, geradezu kleinbürgerlich kleinlich; enge, mit altem, wie bereits zerfasertem Teppichboden ausgelegt. Das Zimmer wird vor allem von einem riesigen Fernsehbildschirm eingenommen, der zwei Drittel des schmalen Schreibtischchens besetzt. Direkt davor ein Doppelbett mit gerüschten Gardinen.
Also als allererstes das Bildschirmding runtergewuchtet. Durch die Fenster indes, immerhin, Blick auf die Spree – ein allerdings ebenfalls wenig erbaulicher, wenn es wie heute unentwegt regnet. Eigentlich hätten wir hier in der Arbeitswohnung proben sollen, dnn kam was dszwischen. Egal, so habe ich dieses „Riverside“ einmal von innen gesehen: gute Vorlage für eine Erzählung, etwa, wenn ich die >>>> Yüe-Ling-Novelle wieder aufnehmen sollte, die ich, merke ich gerade, völlig vergessen habe – fast, sonst wär ich jetzt nicht drauf gekommen.
Die Probe selbst lief gut; deutlich ist nach wie vor, daß das Stück viel zu lang ist. Dennoch will ich es insgesamt, wie es jetzt vorliegt, aufnehmen und erst kürzen, wenn ich die Stimmen in der Montage angelegt und wohl auch schon mal ein paar O-Töne dazugemixt habe.
Pause also; Magomeschnigg ist mit einem Freund ins Museum, ich mochte da nicht mit.
Weiter geht‘s um 18 Uhr im Hauptstadtstudio der ARD, quasi gleich bei Magometschniggs Hotel um die Ecke. Ich leg mich jetzt mal eine Stunde hin.
***

(Gleich wieder aufgestanden; bin zu unruhig, um schlafen zu können. Ich fange am besten schon mal damit an, die Paulus-Böhmer-[Lanmeister]-Aufnahmen zu putzen.)
***

Nachtrag,
20. Dezember, 8.12 Uhr:

Dann waren sie alle zusammen, Kavita Chohan, Elvira Magometschnigg, Andreas Nickl, ich selbst, sowie für die Tontechnik Karin G,, mit der ich schon mehrfach gearbeitet habe; da wir unterdessen beim Du sind, vergesse ich peinlicherweise ihren Nachnamen immer.
>>>> Nickl, der bereits im >>>> Neapelstück mitsprach, hat in dem neuen Stück nur wenige Sätze, allerdings als jeweils als eine andere Rolle zu sprechen; deshalb zogen wir seine Aufnahmen vor. Zudem mußte er gegen 19.45 Uhr aufs Theater, konnte also nicht die ganze Aufnahmezeit bleiben. Dennoch, er mochte sich danach aus dem ersten Durchlauf nicht lösen, übernahm „einfach“ die Paulus-Böhmer-Partie (Lanmeister) als sozusagen Joker, bis wir tatsächlich einmal durchwaren. Gute Stimme, ich werde ihn öfter einsetzen; hier, leider, ist sie zu jung, also für den alten sterbenden Mann (der, anders als >>>> im Roman, worin e r spricht, bzw. denkt lediglich eine Innenstimme des Autors ist).
Chohan und Magometschnigg: wunderbar. Letztere anfangs etwas zu wenig Stimmendruck, was sich über den Abend aber gab, dafür sind die wienmelodischen Phrasierungen herrlich, teils an >>>> Peggy Lucac erinnernd, nur jünger, teils an Romy Schneider. Chohan mit der bekannten vollen Wärme. Ich selbst habe den Autorenpart gesprochen, dabei teils die Sprecher dirigiert. Vieles geht vor sich, als würden wir ein Musikstück einstudieren; ich schlage tatsächlich oft den Takt.
Gegen Viertel nach acht Pause, Nickl geht, wir andern drei, während mir die Technikerin die bisherigen Aufnahme schon mal auf den Stick zieht, gehen unten im Haus jede/r ein kleines Bier trinken, plaudern; die beiden brauchen diese Minuten der Stimmschonung.
Kurz nach halb neun dann noch einmal ein Durchlauf, ohne mich aber, nur die beiden Damen; ich sitze draußen am Regiepult.. Da wir die Mikrophoneinstellung beibehalten, damit ich später ohne größere Manipulationen mischen kann, seh ich sie witzigerweise nur von hinten:



Freilich hat das den Vorteil, daß ich mich allein auf die Stimmen konzentriere.
Gegen halb zehn läßt die Stimmkonzentration deutlich nach, zweidreimal muß ich in den Sprecherraum, um, wenn simultan gesprochen wird, die Einsätze zu geben, Taktschlag (je einen Schlag v o r). Die Aufnahme währt bis Viertel nach, die Technikerin läßt mich überziehen, gibt ihren spätern Feierabend dran, geht in dem Stück ganz mit – eine Erfahrung, die ich für meine akustischen Arbeiten immer wieder mache; ebenfalls, daß meine Sätze überhaupt erst zu wirken beginnen, wenn sie Klang werden dürfen.




Nachher noch in die >>>> Böse-Buben-Bar auf zweidrei Bier, etwas Wein; Magometschnigg ist erneut von dem Wiener Freund begleitet, der sie aus dem Studio auch abholt. Jetzt sitzen beide bereits zurück im Flieger, indessen für mich nun erst einmal die Schnitte anstehen: zu „putzen“, wie man sagt.

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