III, 380 – spützen

Manchmal geht zu fotografieren schneller, als die Tage zu subsummieren, selbst eine Katze füttern zu gehen, weil die, zu der sie gehört, mit gegipstem Bein, weil auf dem Zebrastreifen unten in der Unterstadt angefahren worden, sich derzeit nur wenig bewegen kann und sich bei der etwas entfernter wohnenden Schwester versorgen läßt (questa poi la conosco purtroppo (und das „etwas entfernter“ ist ein Euphemismus (im Kopfe spukt mittlerweile eine jwd))), macht diesen kurzen Gang zu ihrer Wohnung zu einem nicht wirklich unwillkommenen Intermezzo. Denn wenn auch mein Besuch mir ein Intermezzo gewährt, weil er mal kurz zwei Tage in einem Anderswo ist, hat doch das, was man so Brotarbeit nennt, mir wenig Luft gelassen: im Multitasking wird jeder nächste Schritt zum Pseudointermezzo und die Zigarettenpause zum ersehnten Target. Das zieht man dann auch mal 5-15 Minuten vor. Das beste in solchen Fällen: blind in die Tasten hauen und das Phrasenregister herunterrattern lassen, etwa, wenn’s um eine Satzung geht. Nun schon die x-te. Und von Datenschutzinformationen sei hier mal gar nicht die Rede.

Itze, ritze, Affenschmu,
Ich spitze meine Lippen zu
António Pedro, Nur eine Erzählung

Wobei ich gerade überlege, ob es nicht besser heißen sollte „ich spütze“, denn bei dem Vokal spützen sie sich tatsächlich, beim „i“ geht der Mund eher in die Breite, merkwürdigerweise. Ganz im Gegensatz zur graphischen Form des „i“. Es, das „ü“ paßte auch besser zu dem „blühend frischen Körper“, mit dem Lulu in dem erwähnten Text sich auf ihren verschiedenen Körperteilen Augen einfängt, nein, nicht fängt, sie heften sich von selbst an. Und daraus wird dann eine Art Schmetterlingssammlung.

Wie sagte ich zu dem einen Herrn auf dem Bild, der mir die Erzählung mitgebracht: „Das Weiterspinnen der zur Realität gewordenen Metapher.“ Das erst danach gelesene Nachwort war zwar etwas klüger in der Hinsicht, aber der Leser ist ja nicht grundsätzlich doof.

Und so ging das im Pingpong immer hin und her die letzten Tage: Brot und Wein. Und beides mitnichten unintensiv. Und wenn ich dachte, ich könne heute abend noch ein wenig weiter das Hammerklavier bedienen: Pustekuchen. Ami belgique kam, Töchterchen im Arm. Heute abend Fish & Chips, und ich guckte auf den Herd mit den Resten von gestern: Tintenfischsud, denn der Besuch war gestern in Rom, das, nach dem zu urteilen, was sie mitbrachten, eine einzige Markthalle zu sein scheint, ob es sich nun um Fisch oder Schuhe oder Bücher handelt.

Schon am Tag nach seiner Ankunft hier in Amelia, ging er, der Besuch, auf die Pirsch, als handele es sich um einen Pirschgarten, in dem statt mit Kirschen (die geflissentlich übersehen wurden) die Bäume behangen sind mit Schinken und Käse. Aber das scheint den Besuchern hier immer zu passieren, egal wer’s ist. Wahrscheinlich das Sein in einer Unalltäglichkeit, das kontrastiert natürlich mit meinem Alltag hier.

Dennoch: schräge Vögel zeichnen krumme Linie, auf denen krumme Dinger passieren, die [hier ist eine Lücke, denn was bald kam, waren die Schluchten des Balkan, und alle fingen an zu schlucken, denn niemand kam drauf, was bald hätte kommen sollen, außer vielleicht so Aufzeichnungen aus einem Kellerloch, aber lassen wir das, immerhin ward aus der schräge oft noch eine krumme Linie, und niemand saß mehr mehr so grad wie auf dem Bild].

Vielleicht kann ich nachher noch etwas dazu setzen [hab’ ich, auch oberhalb dieser Feststellung] , aber jetzt muß ich erst mal nach der Katze schauen und dann in der Mitte zwischen Katze und mir bei ami belgique klingeln. Aber es liegt ja alles in einem Bereich von zwei-/dreihundert Metern. Wie am Sonntag schon (da waren’s sogar weniger Meter) gegenüber bei Tullia), als ich einen Zahn verlor, während ich Salat kaute. Den legte ich in eine Schublade, die seitdem zu ist.

Heute abend dann (wieder zurück) kaute ich vorsichtshalber keinen Salat, auch wenn sie vorwurfsvoll schaute: der sei aus ihrem Garten. Pommes mit Senf (belgique naturellement) und Goldbrasse. Und wieder Kinderkommunikationsübungen: am Ende klappte es wunderbar. Heißt, man ist noch integer. Diesmaliges Thema: Schachfiguren. Das hatte sie, die Kleine, sich ausgesucht. Also die Benamsung der Welt, hier ein Bein, da einen Arm drankleben. Und schon fängt es an sich zu bewegen.

Auf dem Küchensofa stapeln sich die in den letzten Tagen herausgezogenen Bücher. Üb ersetzen!
Nochmal Pedro:

Ich erinnerte mich, daß ich eines Tages davon träumte, diese Burg in eine Zufluchtsstätte für alle Dichter der Welt zu verwandeln. Jeder würde seine Gedichte schreiben und damit, unter Verwendung der dort stehenden Bronzekanonen, die vorbeifahrenden Schiffe bombardieren… Vielleicht wäre ein Kriegsschiff darunter und würde ernsthaft mit Schüssen antworten! Schließlich würde es mit der Dichtung auf der Erde ein Ende nehmen, und man könnte endlich atmen.

III, 379 – Ossessioni

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