Mal wieder ein Brot. Für das Arbeitsjournal des Sonnabends, den 9. Juni 2018. Darinnen die Contessa, darinnen der Sommer, darinnen auch die Wiener Fassung der AEOLIA endlich. So in Berlin zurück.

 

 

 

 

 

[Arbeitswohnung, 9.34 Uhr
France musique contemporaine:

Raphael Cendo, Introduction aux ténèbres]

Seit langem wieder ein Brot gebacken. Schon als ich aus Italien zurückkam, schoß mehrfach der Impuls in mir hoch. – Aber wie denn? Ich würde am Donnerstag bereits, also vorgestern, zur Contessa fahren und anderthalb Tage bei ihr bleiben; für einen eigenen Lievito madre war die Zeit ohnedies zu kurz.
So rechnete ich: Gut, ich setze einen Sauerteig an, etwas geschummelt, nämlich mit einem Becher saurer Sahne, dann gären lassen, ein Halbgramm frischer Hefe dazu. – Meine Güte, was dieser Vorteig da g i n g! (Gewiß tat die derzeit obwaltende Wärme das ihre hinzu). Fein, fein, fein. Dann ein Pane Valle Maggia, das heißt, mit etwas Roggenvollkorn- und Roggenmehlanteil, etwa ein Viertel auf das italienische glutenreiche Weißmehl (mit deutschem schmeckt es nur halb so gut); direkt vor der Abreise nach Düsseldorf den Teig geknetet, morgens um fünf, dann anderthalb Stunden gehen gelassen, Wahnsinnstrieb!, und die Blasen wieder ausgedrückt, den Teig mehrfach gefaltet, dann in die leicht geölte Schüssel, abgedeckt und ab in den Kühlschrank: kalte Führung. Darf ohne weiteres zwei Tage währen; so entwickeln sich die Geschmacksstoffe erst richtig; außerdem ergibt es eine stärkere Porung.
Als ich von meiner Contessa zurückkam, hatte der Teigling fast schon den Deckel der Schüssel „gesprengt“. Jetzt nochmals walken, dann mehrmals falten, bei Zimmertemperatur gehen lassen, nochmals falten und gehen lassen, in welcher Zeit der Ofen hochgeheizt wurde, 270 Grad, drinnen mein aus Terracottabehältern selbstbastelter Brotofen, der mir Oberhitze garantiert – Gasöfen sind da etwas schwach auf der Brust. Nun jà, das Ergebnis, liebste Freundin, sehen Sie ja. Und schmecken tut es… JesusmariaundZeus, sowas kriegt man nicht in Deutschland! und d u f t e t… – als hätte ich die kleine Bäckerei in Olevano Romano wiederbetreten, wo Cristoforo Arco und ich zweimal grandiose Brote erstanden und jedesmal komplett verzehrten.

Sehr zufrieden bin ich jetzt, auch wenn ich, eines Mittags- und folgenden Abendtermines wegen, heute nicht zum Lauftraining kommen werde, obwohl es eigentlich ansteht. Gut, dann halt morgen früh.

Wichtig ist aber jetzt – ich werde es noch getrennt annoncieren -, daß die Aeolia endlich da ist, zwar noch nicht hier in Berlin, aber in Wien beim Verlag und auch schon in der Auslieferung:

Also Sie können das Buch jetzt wirklich bestellen; auch in einigen Buchhandlungen wird es schon liegen (und wo nicht, ist es mir aus strategischen Gründen lieber, Sie bestellen es in Ihrer Buchhandlung; gerade Lyrik ist doch in den Geschäften meist völlig unterrepräsentiert; um so wichtiger, den Händler:inne:n Ihr Interesse zu signalisieren).

Und die Vorbereitungen, bzw. die Planung zur ANH-(sagen wir)-Werkschau während des diesjährigen Internationalen Literaturfestivals Berlin geht voran. Auf dem Podium der vier Abteilungen werden jeweils zwei bis drei Moderator:inn:en sitzen und sprechen, ich wohl nur weniges lesen; es geht um eine Darstellung der alle Bücher durchziehenden Ästhetik, drei Literaturwissenschaftler mit jeweils sehr verschiedenen Schwerpunkten, meine Lektorin, die wie die drei auch Kritikerin ist, sowie eine Dichterin und ein Dichter, nämlich Sabine Scho und ich. Am 9. September im Kaminraum des Literaturhauses Fasanenstraße, beginnend morgens, endend in der frühen Nacht.  Das genaue Programm werde ich in Der Dschungel nebst aller Uhrzeiten bekanntgeben, wenn die letzten Fragen und Probleme geklärt und aus der Vorwelt geschafft sind – und eben, ah!, „alertet“ Google mich, Meere steh‘ in Kalifornien. So kommt nun auch der Pazifik hinzu.

Ihr ANH

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