WANDERER hat sich „gehalten“. Womit ich nicht gerechnet habe. (Wie sollte einer auch, und eine.) — Im Arbeitsjournal des Dienstags, den 4. Juni 2019.

[Arbeitswohnung, 5.51 Uhr.]
Die Nachricht kam gestern nacht über Septimes Facebooksite. „Direkt“ erfahren hatte ich nichts und dran geglaubt vorher schon gar nicht, eher „besser nichts wissen wollen“ und deshalb auch nicht nachgeschaut. Man muß Frustrationen ja nun nicht auch noch hinterherlaufen. Bin momentan, wie ich vorgestern schrieb, eh abgeklärt, auch zu sehr in die Überarbeitung der Chapelle gesunken. (Sie geht in ruhigen Schritten, tatsächlich Satz für Satz, voran).
Da war die Freude dann aber groß, auch wenn ich mir die Tatsache nicht wirklich erklären kann: „Das Buch“, schrieb ich noch in derselben halbe Stunde an Freunde und wenige, ausgesuchte Bekannte, „ist fürs Feuilleton ja quasi gar nicht da.“ Was unterdessen in mein akzeptiertes Bewußtsein gehört. Ich schreibe halt neben der Welt, die schließlich nichts ist als ein Bruchteil der Welt. Die Menschen haben, mit vollem Recht, völlig andere Sorgen. Tatsächliche Sorgen; die Kunstbetriebe mögen sich blähn, wie sie wollen. Hat eh was Lächerliches. (Giono gelesen, Die große Herde, auf Bitten Cristoforo Arcos, und gestern nacht die Lektüre beendet. Daß ich hier nicht m e h r drüber schreibe, hat seine Gründe. Aber da weiß man dann wieder, was „Sorgen“ s i n d; sogar das Wort ist Euphemismus).

Ich brauche mehr Schlaf als früher, deutlich mehr. Sechs Stunden sind es jetzt, bisweilen sogar sieben. Daß dies auch mit dem fast täglichen Sport zusammenhängt, scheint mir klar zu sein, und anders als früher wehre ich mich nicht mehr, stülpe nicht länger die Disziplin einer Arbeitsmaske darüber, werde insgesamt weicher, gelassener, nehme hin, was da kommt, und tue es gern. Letztres für mich das entscheidende.
Um so aber rechtzeitig hochzukommen (Licht, immer mehr das L i c h t), lege ich mich schon um elf nachts ins Bett; dann fällt fünf Uhr morgens nicht schwer. Ist natürlich eine Sommerlösung. Zumal ein Gewitter niederging, gestern nach dem heißen Tag. Das Pladdern schwemmte in den Schlaf: Sämtliche Fenster, soweit sie nicht zugestellt sind, weit der Welt geöfnet. Pflanzendüfte, verspielte Böen strichen über die nur halb zugedeckte Haut. Ich schlafe ja stets nackt. Da faßt einen solch eine Windsbraut an, schon streichelt dich die zweite. Und wie sie kichern, diese „Mädels“! Ja, ich weiß, sie meinen’s ironisch, doch halt auf liebevolle, zugeneigte Art. Meermaidsgeneck, das auf den Biß in den Nacken wartet, fest und entschieden genug, daß sie dich nicht ertränken. Die Windsbräute sind da nicht anders. — Und war schon weg.

Kein gutes, „wahres“ erotisches Spiel ist ohne Grausamkeit. Die Geschlechter nehmen sich beide da nichts. Ein Nein ist aber manchmal tatsächlich ein Nein.

Wie also erklär ich mir den Platz auf dieser Bestenliste? Gar nicht. Am besten gar nicht. Sieh’s einfach an und erfreu dich. Und Sie, meine Freundin, tun es mir gleich.

ANH

Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsjournal, Hauptseite veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu WANDERER hat sich „gehalten“. Womit ich nicht gerechnet habe. (Wie sollte einer auch, und eine.) — Im Arbeitsjournal des Dienstags, den 4. Juni 2019.

  1. Marion Koepf sagt:

    Glückwunsch!

  2. Gaga Nielsen sagt:

    Auch ich freue mich mit!

  3. Werner Bliß sagt:

    Will der Dritte sein im Bunde!
    Herzlich…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.