B.L.’s 5.12. – ’twas brillig

18.58

Kalt wallt der Mond, entwaltet den Tag, den niemand verwaltet hat. Und das ist gut so. Denn die Liebe waltet zwar, aber sie verwaltet nicht. Sobald die Liebe anfängt zu verwalten, entwaltet sie sich. Also kehrte ich zurück (ohne zurückzunehmen) zu dem, was ich gestern sagte, als ich nicht sagen konnte, was ich zu sagen mir vorgenommen. Ich kehrte mich in mich zurück und betrieb ein bißchen Alchemie: das eine ist die Liebe, das andere meine Autonomie. Die richtige Goldmischung habe ich noch nicht. Aber dort wird sich alles entscheiden. Ich möchte beides. Der Mond, so silbern, ist geringere Münze. Aber mehr wert als nicht gefundenes Gold. Nicht, daß am Ende ich nur Porzellan erfinde? Beware the elephants!

„Beware the Jabberwock, my son!
The jaws that bite, the claws that catch!
Beware the Jubjub bird, and shun
The frumious Bandersnatch!”

Lewis CARROLL

Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu B.L.’s 5.12. – ’twas brillig

  1. ConAlma sagt:

    Schön, wieder von Ihnen zu hören! Der Mond hier heute, der war (ach dieses deutsche ER, das ist s i e doch nicht) färbte sich vom warmen Gelb, gerade erst hinterm Berghang aufsteigend, zum kühleren Fastweiß, erst vor einer Nebelwand, da war’s am schönsten, und dann immer wieder dahinter auftauchend. Liebe und Autonomie, das verträgt sich nicht, dies Gold, ward es je gefunden? Doch eine solche Auflösung, dass keine Erinnerung an einen selbst mehr besteht, dass kann doch auch nicht Liebe sein? Keine Möglichkeit, selbst nachträglich noch in Worte zu fassen, was zu verspüren geglaubt war?

    • Bruno Lampe sagt:

      Der Mond und die Eibe

      Dies ist das Licht der Erinnerung, kalt und planetarisch.
      Die Bäume der Erinnerung sind schwarz. Das Licht ist blau.
      Die Gräser entladen ihre Leiden auf meine Füße, als wär’ ich Gott,
      Stechen meine Fußknöchel und murmeln von ihrer Demut.
      Rauchige, geistige Dämpfe bewohnen diesen Ort,
      Den eine Reihe von Grabsteinen von meinem Hause trennt.
      Ich kann einfach nicht sehen, wo es hingehen soll.

      Der Mond ist keine Tür. Ein sich selbst gerechtes Gesicht,
      Weiß wie ein Knöchel und schrecklich außer Fassung.
      Er zieht das Meer an sich wie ein dunkles Verbrechen; ruh’voll
      Mit einem O-Mund voller Verzweiflung. Ich lebe hier.
      Zweimal sonntags schrecken die Glocken den Himmel auf –
      Acht Riesenzungen behaupten die Wiederauferstehung.
      Am Ende dingdongen sie nüchtern ihre Namen aus.

      Die Eibe zeigt hoch hinauf. Ihre Gestalt ist gotisch und schaurig.
      Die Augen schauen hinter ihr auf und finden den Mond.
      Luna, meine Mutter. Sie ist nicht wie Maria so sanft.
      Ihre blauen Gewänder lassen frei kleine Fledermäuse und Eulen.
      Wie sehr würde ich glauben an Zärtlichkeit –
      Das Antlitz des Abbilds, durch Kerzen veredelt,
      Sich zu mir – mir ganz besonders – beugend, die milden Augen.

      Lange bin ich gefallen. Wolken blühen
      Blau und mystisch über der Sterne Angesicht.
      In der Kirche werden alle Heiligen fahlblau sein,
      Gleiten auf ihren zarten Füßen über kalte Bänke,
      Steif ihre Hände und Gesichter vor Heiligkeit.
      Der Mond sieht nichts davon. Leer ist er und wüst.
      Und die Botschaft der Eibe ist Schwärze – Schwärze und Schweigen.

      Sylvia PLATH, The Moon and the Yew Tree (dt. von parallalie – http://parallalie.twoday.net/stories/418353/ -)

      Eine Antwort habe ich nicht als dieses „Vorlesen“.

Schreibe einen Kommentar zu Bruno Lampe Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.