Arbeitsjournal. Sonnabend, der 2. September 2006.

5.26 Uhr:
[Berlin Kinderwohnung, Küchentisch.]
Es wird möglicherweise später einmal, wird dieses Literarische Weblog (von meiner Seite aus) abgeschlossen sein, einiges Interesse haben, welcher Text wo entstanden ist. Das fiel mir eben ein, als ich zum jetzt ich weißnichtwievielten Mal „< s u b >[Berlin Kinderwohnung, Küchentisch.] < s u b >“ tippte; es hat vielleicht auch einen anderen als persönlichen Grund, daß ich die Ortsangaben so genau halte. Sind die Ideen am Küchentisch andere als die am Schreibtisch der Arbeitswohnung? Für Bamberg läßt sich das ja jetzt schon zeigen, an den Elegien. Aber haben auch die seit Mitte April dort entstandenen letzten ARGO-Teile eine Färbung angenommen, die sich vom übrigen Roman unterscheidet? Wie wirken Orte auf die Dichtung, modifizieren sie sie? Usw. (Im ARGO-Fall allerdings wird die Überarbeitung vom Rohling zur Ersten bis schließlich Vierten Fassung solche Modifikationen sicher verschleifen; auch dies ist ein Vorteil Der Dschungel, daß sie Teile der allerersten Gestalt bewahren und also eine solche Fragestellung untersuchen lassen.)
Zweierlei beschäftigt mich momentan. Einmal gestaltete ich gerne >>>> daraus ein Gedicht. Zum anderen – ich >>>> schrieb seinerzeit darüber (dort um 8.50 Uhr) -, daß jetzt herausgekommen ist, weshalb mich der Vater dieses Schulfreunds meines Jungen plötzlich so schnitt und immer weiter schneidet, nicht mal mehr grüßt, auch gestern nicht, auf dem Klassenfest. Er hat nämlich in Der Dschungel gelesen, muß schockiert gewesen sein („Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, las bis ein Uhr nachts immer weiter!“) und dann jemanden mir Nahes angerufen, um – ja, so muß man’s wohl sagen – die gemeinte Person vor mir zu warnen, vor allem auch wegen meines Sohnes: „Zu wes’ Geistes Kind soll denn so ein Kind heranwachsen?!“ – also bei einem Vater, der für diesen Menschen offenbar so Verwerfliches schreibt wie ich und das Ganze dann seinem Sohn noch widmet… Was schrieb ich damals eigentlich? Ich blättre mal…

…. ah! es wird wohl >>>> so etwas sein, ich hab Anfang Juni die „Willige Frauen“-Serie begonnen (sollte dran weitermachen, merk ich grade), und es gibt weitere theoretische Äußerungen zum BDSM-Komplex; das wird den guten Mann zusammengezogen haben wie ein gestürzter Becher Mallebrin. Es ist wahrscheinlich diese ethical incorrectness, die Verweigerung innerer Selbstzensur. Nun bin ich moralische Ablehnung gewöhnt. Im Literaturbetrieb äußert sie sich verschoben als literarische: „Wie können Sie solch einen Text herausgeben?“ soll Thomas Hettche, in einem Brief oder einer Mail, jedenfalls schriftlich!, dem Herausgeber Norbert Wehr vorgeworfen haben, als >>>> die von Bongartz und mir gestaltete Jubiläumsausgabe des Schreibheftes (Nr. 58, „Inzest oder Die Entstehung der Welt“) erschienen war und offenbar die halbe Szene schockierte. Publikationen im Schreibheft gelten immerhin als d e r Ritterschlag, also schäumten die Leute, und selbst Wehr Nahe kündigten sozusagen palettenweise ihre Abonnements. Aber das ist eben Betrieb, und es gilt das Tabu des Brechens von Tabus, wobei diese selbst stets nur ungefähr, wenn überhaupt, formuliert sind. Schon, sie genau zu formulieren, fiele unter ein solches Brechen – was sie ungemein stark macht, nämlich ins wirkende Verdrängen wegschiebt. Um so wichtiger, dagegen anzudenken. Nur hier, in diesem Fall, ist es etwas anderes. Dieser Satz „zu wes’ Geistes Kind soll der Junge denn heranwachsen?“ impliziert mehr und greift vor allem auf jemanden anderes, jemanden eigentlich Ungeschütztes, über. Der vor mir Gewarnte hat ausgesprochen souverän reagiert (also spricht dieser Vater auch mit dieser Person nicht mehr), das ist nicht das Problem. Aber ich stell mir vor, wie der Mann nun mit den Eltern der Klassenkameraden meines Sohnes spricht und vor mir warnt, vor dem Umgang mit mir warnt und also vor dem mit meinem Jungen – nicht aus Bosheit, ganz sicher nicht, sondern bloß aus jener besorgten moralischen Naivetät, die sich selbst keine Freiheit im Geist erlaubt und deshalb nicht ertrüge, entwickelte sie sich auch bei seinen Kindern. Das Ganze könnte etwas umgekehrt negativ-Erzieherisches haben, so wie wenn unsere Eltern uns verboten, mit bestimmten anderen Kindern zu spielen („Das ist kein Umgang für dich“). Gestern noch, als ich von dem allen erfuhr, nahm ich’s eher für komisch; jetzt denke ich, daß ich den Mann von mir aus ansprechen muß. Soll er mir ins Gesicht sagen, was er einzuwenden hat. Schon daß er das statt dessen gegenüber der mir nahen Person tat, zeigt die wirkende denunziatorische Energie (die übrigens moralische Verdrängungsleistung nahezu immer zu entbinden scheint). Sowie man spricht, löst sich vieles – und wird sich womöglich auch für ihn lösen, da er dann mit seinem eigenen inneren Widerstand konfrontiert wird und sein eigenes Gesicht im Wortsinn zeigen muß.
In diesem Zusammenhang erinner ich mich jetzt, daß ich vor bald zwanzig Jahren dreiviermal aus Seminaren für junge Autoren ausgeschlossen wurde, weil ich ein „Jugendverderber“ sei. Die Jugendlichen selbst sahen das übrigens anders. Und noch auf ein Schweizer Literaturfestival wurde ich nicht eingeladen, weil man mich nicht für moralisch tragbar hielt – was mir später jemand zutrug, der mich vorgeschlagen hatte. In dieselbe Richtung zielen nicht wenige journalistische Verlautbarungen zu meinem verbotenen Buch. Noch immer gilt offenbar, daß man gerne den Boten eines (auch vermeintlichen) Unheils für dessen Verursacher halten will. Wobei mir klar ist, daß es sich dabei durchaus nicht um einen bewußten Prozeß handelt, sondern die Leute unterliegen ihren inneren moralischen Verdikten und sind von denen derart bescheuklappt, daß sie allein in die vorgewiesene, restlos fremdbestimmte Richtung traben k ö n n e n. Und das betrifft nicht nur die sogenannt ‚einfachen’ Menschen, sondern auch Hochintellektuelle. Man könnte Mitleid bekommen, wenn man sich diese persongewordenen Bündel konditionierter Reflexe anschaut – wüßte man nicht, daß man selbst imgrunde auch sowas ist und sich allenfalls graduell unterscheidet und das auch nur, weil man drum weiß.

Um kurz nach fünf bin ich aufgestanden, darauf pendelt’s sich momentan ein. Ist nicht 4.30 Uhr, aber immerhin. Morgens nun Pettersson-Lektüre und Pettersson-Entwürfe. Nachmittags >>>> d a s. Mit dem Sohn.

9.39 Uhr:
Und plötzlich gehört man zu den >>>> „Zugpferden“. Besser, mal teilnahmslos was zu frühstücken.

23.19 Uhr:
[Berlin Kinderwohnung, Küchentisch.]
Daß >>>> dieser Typ (oder diese Typin)…..

NACHTRAG AM 4. SEPTEMBER 2006: DER SICH „PRIVAT“ NENNENDE ANONYMLING HAT NUNMEHR ALLES SEINE BEITRÄGE GELÖSCHT, SO DASS SIE EINSTWEILEN E R S C H L I E S S E N MÜSSEN, WAS ER SCHRIEB. (IN SEINEM LETZTEN KOMMENTAR TEILT ER MIT, ER HABE NUN SEINE BEITRÄGE SÄMTLICHST GELÖSCHT. ICH ERWÄHNE DIES, WEIL ICH NICHT WEISS, OB ER NICHT AUCH D A S NOCH LÖSCHEN WIRD.)
DIE DSCHUNGEL DURCHFORSTEN DERZEIT DEN GOOGLE-CACHE, UM DIE KOMMENTARE VON „PRIVAT“ WIEDERHERZUSTELLEN. SOLLTEN WIR FÜNDIG WERDEN, ZITIEREN WIR SIE DANN SPÄTER IN EINEM GESONDERTEN KOMMENTAR.

….. in seinem hämisch-verbretterten Beitrag von meinem „Wunsch nach Polygamie, BDSM und ähnlichem“ schreibt, ist von einer geradezu ungeheuren Ignoranz, die auch wirklich nur Leute moralisch aufbringen können, deren Verdrängungsleistung zugleich so weit geht, daß sie bei der, sagen wir, Deutschen Bank (oder anderen Unternehmen mehr) arbeiten, aber zugleich meinen, „gegen Krieg“ sein zu können. Sie haben a l l e schmutzige Hände und verbergen’s und zeigen dann mit ihren verkorksten Zeigefingern auf solche, die ihre Hände vorweisen. Als hätte es sich in meinem Fall jemals um einen „Wunsch“ gehandelt, als wäre nicht ganz das Gegenteil der Fall gewesen und als hätte nicht dem eigentlich-Gewünschten so sehr vieles im Weg gestanden, daß man eben deshalb nicht wegdrückte, weil man nicht verdrängen wollte (wissend um die Wiederkehr des Verdrängten an anderem meist schlimmeren Ort). Mein innerster W u n s c h jedenfalls war immer, seit ich Kind war: die Eine.
Nun wird zu wissen s e l b s t und zu fragen und zu berichten, auch von Irrtümern, ja, auch von Verfehlungen oder vermeintlichen Verfehlungen (wer weiß denn schon, was was war? wer hat diese Sicherheit tatsächlich?), zur Zielscheibe des moralischen Ärgers. Der auf seelischen Totschlag hinaus seine eigene Problematik nicht behandeln will. Ein Freund schrieb eben dazu folgendes, ich finde es einen sehr guten Satz: „darum geht es doch, nichts zu verhehlen, weil alles Verhehlen zu versteckten Mädchen führt… PRIVAT ist personifikation dieses mechanismus’.“ Das Problem ist, daß er das nicht weiß, daß er im juristischen Sinn völlig gutgläubig handelt und man ihm den Mechanismus eigentlich nicht vorwerfen kann. Er ist wirklich ein guter Mensch, wahrscheinlich, und hat den Mechanismus nicht zu verantworten, nicht einmal die sich in ihrem eigenen öden Zynismus selbst verfehlende Spitze, ich solle sowas wie Scientology aufmachen. (Auch da weiß der gute Mann oder die gute Männin nämlich wieder nicht Bescheid: daß gerade Scientologen ganz besonders moralisch einherkommen; er sollte sich einfach mal ein bißchen kundig machen, auch sich die seltsamen Beziehungen anschauen, die es zwischen der Anthroposophie und den Scientologen gibt).

Bin verärgert. Aber auch alarmiert. Und wiederum – damit a u c h, sowie mit Privatem zusammenhängend – traurig. Da ist es nicht leicht, die Arbeitszusammenhänge aufrechtzuerhalten. Gar nicht leicht. Wenn Zukunft und was sie denn werden solle (was man sich wünscht, daß sie es werde), rundum derart gefährdet zu sein scheint.

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22 Responses to Arbeitsjournal. Sonnabend, der 2. September 2006.

  1. Ich verstehe nicht, weshalb auf diesen sich PRIVAT nennenden Denunzianten eigentlich reagiert wird. Andererseits bedanke ich mich sehr ehrlich für die Reaktionen. PRIVAT weiß sehr wohl, daß sein Beitrag extrem justiziabel wäre, wüßte man (und verfolgte ich die IP des Schreibers), um wen es sich hier handelt. Er ist ja absichtlich anonym und seine Unterstellung, bzw. Parallelisierung eines möglichen Geschehens mit dem in letzter Zeit zum allgemeinen Skandallust pressetechnisch ausgewalzten Entsetzen ziemlich ungeheuerlich – vor allem, wenn genau mitgelesen wird, über was ich in Der Dschungel schreibe und w i e ich darüber schreibe. Ich lasse mir ganz sicher nicht von Anonymlingen den Mund verbieten, die möglicherweise – sonst müßten sie sich nicht anonymisieren – auf Kinder einen tätig und tätlich schlimmeren Einfluß ausüben, als ich es in meiner Offenheit jemals könnte oder als mir auch nur jemals einfiele. Im übrigen haben gerade auch bei meinen BDSM-Überlegungen Kinder niemals eine Rolle gespielt, wohl aber Kindheit als Erfahrenes. Deshalb wird und wurde in entsprechenden Zusammenhängen immer wieder auf Traumata hingewiesen, die möglicherweise in solchen Szenarien verarbeitet werden.
    Im übrigen habe ich die Mutter meines Sohnes in meinem Beitrag nicht erwähnt, so daß ich mich frage, wieso der sich PRIVAT nennende Denunziant (es könnte auch eine Denunziantin sein) sie hier unbedingt mit hineinziehen will. Er oder sie scheint ein eigenes Interesse zu verfolgen, in dessen Kopfkeller vielleicht tatsächlich Leichen liegen, von denen abgelenkt werden soll. Und was die Schließung meines persönlichen Tagebuches anbelangt, habe ich sehr deutlich gemacht, daß ich es um einer Person willen tue, die ich liebe und die privat bleiben möchte. Das respektiere ich. Dennoch werde ich in anderen Formen weiterhin über meine Themen schreiben: es sind solche, über die ich de facto etwas zu sagen habe. Auch wenn es Denunzianten nicht paßt, weil es ihr grundsätzlich (und sehr wahrscheinlich vor allem sich selbst) verlogenes Lebensbild stört. Läse dieser Denunziant tatsächlich mit und suchte sich nicht nur heraus, was seinem moralischen Tartuffismus gerade so in den denunzierenden Kram paßt, wüßte er (und weiß es wahrscheinlich genau), gegen wieviele eigene auch innere Widerstände hier gedacht zu werden versucht, wo andere lieber Rollos einer falschen und sowieso nutzlosen Entrüstung herunterlassen.

    Solange Einwände allerdings von Anonymen auf eine solche Weise vorgebracht werden, kann über dies alles nicht offen diskutiert werden – und schon gar nicht öffentlich. Hätte ich den Beitrag frühzeitig gesehen und wäre ich nicht unterwegs gewesen, ich hätte ihn darum gelöscht, wie ich weiteres dieser Art in Zukunft löschen werde. Es wurde nun aber reagiert, und ich mag nicht andere in Mitleidenschaft ziehen. Deshalb lasse ich dieses nun offen. Sollte sich der Anonyme tatsächlich um HIntergründe bemühen, sei er erst einmal auf meine Aufsätze >>>> „Das Flirren im Sprachraum“ sowie >>>> „Die anthropologische Kehre“ verwiesen, in denen viele Hintergünde meines Denkens erklärt sind. Wenn er sich darauf einlassen will, stehe ich auch für ihn zu jeder weiteren Diskussion zur Verfügung.

    • @ PRIVAT. Verlogen. Und feige in der Anonymität. Sind alleine Sie.

      Nehmen Sie Ihre Maske ab und wir sprechen – hier, soweit es nicht andere betrifft, ansonsten privat. Ich muß mich vor keiner Auseinandersetzung scheuen. (Mich würde etwa interessieren, was Sie unter „humanistisch wertvoll“ verstehen. Und inwiefern bestätigt etwas von dem, was ich hier vorgeblich anprangere – Sie meinen vielleicht den Aggressionswillen namentlich der westlichen Gesellschaften sowohl gegen außen als auch gegen innen, wie wir zur Zeit deutlich erleben -, mich selbst?) Solange Sie die Maske aufbehalten, sind Sie schlicht und wenig ergreifend nicht satisfaktionsfähig.

  2. Avatar jethro says:

    so geht’s unglaublich. aber das ist nicht dummheit: das ist provokation. du hättest, wie du schriebst, es gelöscht, hättest du es rechtzeitig bemerkt.

    schönes beispiel, wie das medium die duskussion verändert: es ist durch das internet eigentlich programmiert (!), daß solche provokationen funktionieren. meistens ist es nur immer weiter abdriftendes gelaber wie st(r)ulli, was einfach nur ärgerlich ist (und was die meisten blogs ungenießbar macht in meinen augen), aber es findet sich sofort wer, der auf eine solche provokation einsteigt, und schon ist eine diskussion im gange, von der der bloginhaber gar nichts ahnt, weil er ja nicht ständig an der röhre sitzt.

    • Ich finde das letztlich aber in Ordnung, weil es ebenfalls nichts verdeckt. Sondern >>>> zu solchen Überlegungen führt.

      Hier geht es – neben meiner persönlichen Problematik – um eine erkenntnistheoretische von großer Valenz. Insoweit habe ich von meinen eigenen persönlichen Interessen und Ängsten abzusehen. Mit anderen Worten: Ich muß Die Dschungel und mich selbst als dem gewachsen erweisen, was ich mit ihr begann. Es ist insofern also eine L e i s t u n g noch meiner entschiedensten Gegener, mich auf die Konsequenz meiner Arbeit immer wieder festzunageln. Ich entrinne ihr nicht, entrinne nicht den Forderungen ihrer erkenntnistheoretischen Ästhetik. Sondern bin verpflichtet, sie Gegenerschaften auszusetzen und daran entweder sie zu schärfen, oder sie wird sich als ungeeignet erweisen. Das Literarische Weblog ist eben k e i n Schutzraum, sondern steht mitten in einem künstlerischen Prozeß, der so notgedrungenermaßen wie willentlich auf eine moralische Haltungsfindung zurückgebunden wird. Dafür steht der Autor dieses Literarischen Weblogs mit seiner ganzen Person ein und nimmt auch mit etwaige persönliche und starke emotionale Nachteile in Kauf; das wiederum bekräftigt die Haltung. Denn es geht nicht um Sandkastenspiele und intellektuelles Gewurschtel, sondern um Existenz. Dies haben Die Dschungel den meisten Gegenern, die sich ihre Anonymität, also persönliche Nichtbefragbarkeit, wahren, deutlich voraus. Und dies ist die Radikalität, an der sich wahres und falsches Denken überhaupt erst erweisen kann.

      [Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (70).


      >>>> 71
      69 <<<<

    • Avatar china-blue says:

      was mich hier nachdenklich macht.. ist viel schlichter,es wird ihnen fast abgesprochen,dass sie,ANH, die intelligenz und sensibilität besitzen,altersgerecht umzugehen…
      erwachsene haben ein anderes spektrum(entwicklung und erfahrungen vorrausgesetzt)und denken durchaus über themen nach,die nicht unbedingt der stoff von 7 jährigen sind,allein diese geistige freiheit dürften sich ALLE eltern nehmen ,ohne dass ihnen vorgeworfen wird ,sie sind verderbend…gerade jemanden,der sich so viele gedanken macht,halte ich für sensibel mit kindern zum richtigen zeitpunkt die richtigen gedanken zu pflegen und zu fördern …das hier ist nicht das kika-weblog und ich verstehe überhaupt nicht wie man gedanklich diese symbiose herstellen kann?bedrohlich dagegen empfinde ich es,wenn man wissen um eine person,was einen selbst gar nicht betrifft und betreffen wird zu ächtung,rufmord oder ähnlichem benutzt,denn da schwebt ein geist mit,der mir schaudern verursacht….

    • Genau das, china-blue, hat mich so alarmiert. (Es ist doch ohnedies hochgradig unwahrscheinlich, daß ausgerechnet Klein- und Halbwüchsige sich in den Wust der hier angestellten oftmals hochtheoretischen Überlegungen begeben – wahrscheinlich würden sie schrecklich gelangweilt sein und schon deshalb von weiterer Lektüre absehen – es sei denn, es würde hier mit eindeutigem Bildmaterial „gearbeitet“, also einem, das über jenes hinausgeht, das unterdessen an jedem Kiosk ins Auge fällt, um vom Internet einmal zu schweigen. Insofern verweist PRIVATs heftige Reaktion auf ein in ihm selbst bestehendes, möglicherweise traumabedingtes Problem. Er (oder sie) ist aber ein B e i s p i e l für etwas, das gegenwärtig zunehmend Raum greift und eben deshalb, sieht man nur etwas genauer hin, einen politischen Prozeß aufdeckt, den man, vielleicht etwas zu sehr pauschalisierend, einen anti-aufklärerischen nennen muß. Tatsächlich entspricht PRIVATs Einlassung in mancherlei Hinsicht demjenigen, was ich in den letzten paar Jahren ganz persönlich in der Auseinandersetzung mit meinen und mit den Texten anderer Autoren erlebt habe, die sich nicht auf einen vermeintlichen Moralkonsens ungefragt einlassen wollen. Hochgradig interessant ist, daß dabei die, ich will es einmal s o nennen, ‚moralische Linke‘ zugleich mit dem, derzeit jedenfalls, obsiegten reaktionären US-Kapitalismus Hand in Hand vorgeht. Auf diese Weise bekommt das, was Sie eigentlich sehr zu recht „schlicht“ nennen und was die private Umgangsreife meint, dann doch wieder allgemeine politische Valenz und i s t dann gar nicht mehr so schlicht. Und wiederum gilt: >>>> Das Private ist das Politische.)

      [Übrigens gibt dies eine gute Erklärung dafür ab, daß die moralisch schärfsten Kritiker Der Dschungel nahezu i m m e r anonym auftreten. Sie ahnen womöglich ihre eigene Dynamik und müssen sie, während sie sie zugleich wütend von der Kette lassen, hinter der Maske halten. Dies scheint mir im übrigen eine notwendige T y p i k des Denunziatorischen zu sein, soweit nicht ein direktes persönliches Interesse dahintersteht, das man durch Vertreibung eines Konkurrenten realisieren will. Mitunter dürfte auch beides zusammenwirken. Jedenfalls kann sich ein Kritiker, der sich offenbar so weit in Die Dschungel eingelesen hat, sehr klar darüber sein, daß er selbst zum Gegenstand der Untersuchung wird. Das wäre ihm als nicht-Anonymem dann aber gerade mehr als nur unangenehm und zöge ihn in eine Auseinandersetzung, die er qua Denunziation ja gerade vermeiden will.]

    • Avatar china-blue says:

      ihr zeitgeist -empfinden muss ich leider auch in meinen erfahrungen bestätigen,es wird oberflächlich moralisiert und beim genauen hinschauen entpuppen sich leute,die ja so tolerant und offen sind als ziemlich kleingeistig….gern interlektuelle(oder die sich dafür halten)…ob das mit kapitalismus coordiniert ist,weiss ich noch nicht genau,aber ganz sicher mit diesem extremen sicherheitsbewußtsein in deutschland,was langsam zerbröselt.
      die deutschen sind es nicht gewohnt,von je her geistiges beamtentum,in unsicheren zeiten neues zu entwickeln,sondern sie erstarren fast in normen…das kann man auf allen ebenen gerade wahrnehmen.als ob man etwas sucht,was doch noch ein bißchen sicherheit verspricht…da ist natürlich jemand wie sie bedrohlich…genau hingeschaut ist es jedoch lächerlich,denn eigentlich braucht deutschland genau den mut,den glauben…den sie hier für ihre arbeit zeigen…und statt dieses beispiel zur wertschätzung anzuführen ,nein,da wird wahrscheinlich mehr auf ihren sexuellen äusserungen und neigungen (ich wette betreffender vater hat genau deshalb hier bis 1.00 nachts gelesen..)wert gelegt und dann denunzierend die elternrunde gemacht…diese leute erleben wenig im eigenem leben und haben deshalb nichts anderes zu tun .schade,dass sie diese energie nicht verwenden selbst etwas zu entwickeln oder sich mit ihren kindern zu beschäftigen…mehr kann man dazu nicht sagen…jedenfalls gibt es heute überall in der literatur sexuelles,das gehört mit zum leben und altersgerecht vermittelt völlig normal……
      moralisch entspricht es dem bild der prostituierten und den freiern…es gibt viele huren,aber keine männer,die dort hingehen…

    • lacht auf. Manchmal liebe ich Ihren so bodenständigen, klaren – fast möcht ich sagen ‚weiblichen‘ – Pragmatismus. Zu dem ich selbst es offenbar nie bringe – na ja, als ‚Mann‘ offenbar eh nicht… (Lacht noch einmal).

    • Avatar china-blue says:

      die konsequenz …. wäre doch nun(und ich hoffe,die eltern der klasse ….lesen hier alle eifrig mit)demnächst fragebögen auszugeben über die sexuellen neigungen und vorlieben (natürlich am elternabend,nicht in die kinderhände)denn bei ANH weiss man es jetzt…aber die anderen eltern???…und dann müsste man noch die kriterien festlegen…
      bedeuten nicht zum beispiel ehepaare,die seit einem jahr keinen sex haben,auch eine bedrohung für die kinder,weil inzwischen von lust- und phantasielosigkeit geprägt?was kann man eigentlich für seine eigenen kinder noch tolerieren…?ehepaare,die die missionarsstellung ausüben… 2 mal die woche?
      ….spätestens jetzt müsste jedem auffallen,dass kinder selbst die freunde wählen sollten und respektvoller umgang mit den eltern dieses freundes ist angemessen…schon allein dem EIGENEM kind zu liebe…

    • Avatar pausenbrot says:

      He, Koller-Kommunikation… … á la BILD und Anwaltspost. Sogar mein unschuldiger Nickmame wurde wieder einmal völlig sinnlos verunstaltet. Obwohl ich mich als ordentlicher Twoday-Nutzer nun wirklich nicht freiwillig zu kalkuliert- provokanten Schmuddeltexten äußere. Werdet erwachsen(er), Ihr Selbstdarsteller!

  3. Avatar jethro says:

    das ist alles richtig… … wie ihr da diskutiert. es ist nur das klitzekleine problem dabei, daß wir alle unsere lebenszeit vertun, um über solche PRIVATnicks (oh je, sollte jetzt gar keinen doppelsinn haben…) zu diskutieren, ohne daß auch nur irgendwas dabei herausschaut. PRIVAT wird (und soll meinetwegen auch) herbst für ein dekadentes schwein halten: was stört’s die eiche, wenn sich das borstenvieh dran kratzt.

    wie ja halt die dämlichsten äußerungen in diesem blog eh von leuten stammen, die sicher nie eine gedruckte zeile von anh gelesen haben und es auch nie tun werden. die halt auf irgendein sprachhäppchen, das sie im internet finden, reagieren und sich verbal drüber erbrechen. früher hätten sie sich am stammtisch entrüstet (wo ihnen wenigstens die offenbarung ihrer orthographie erspart geblieben wäre) – und irgendwann wär’s dann bei nächsten bier gut gewesen. nun aber kotzen sie öffentlich, und wir alle diskutieren drüber, als hätten das erbrochene auch nur einen anflug von relevanz. und nur dadurch, daß man sich verärgert über diese nichtse äußert, wird aus ihnen ein kleines etwas

    • Es h a t Relevanz, jethro. Es ist genau so unklug, dort als „Eingeweihter“ wegzuschauen. Im Gegenteil muß gerade h i e r genau hingeschaut und über solche Phänomene nachgedacht werden.Und zwar allein schon deshalb, weil sie Ausdruck von Mehrheiten sind. Wir leben (mit einigem Göttinseidank ist das gesagt) nicht in einer elitär-feudalen Gesellschaft, und mir ist es von daher – auch wenn es wehtut – sehr viel lieber als das große Schweigen dessen, was doch wirkt.
      Und ich wiederhole ganz deutlich: Auch wenn ich mich geärgert habe oder sogar verletzt bin, kann PRIVAT imgrunde nichts dazu. Seine (oder ihre) Äußerung ist die internalisierte Wirkung von etwas, das von außerhalb kam und nun Handlungsabläufe und Meinungen bestimmt.

    • Avatar china-blue says:

      @jethro das problem ist nicht,was „privat“ denkt,sondern was da für merwürdigkeiten entstehen und letztendlich den sohn von ANH auch im umgang mitbetreffen könnten,denn kinder sind sehr sensibel auch für unausgesprochenes ,was zwischen den erwachsenen passiert und insofern ist es nicht nur hier eine diskrepanz zwischen schreibenden…sondern kann auch kreise ins leben ziehen..

    • Avatar jethro says:

      natürlich hat es relevanz… … aber muß man sich auf jede relevanz im leben einlassen? das wäre eine unendliche verzettelung und würde im endeffekt dazu führen, daß nichts mehr relevanz hat.

      ich wehre mich einfach dagegen, mir von solchen PRIVATs lebenszeit stehlen zu lassen. nun kann man sagen: ich muß das hier ja nicht tippen. richtig. aber als stammgast in diesem weblog und als ein an anhs werken interessierter leser MUSS ich mir von solchen P.s zeit stehlen lassen – weil das gesudel einfach da ist.

    • Ja, Die Dschungel l ä ß t sich auf jede Relevanz ein, soweit sie hier verschriftlicht wird. Mit diesem Anspruch ist meine Ästhetik angetreten: >>>> „Das Akzidentielle gibt es nicht.“ Wer das so ausdrückt und glaubt, kann nicht wegfiltern – oder doch nur da, wo es um persönliche Häme geht. Was ich im Falle PRIVATs nicht meine. Er ist für mich vielmehr Ausdruck einer Zeitstimmung, sei sie auch vermeintlich noch so marginal. (Hätte er nur geschrieben „Sie sind ein Schwein“, wär die Sache längst erledigt; aber er zog – ganz unabhängig von meinem Narzißmus – gesellschaftlich sanktionäre Notwendigkeiten aus seiner Ansicht ab. Und um die ist sich intellektuell zu kümmern: sie muß verstanden und, falls dann nötig, auch revidiert werden können, und zwar auf beiden, bzw. allen Seiten.)
      Nun hat Die Dschungel unterdessen nahezu 8000 Beiträge, die nicht selten mehrfach kommentiert und diskutiert sind; es wird sich wohl für jeden, den das Geschehen in einem bestimmten Beitrag nervt, ein anderer finden, an dem er gerne oder lieber mitwirkt. Niemand m u ß alles lesen, was in Der Dschungel steht.

    • Avatar china-blue says:

      @jethro es hat immer einen komischen beigeschmack,wenn argumentiert wird…gestohlene lebenzeit,so wichtig ist das nicht…ich bin mir auch ziemlich sicher,dass sie es freundlich meinten…dennoch es setzt alles im kleinem ,noch irrelevanten an ,deshalb geht es nie um unwichtiges..das kann man temporär persönlich so empfinden und das ist auch in ordnung…
      ich las neulich hier“..ich möchte sie als den schriftsteller behalten(so ähnlich jedenfalls)“…das hat mich auch zum nachdenken gebracht…was für ein anspruch an ANH…was heisst denn behalten? muss er jetzt immer so schreiben wie sich der schreiber das vorstellt?interessant was menschen so erwarten ohne das man sie persönlich kennt,dachte ich und wäre nie auf den gedanken gekommen,mit welchen ansprüchen man sich wohl auseinander zu setzen hat als schriftsteller…
      ich finde „der dschungel“einfach genau deswegen so spannend,weil ich viele perspektiven finde und sie nicht gestoppt werden…und mich manches auch in gedanken begleitet,dass können fragmente sein…oder auch ganze thematiken….oder auch sehr schön geschriebenes,beschriebenes…durch schweigen oder negieren ändert sich jedenfalls auch nichts und so lange man kraft hat,muss man intoleranz widersprechen,das finde ich schon wichtig!

    • Avatar a. says:

      Stimme china-blue… …sehr zu. Fühle mich ebenfalls nicht angesprochen, wenn jethro „wir alle“ schreibt. Entscheide gerne selbst, wer meine Lebenszeit stehlen darf und wer nicht. PRIVAT stiehlt einiges davon (nicht als Kompliment verstehen, PRIVAT!).

    • Avatar jethro says:

      Liebe Leute natürlich liegt es mir fern, für andere zu sprechen. und jeder darf mit seiner zeit machen, was er will… was ich meine, ist nur: wir diskutieren hier über eine unsägliche meinung von P., den (oder die) das nun so gar nicht interessieren dürfte. für P. bleiben wir herbst-jünger und plappern dem meister nach, fertig. und überzeugen uns gegenseitig, wie wichtig es ist, über P.s unfug zu debattieren. hätt man in der zeit nicht auch was lesen können? mir jedenfalls ist zeit immer kostbar und stets zu knapp: für das pensum und ungelesener literatur und zu selten gehörter musik.

    • Avatar a. says:

      Sagen Sie einfach nicht so oft… …“Wir“, dann wird das schon. 😉

      Ich bin ich, und was ich „für P. bin“, um Ihren Ausdruck zu verwenden, interessiert mich einen feuchten…

      Ansonsten halte ich es mit china-blue: „ich finde „der dschungel“einfach genau deswegen so spannend,weil ich viele perspektiven finde und sie nicht gestoppt werden…und mich manches auch in gedanken begleitet,dass können fragmente sein…oder auch ganze thematiken….oder auch sehr schön geschriebenes,beschriebenes“.

      Mir ist Zeit auch kostbar, deswegen lese ich ja hier.

    • Ihr seid… (kann nicht anders, als das so zu schreiben, werd auch das Lächeln grad nicht los) … süß.

  4. LÖSCHUNGEN. (Wiederholung des im Arbeitsjournal um 23.19 Uhr bereits Eingefügten:)
    DER SICH „PRIVAT“ NENNENDE ANONYMLING HAT NUNMEHR ALLE SEINE BEITRÄGE GELÖSCHT, SO DASS SIE EINSTWEILEN E R S C H L I E S S E N MÜSSEN, WAS ER SCHRIEB. (IN SEINEM LETZTEN KOMMENTAR TEILT ER MIT, ER HABE NUN SEINE BEITRÄGE SÄMTLICHST GELÖSCHT. ICH ERWÄHNE DIES, WEIL ICH NICHT WEISS, OB ER NICHT AUCH D A S NOCH LÖSCHEN WIRD.)
    DIE DSCHUNGEL DURCHFORSTEN DERZEIT DEN GOOGLE-CACHE, UM DIE KOMMENTARE VON „PRIVAT“ WIEDERHERZUSTELLEN. SOLLTEN WIR FÜNDIG WERDEN, ZITIEREN WIR SIE DANN SPÄTER IN EINEM GESONDERTEN KOMMENTAR.

    • Avatar parallalie says:

      Was ich rekapituliere, ist PRIVATs Rückschluß in Bezug auf gewisse ANH-private Inhalte in seinem alten Tagebuch und deren angeblichen Einfluß auf die Erziehung seines Sohns, wobei er von vornherein meint, sie seien negativ für seinen Sohn. Wobei sich das auch negativ auf seine Freunde auswirke: so seine Worte. Im Endeffekt seien dann Leute wie ANH gerade diejenigen, die dazu beitrügen, daß man kleine Mädchen in Kellerlöchern versteckt, sie vergewaltigt und dann umbringt (den letzten Halbsatz hat er nicht geschrieben, aber er war in seinem Bewußtsein).
      PRIVAT hat anonym denunziert, als wollte er sich mal kurz einen runterholen. Dann hat er alles wieder gelöscht. Die Taschentücher mit dem Sperma kommen eh ins Klo: dann wird die Spültaste gedrückt. Weiß ich doch, wie sowas geht.
      Gerade aber PRIVAT entspricht dann dem Typ dessen, der unter dem Vorwand der „Gutbürgerlichkeit“, des „moralisch Integren“, etwas zu verbergen hat. Sich, Andere, seine Gefühle, sein Unwohlsein mit dieser Welt, seinen Haß, seine Liebe, sein Alles. Er verhehlt. Und bereitet so den Weg für das Verstecken kleiner Mädchen.
      Ich nehme an, PRIVAT wird dies dennoch lesen: der Täter kehrt immer an den Tatort zurück. Daß Sie alles löschten, was Sie schrieben, verrät Sie wie Ihr gelöschtes „*lacht*“ auf meine und montgelas‘ Replik.

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